Architektur für Websysteme

Das Buch verzichtet auf eine tiefe Behandlung einzelner Architekturkonzepte und geht stattdessen in die Breite.

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Architektur für Websysteme

Daniel Takai

Architektur für Websysteme – Serviceorientierte Architektur, Microservices, Domänengetriebener Entwurf

Hanser, 2017
MIX + 387 Seiten, 40,00 Euro
ISBN 978-3-446-45056-1

Um gute Software erstellen zu können, braucht es eine fundierte Architektur, und dafür gilt es jede Menge zu beachten. So ließe sich Daniel Takais Buch in einem Satz beschreiben. Er holt weit aus und schildert dem Leser viele Details. Dabei bleibt er meistens herrlich unkonkret auf hohem Abstraktionsniveau. Er geht durchaus auf Architekturstile ein, aber nicht tief genug, um sie den Lesern zu vermitteln. Vielmehr reißt er kurz unterschiedliche Stile an und ordnet sie in den passenden Kontext ein.

Mit der Vorgehensweise zielt er auf andere Bedürfnisse seiner Leserschaft. Wer konkret bestimmte Themen vertiefen möchte, greife zu einem Buch über den passenden Ausschnitt der Softwarearchitektur. Wer aber – und das gilt auch für Softwareentwickler, die sich nicht als Architekten verstehen – Software und ihren Entwicklungskontext recht umfänglich betrachten möchte, der findet in vorliegendem Buch eine Fülle von Themen.

Takai teilt sein Buch in die fünf Bereiche Geschäftssysteme, Wartbarkeit, Performance, Zuverlässigkeit und Informationssicherheit, wobei der erste Teil nicht nur Geschäftssysteme im Sinne des Buchs definiert, sondern sich auch mit unterschiedlichen Architekturen, insbesondere Services auseinandersetzt. Dabei geht er auf Entwurfsstandards und Qualität ein und benennt Vor- und Nachteile der unterschiedlichen Architekturen für Web-Systeme.

Was bedeuten konzeptionelle Integrität, Konsistenz, Testbarkeit für die Wartung von Programmsystemen? Welche Rolle spielen Latenz, Kapazität und Skalierbarkeit für die Performance? Wie wird die Zuverlässigkeit durch Prüfbarkeit, Resilienz und mehr bestimmt? Und welche Rollen spielen Identifikation, Authentifizierung und Autorisierung für die Informationssicherheit? Das ist ein Ausschnitt der Themen für die weiteren Bereiche des Buchs.

Wie die kurze Beschreibung der Themen erkennen lässt, geht der Autor in die Breite. Das verhindert den Gang in die Tiefe, damit das Buch nicht einen unhandlichen Umfang jenseits von 1000 Seiten bekommt. Dennoch gelingt es dem Autor immer wieder, Konzepte weit genug anzureißen, dass die Leser einen Eindruck des Wesentlichen erhalten. Im Anschluss an die Lektüre besteht die Möglichkeit, gezielt einzelne Themenblöcke herauszupicken und individuell zu vertiefen. Der Wert des Buchs liegt nicht im Vermitteln bestimmter architekturrelevanter Konzepte, sondern darin, den Blick für alles zu schärfen, was erforderlich ist. Beispielsweise reicht es nicht, einen Service im REST-Stil zu erstellen, wenn unklar ist, wie er sicher genutzt oder im Falle eines Desasters zuverlässig wiederhergestellt werden kann.

Verständlich geschrieben, mit meist als UML oder BPML ausgeprägten Diagrammen untermalt, führt der Autor den Leser durch die einzelnen Themenblöcke. Nur das Ende des Buchs überrascht: Es hört ohne erkennbaren Schluss auf. Raum für eine Fortsetzung? (rme)

Michael Müller
ist als Bereichsleiter Softwareentwicklung der InEK GmbH verantwortlich für Projekte im Web-, Java- und .NET-Umfeld. Daneben betätigt er sich als freier Autor und verfasst Fachartikel zu diversen Entwicklungsthemen sowie Buchrezensionen.