Ausblick auf das .NET-Jahr 2007

Der Dotnet-Doktor  –  0 Kommentare

Liebe Blog-Leserinnen und Leser,

ich wünsche Ihnen ein frohes neues und für Sie erfolgreiches Jahr 2007!
Nach einer kleinen Winterpause (in der ich fleißig an meinem nächsten Buch gearbeitet habe) melde ich mich wieder. Wie könnte man das Jahr in diesem .NET-Blog besser beginnen als mit der Frage, was sich in Sachen .NET in diesem Jahr tun wird. Ich bin gespannt auf das Jahr. Und Sie?

Holger Schwichtenberg


.NET Framework 3.0 im Markt

Das .NET Framework 3.0 mit WPF, WCF und WF ist im November erschienen und – nehme ich nur einmal als Maßstab die Beratungs- und Schulungsanfragen, die bei unserem .NET-Schulungsunternehmen eingehen – für viele Unternehmen sehr interessant. Der ein oder andere Interessent hat aber das Interesse sehr schnell wieder verloren, als ich die alles entscheidende Frage am Telefon stellte: Müssen Sie noch Windows-Betriebssysteme vor Windows XP unterstützen? Um das auch hier noch einmal klar zu machen: Microsoft unterstützt ab .NET 3.0 nur noch Windows XP, Windows Server 2003 und Vista sowie die zukünftigen Betriebssysteme mit den Codenamen Longhorn, Fiji und Vienna.

.NET Framework 3.5

Die nächste Version des .NET Framework soll die Versionsnummer 3.5 tragen – wobei ich immer noch glaube, dass Microsoft doch 4.0 als Versionsnummer wählen wird, um Java auch hinsichtlich der Nummerierung irgendwann ebenbürtig zu sein. Der Codename für .NET 3.5 ist Orcas und als Erscheinungstermin spricht man "von Ende 2007". In einem früheren Blogeintrag hatte ich ja schon einmal über die Neuerungen berichtet, die von .NET 3.5 zu erwarten sind.

Highlight wird sicherlich das Objekt-Relational Mapping mit Language Integrated Query (LINQ). Ein Gespräch mit Anders Hejlsberg gibt mir jedoch Anlass zu bezweifeln, dass ADO.NET "vNext"  auch in diesem Jahr erscheinen wird, denn die Redundanzen zwischen ADO.NET Entity Framework und LINQ sind hoch.

Visual Studio 2008

Für das .NET Framework 3.0 gab es keine neue Version der Entwicklungsumgebung Visual Studio. Entwickler, die WPF, WCF und WF einsetzen, müssen sich vorerst mit mehr oder wenigen unausgereiften Erweiterungen abmühen. Parallel zum .NET Framework 3.5 steht aber Visual Studio "Orcas" an. Gemäß dem Prinzip, dass die Produkt-Jahreszahlen dem Fiskaljahr entsprechen, das bei Microsoft im Juli beginnt, müsste die neue IDE dann Visual Studio 2008 heißen.

Microsoft hat auf einer öffentlichen Website Spezifikationen für Visual Studio Orcas abgelegt. Beim Betrachten der Website fühlt man sich allerdings ein wenig verschaukelt, denn dort sind mehr als die Hälfte der hinterlegten Anforderungen auf dem Niveau:

  • Der Startbildschirm soll runde Ecken bekommen.
  • Wir wollen als Schriftart "Segoe 9 Punkt" verwenden.
  • Wir müssen das Aussehen der Menüs und Symbolleisten an Windows Vista anpassen.
  • Wir müssen überall im Produkt den neuen Produktnamen führen.

Eins der interessanten Features, das man hier findet, ist Multi-Targeting, d.h. die IDE ist nicht mehr an einen .NET Framework-Version gebunden, sondern erlaubt die Erstellung von Assemblies für verschiedene Versionen.

Andere interessante Features, die man hier entdeckt, sind:

  • Ein ListView-Steuerelement für ASP.NET, das Möglichkeiten von DataList, Repeater, DetailsView und GridView zusammenfasst und erweitert (z.B. Master-Detail-Ansicht).
  • Detaillierte Pläne von Microsoft für die Erweiterungen der partiellen Seitenerzeugung für AJAX in ASP.NET

Über die Spezifikationswebsite hinaus sind noch folgende Punkte über Orcas bekannt:

  • ein stark verbesserten Webdesigner (Codename "Sapphire"), insbesondere in Hinblick auf CSS und JavaScript (IntelliSense und Debugging);
  • die Integration der bisherigen Zusätze für WF, WPF und WCF;
  • ein grafischer Designer für Objekt-Relational-Mapping mit LINQ.

Orcas gibt es derzeit als Virtual PC Image oder in einzelnen Downloads als Erweiterung für Visual Studio 2005:

Die nächste CTP-Version laut der Spezifikationstabelle soll im Januar kommen.

Visual Studio Team System

Zusammen mit Visual Studio Orcas wird es nur ein kleineres Update für den Team Foundation Server (TFS) geben. Auf der Spezifikationsseite gibt es auch dazu einige Hinweise. Der nächste große Wurf ist erst nach Orcas geplant.

Microsoft Expression-Produktfamilie

Microsoft Expression ist eine relativ neue Produktfamilie (Erstankündigung auf der PDC 2005) für Grafiker, bestehend aus:

  • Microsoft Expression Design (früher: Graphic Designer, Codename Acrylic): für Bitmap- und Vektor-Bearbeitung
  • Microsoft Expression Blend (früher: Expression Interactive Designer, Codename Sparkle): XAML-Designer für WPF-Anwendungen
  • Microsoft Expression Web (Codename Quartz): HTML-Designer mit Unterstützung für CSS, XML, XLST und ASP.NET 2.0
  • Microsoft Expression Media: Werkzeug zur Verwaltung von Grafiken und Videos. (Microsoft hat im Juni 2006 das Produkt iView MediaPro gekauft).

Als erstes Produkt ist noch 2006 Expression Web als Nachfolger von Microsoft FrontPage erschienen. Von Unternehmen, die WPF einsetzen wollen, wird sicherlich der kürzlich von Expression Interactive Designer in Microsoft Expression Blend umgetaufte WPF-XAML-Editor sehnlichst erwartet. Hier gibt es derzeit eine Beta-Version und die endgültige Version ist für das 2. Quartal 2007 geplant.