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Berlin Buzzwords meets Droidcon: Big Data und Smart Devices

Veranstaltungsberichte

Anfang Juni fanden im Berliner Postbahnhof zwei Konferenzen mit der Hauptzielgruppe Entwickler statt, die sich in ihren Themen auf den ersten Blick grundsätzlich unterscheiden: die Berlin Buzzwords über alle Themen rund um Big Data und die Droidcon zum mobilen Android-System. Welches der beiden Themen hat nun mehr Akzente gesetzt?

Mit laut Veranstalterangaben über 600 Teilnehmern war die inzwischen sechste Ausgabe der Berlin Buzzwords gut besucht. Auftakt der Veranstaltung war ein Barcamp am Sonntagnachmittag mit circa 100 Teilnehmern, das gemäß den Barcamp-Grundsätzen ohne vom Veranstalter vorgegebenes Programm ablief und stattdessen vom Grundsatz geprägt war: "Lasst uns gemeinsam über meine konkreten Probleme und Aufgabenstellungen reden."

Klassische Fragestellungen aus den praktischen Erfahrungen der Referenten waren beispielsweise "Wie kann man in Echtzeit in Webanwendungen aus dem bisherigen Benutzerverhalten die nächsten Schritte/Klicks vorhersagen und dem User aus diesen Prognosen heraus spezifischen Content anbieten" oder "Ein Unternehmen/Produkt ist so erfolgreich, dass Themen der Skalierbarkeit einer vorhandenen Lösung in den Vordergrund treten".

Berlin Buzzwords: Ellen Friedman in ihrer Session über "How to Communicate with the Non-Coder"

Die Sessions der zweitägigen Hauptkonferenz gingen entweder tief in die Technik (z. B. "Algorithms and data-structures that power Lucene and Elasticsearch") oder waren Erfahrungsberichte über den Einsatz von Tools aus der Hadoop-Produktfamilie. Aus den Berichten eine Empfehlung für eine Auswahl aus dem Hadoop-Ökosystem zusammenzustellen, ist schwierig und aufgrund der unterschiedlichen Fragestellungen in realen Projekten auch nicht zielführend. Auffallend häufig genannt wurden Apache Kafka zur Eventverarbeitung in Messaging-Systemen, Apache Spark für Echtzeitanalysen sowie Cassandra, HBase und Redis als Datenbanken.

Beim Thema Datenbank war auffällig, dass NoSQL als Bestandteil der Big-Data-Welt angekommen und gesetzt ist: Es gab keine Vorträge mehr zur "Einführung in NoSQL-Datenbank <XYZ>" oder zur Frage "Relational oder NoSQL", stattdessen Tipps zur Auswahl der passenden (NoSQL-)Datenbank in Abhängigkeit der konkreten Projektanforderungen. Aber auch Sessions zu neueren Themen beziehungsweise neuen Mitgliedern der Hadoop-Familie waren im Angebot, etwa Vorträge über Apache Flink als Alternative zu Spark sowie über Apache Drill, eine schemafreie SQL Query Engine für Datenquellen unterschiedlichen Formats (z. B. Hadoop, NoSQL-Datenbanken und Flat Files), deren Version 1.0 kürzlich veröffentlicht[1] wurde.

Droidcon-Ausstellung

Die Droidcon in Berlin, also am Gründungsstandort dieser mittlerweile internationalen Android-Developer-Konferenzserie, lockte bei ihrer siebten Ausgabe mehr als 800 Teilnehmer an. Ergänzt um ein Barcamp vorab sowie einen Hands-on-Hackathon-Tag im Anschluss ging es an den beiden Hauptkonferenztagen um die Themen Android-Architektur, Programmiersprachen, APIs, Wearables, UI/UX, Codequalität und Automotive. Die Teilnehmer konnten in vier parallelen Tracks aus fortgeschrittenen Technikvorträgen sowie eher produktorientierten Beiträgen zu Hype-Themen (z. B. Wearables und Android Auto) wählen. Diese Mischung resultierte in einem abwechslungsreichen Angebot für die Teilnehmer, die – wie man aus Zwischenfragen und persönlichen Gesprächen erfahren konnte – beinahe ausnahmslos mit einem starken technischen Background angereist waren.

Android Auto ist ein gutes Beispiel dafür, dass man bei Hype-Themen genau hinschauen sollte: Dahinter verbirgt sich derzeit "nur" die Möglichkeit, die Ausgabe einer App vom Smartphone auf ein Android-Auto-Endgerät umzuleiten. Ein Zugriff auf die Sensordaten des Wagens ist im derzeitigen Stand von Android Auto (noch) nicht vorgesehen, aber für die Zukunft zu erwarten, um die durchaus vielversprechenden Möglichkeiten im Bereich "Connected Cars" zu nutzen, die auf der Droidcon unter anderem in einer Podiumsdiskussion erörtert wurden.

Droidcon: Hype-Thema Smart Glasses mit Ahmet Yildirim von Sony Mobile Communications

Anders dagegen die Situation bei Bluetooth Low Energy (BLE). Hier geht es nicht, wie der Name es zunächst vermuten lässt, um eine klassische Bluetooth-Anbindung, also die Möglichkeit, größere Datenmengen über kurze Entfernungen zu übertragen. Stattdessen ist es über BLE möglich, auch über Entfernungen von mehreren Metern kleinere Datenmengen zu übertragen. Zielgruppe sind Anwendungen, bei denen das Endgerät mit stationären Geräten (sogenannten Beacons) kommunizieren kann. Die Datenmenge und auch der Stromverbrauch sind bei BLE deutlich geringer als beim großen Bruder Bluetooth, BLE ermöglicht interessante Anwendungsfelder, etwa bei der exakten Lokalisierung auch in geschlossenen Räumen durch die Auswertung von Geopositionen mehrerer Beacons in Reichweite.

Zurück zur Ursprungsfrage, welche Konferenz nun mehr Akzente gesetzt hat. Auffallend war zunächst, dass die Bezeichnung "Buzzwords" für die Big-Data-Konferenz eigentlich nicht mehr passend ist. Es ging fast ausschließlich um Wissensvermittlung für die Teilnehmer, die größtenteils mit einem beträchtlichen Vorwissen angereist waren. Marketing-Vorträge zu Buzzword-Themen fehlten vollständig. Und auch die kleine konferenzbegleitende Ausstellung mit nur vier Ausstellern kann als Beleg dafür angesehen werden, dass man Big Data nicht als Produkt kaufen kann. Stattdessen geht es darum, möglichst viel Wissen über die zur Verfügung stehenden (Open-Source-)Produkte zu erwerben und dieses Wissen dann in Praxisprojekten anzuwenden.

Etwas anders dagegen die Situation auf dem Android-Markt. Obwohl es auch hier auf der Konferenz vorrangig um reine Wissensvermittlung ging, zeigte sich auf der deutlich größeren Ausstellung, dass es hier mehr Möglichkeiten zur öffentlichkeitswirksamen Werbung gibt, zum Beispiel an den Ständen der Aussteller, die die aktuellen Modelle der Android-Brillen zum Ausprobieren zur Verfügung stellten, in der Hoffnung, dass möglichst viele der anwesenden Android-Entwickler anschließend über die verfügbaren SDK-Tools zu diesen neuen Geräten Apps entwickeln sollen.

Eines war aber den Keynotes, Sessions und den Ausstellerständen beider Konferenzen gemeinsam: der Hinweis "We are hiring" an vielen Stellen. Sowohl Big Data als auch Android sind Themengebiete, die vom Wissen der Entwickler leben und sie somit zur begehrten Zielgruppe aller beteiligten Unternehmen macht. Wer sich in diese Themen einarbeiten oder weiter spezialisieren will, dem können die nächsten Ausgaben der Konferenzen empfohlen werden.

Ein Großteil der Sessions wurde aufgezeichnet und ist auf den YouTube-Kanälen der Konferenzen veröffentlicht worden (Buzzwords[2]; Droidcon[3]). Zusätzlich gibt es die Unterlagen des Droidcon-Barcamps als Booklet[4]. (ane[5])

Rudolf Jansen
ist Diplom-Informatiker aus Aachen und arbeitet als freiberuflicher Softwareentwickler und Journalist. Seine Tätigkeitsschwerpunkte liegen in den Bereichen Java, C++ und Datenbanken.


URL dieses Artikels:
http://www.heise.de/-2690403

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/meldung/Big-Data-Apache-Drill-in-Version-1-0-veroeffentlicht-2657235.html
[2] https://www.youtube.com/playlist?list=PLq-odUc2x7i-_qWWixXHZ6w-MxyLxEC7s
[3] https://www.youtube.com/playlist?list=PL9Pfzam3fFdeURdCGf1vlBrnMn3MxjvRS
[4] http://droidcon.gitbooks.io/2015-berlin-barcamp/
[5] mailto:ane@heise.de