Auch Microsoft Press macht dicht: Keine neuen IT-Bücher mehr

Der Dotnet-Doktor  –  1 Kommentare

Innerhalb eines Jahres verschwindet nun schon die vierte Marke vom deutschen IT-Fachbuchmarkt: Nach Addison-Wesley, Markt & Technik und Data Becker wird nun auch Microsoft Press keine neuen Bücher mehr produzieren.

Der Verlag O'Reilly, der seit 2009 weltweit Nutzer der Marke "Microsoft Press" ist, hat allen Mitarbeitern des Microsoft-Press-Lektorats gekündigt und wird keine Bücher mehr unter dem Namen Microsoft Press verlegen. Dies ist die Konsequenz daraus, dass die Microsoft Corporation dem Verlag O'Reilly nach Meinungsverschiedenheiten das Recht entzogen hat, die Marke "Microsoft Press" weiterhin zu verwenden. Für den englischen Markt hatte Microsoft dies am 30. September bereits verkündet.

Bis 2009 war Microsoft selbst verlegerisch tätig. Das deutsche Lektorat war bei Microsoft Deutschland in Unterschließheim angesiedelt und wurde dann von O'Reilly Deutschland mit Sitz in Köln übernommen. Letzte Woche informierte dann Lektoratsleiter Thomas Braun-Wiesholler die deutschen Autoren über das Schließen des Lektorats. Das erfolgte immerhin durch einen Telefonanruf; die Autoren von Addison-Wesley sowie Markt & Technik hatten im Frühjahr nur einen Kündigungsbrief erhalten. Einige wurden auch erst durch meine Berichterstattung bei heise.de informiert.

Einen solchen Anruf erhielt auch ich, da ich bei Microsoft Press einige Bücher veröffentlicht habe. Ich hatte aber versprochen, die Information erst mal nicht zu veröffentlichen, damit alle Autoren vorab direkt informiert werden können und sie es nicht aus den Medien erfahren müssen. Anders als im Fall Addison-Wesley sowie Markt & Technik gibt es für die Microsoft-Press-Autoren aber die Hoffnung, dass einige der Titel von O'Reilly übernommen werden, zumal die Autorenverträge direkt mit O'Reilly geschlossen wurden. Auch die im Markt befindlichen Bücher werden bis zum Abverkauf der aktuellen Auflage weiterhin vertrieben.

Unklar ist noch, was Microsoft mit seiner Marke Microsoft Press nun plant. Theoretisch könnte Microsoft die Marke nun einem anderen Verlag übertragen oder selbst wieder als Verlag tätig werden. Allerdings spricht gegen die Weiterverwendung der Marke, dass Microsoft die bestehende Infrastruktur nun einstampft und die Autoren ziehen lässt, ohne eine Perspektive darzustellen.

Insgesamt ist die Entwicklung auf dem IT-Fachbuchmarkt dramatisch. Innerhalb nur eines Jahres verschwinden damit vier renommierte Verlagsmarken.