Agile Verträge – Vertragsgestaltung bei agiler Entwicklung für Projektverantwortliche

Viele Entwickler setzen heute auf agile Entwicklungsmethoden. Doch wie lassen sich die agilen Projekte vertraglich gestalten? Fritz-Ulli Pieper und Stefan Roock lassen sie Leser von "Agile Verträge" daran teilhaben.

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Agile Verträge – Vertragsgestaltung bei agiler Entwicklung für Projektverantwortliche
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Fritz-Ulli Pieper, Stefan Roock
Agile Verträge – Vertragsgestaltung bei agiler Entwicklung für Projektverantwortliche

dpunkt.verlag, 2017
XV + 152 Seiten, € 26,90
ISBN: 978-3-86490-400-4

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Ein Vorgehen nach dem Wasserfallmodell ist oftmals zum Scheitern verurteilt. Deswegen setzen Entwickler heute agile Entwicklungsmethoden ein, mit denen sie schnell auf die allgegenwärtigen Veränderungen reagieren können. So können sie die Aussichten auf den Projekterfolg steigern. Doch wie lassen sich solche agilen Projekte vertraglich gestalten?

Auch wenn oft Software für das eigene Unternehmen entwickelt wird, kommt noch häufiger ein Dienstleister zum Zuge. Beim Wasserfallmodell schien alles so einfach: Der Programmumfang stand von vornherein scheinbar klar umrissen und fest da, und so konnte der Anbieter alles durchkalkulieren und einen festen Preis anbieten. Auch wenn Festpreismodelle im Rahmen agiler Entwicklung möglich sind, ist es deutlich sinnvoller, die agile Entwicklung auch in die Vertragsgestaltung miteinzubeziehen. Wie das geschahen kann, davon handelt das Buch von Pieper und Roock. Der eine ein Rechtsanwalt, der andere ein sogenanntes Urgestein agiler Softwareentwicklung in Deutschland.

Laut Untertitel handelt es sich um ein Buch für Projektverantwortliche. Auf der Buchrückseite ist die Zielgruppe weiter umrissen. Hier geht es um Projektleiter und -mitarbeiter, Product Owner, Scrum Master sowie juristische Berater. Im Buch gehen die Autoren von Verträgen zwischen Auftraggeber und Dienstleistungsunternehmen aus, vielfach inspiriert durch Erfahrungen mit dem eigenen Unternehmen. In kaum einem anderen Metier jedoch sind so viele echte Freelancer wie in der Softwareentwicklung unterwegs. Diese sind auf dem Backcover nicht separat genannt. Oft finden sie sich in einer der genannten Rollen, aber im Buch sind sie ein wenig unterrepräsentiert. Hier geht es um Verträge zwischen Auftraggeber als Anwender der Software und einem Dienstleistungsunternehmen. Freiberufler bieten ihre Dienste zwar auch dem Anwender, viel häufiger aber noch eben einem solchen Dienstleistungsunternehmen an. Doch auch wenn diese spezielle Rechtslage im Buch nicht explizit behandelt wird, erscheint es für Selbständige ebenfalls höchst interessant.

Agile Verträge sollten den Geist agiler Entwicklung in sich tragen. Während das agile Manifest vielen Informatikern bekannt ist, erhält der eher von juristischer Seite kommende Leser erst einmal eine kurze Einführung in die agile Entwicklung, vornehmlich an Scrum angelehnt. Sodann erläutern die Autoren mögliche Vertragsformen für die agile Entwicklung. Ihnen erscheint insbesondere wichtig, bestimmte agile Prinzipien wie die enge Kooperation von Entwickler und Anwender mit in den Vertrag aufzunehmen. Dabei halten sie es für vorteilhaft, die Rolle des Product Owner vom Auftraggeber besetzen zu lassen. Sie erläutern in einem ersten Überblick Vor- und Nachteile der einzelnen Vertragsformen wie Festpreisvertrag, Time & Material sowie der Bandbreite dazwischen.

Sodann geht es um juristische Grundlagen. Aber keine Sorge, hier findet sich keine trockene juristische Abhandlung. Vielmehr gehen die Autoren auf die Relevanz für die Praxis ein. So lernen Leser, das dort, wo Dienstleistungsvertrag drauf steht, Werksvertrag drin sein kann. Es kommt hier immer auf den beabsichtigten Zweck an. Und welche Bedeutung die unterschiedlichen Vertragstypen haben, ist für alle Verantwortliche, wie auch den erwähnten Freelancer, wichtig zu wissen. Sind beispielsweise Bugs eine übliche Begleiterscheinung der Softwareentwicklung und deren Beseitigung eine separate Dienstleistung, oder schuldet der Anbieter dem Auftraggeber ein fehlerfreies Produkt? Das hängt klar vom Vertragstyp ab.

Egal welche Vertragsform gewählt wird, Anbieter müssen vorab zumindest in Teilbereichen kalkulieren. Und so schieben die Autoren ein Kapitel Schätzung und Planung ein, bevor sie dann in mehreren Kapiteln auf die unterschiedlichen Formen, beginnend mit dem Festpreis, eingehen. Neben Bezahlung nach Aufwand als anderes Extrem berichten sie hier von Bezahlung pro Sprint und nutzungsorientierten Verträgen. Zu guter Letzt fassen sie ganz kurz zusammen, berichten von wiederkehrenden Mustern und wagen einen Ausblick auf künftige Vertragsmodelle, der aber eher nebulös und vage ausfällt.

Wer am Ende des Buchs angelangt ist, hat bereits eine ganze Menge erfahren und ist gut gerüstet, über eigene Verträge kritisch nachzudenken. Und diese Erfahrung kommt nicht im Juristendeutsch, sondern praxisnah beschrieben und mithilfe zahlreicher Grafiken untermalt daher. Inklusive einer Art Vertragsmuster. Ach ja, einen Anwalt, so die Autoren, ersetzt das Buch jedoch nicht. (ane)

Michael Müller
ist als Bereichsleiter Softwareentwicklung der InEK GmbH verantwortlich für Projekte im Web-, Java- und .NET-Umfeld. Daneben betätigt er sich als freier Autor und verfasst Fachartikel zu diversen Entwicklungsthemen sowie Buchrezensionen.

(Der dpunkt.verlag gehört zur Heise Gruppe, die auch heise Developer herausgibt; Anm. d. Red.)

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