BlackBerry: Comeback mit neuer Ausrichtung

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Lange hat es gedauert, bis ein neues BlackBerry-System vorlag. Wo es nun draußen ist, stehen die Chancen aufgrund der neuen C++-Nähe und der einfachen Portierbarkeit von Android-Apps gar nicht so schlecht, dass Entwickler das BlackBerry 10 mögen werden – auch weil BlackBerry-Anwender bislang als zahlungsfreudig galten.

Die BlackBerry-Geräte waren trotz großen Marketings immer vorrangig im Business-Segment zu Hause. Professionellen Anwendern ist die Medienvielfalt ihres Telefons nicht wichtig, sie legen vor allem Wert darauf, die diversen Geschäftsapplikationen so effizient wie möglich zu nutzen. Hier spielt BlackBerry seine Stärke aus: Der Server im Hintergrund arbeitet mit einem Protokoll, das von Grund auf an die Gegebenheiten im Mobilcomputerbereich angepasst ist. Das bedeutet, dass ihm Verbindungsabbrüche nichts ausmachen – bei Fahrten im Zug ist das ein nicht zu unterschätzender Vorteil. Hinzu kommen ausgetüftelte Möglichkeiten der zentralen Geräteverwaltung.

Aufgrund dieser Fähigkeit waren Endanwender gewillt, dem Unternehmen das teilweise nicht mehr zeitgemäße Betriebssystem zu verzeihen. Der Marktanteilsverlust der Plattform ist – nach Meinung des Autors – nicht auf User-Abwanderung zurückzuführen. Stattdessen sprach der Hersteller die nach dem iPhone in den Markt drängenden "unsophisticated users" nicht an und konnte so vom Wachstum des Gesamtmarkts nicht profitieren.

Hardware, vereinheitlicht

Im Laufe der letzten Jahre hat sich die Bildschirmauflösung der Mobilgeräte permanent gesteigert. Mittlerweile sind einige Anbieter bei Full-HD-Handys angekommen. Auch RIM war nicht untätig – unter BlackBerry 7 gibt es deshalb eine Vielzahl an Hardwarekonfigurationen. Mit BlackBerry 10 beseitigt der Hersteller das Problem. In Zukunft sind die Geräte nur noch in einer von drei Bildschirmauflösungen verfügbar. Dadurch entfällt das zeitaufwendige Erstellen mehrerer Versionen:

  • 1280 x 768
  • 1280 x 720
  • 720 x 720

Zuerst müssen Entwickler mit zwei Geräten vorliebnehmen. Das BlackBerry Z10 erinnert verdächtig an den Dev Alpha – er hat eine Bildschirmauflösung von 1280 x 768 Pixel, die auf 4,2 Zoll Bildschirmdiagonale verteilt ist. Eine QWERTY-Tastatur gibt es nicht, der Zweikernprozessor arbeitet mit 1,5 GHz.

Für Tastaturjunkies gibt es den BlackBerry Q10, der erst in einigen Wochen verfügbar ist. Das Gerät hat einen 3,1 Zoll großen quadratischen Bildschirm, der eine Auflösung von 720 x 720 Pixel aufweist.

C++ ist wichtig

Das Java-Betriebssystem des BlackBerry 7 ist zeitgemäßen Ansprüchen nicht mehr gewachsen. Anwender heutiger Smartphones verlangen unter anderem perfektes Multitasking, was schon zu Zeiten von J2ME immense Probleme verursachte. Mit dem PlayBook testeten die Kanadier erstmals den Austausch des zugrunde liegenden Kerns. Dazu setzten sie auf ein Echtzeitbetriebssystem. QNX ist ein im Embedded-Bereich seit Jahren verbreitetes und stabiles Unix-Derivat. Aufgrund der hohen Zuverlässigkeit entschied man sich dafür, das System auch im Handy einzusetzen.

Durch den Unix-Unterbau akzeptiert QNX in C++ geschriebene Applikationen. Das ist insbesondere für Spieleprogrammierer attraktiv, deren Produkte in der Regel ihre eigene GUI-Engine mitbringen. BlackBerry 10 bedient C++-Entwickler mit einer komplett eigenen Rubrik auf der Webseite samt eigener Dokumentation. Zum Entwickeln steht neben der für Cascades (dazu unten mehr) vorgesehenen und sich in Eclipse integrierenden Arbeitsumgebung Momentics ein Plug-in für Visual Studio zur Verfügung.

Native C++-Anwendungen haben eine vergleichsweise einfache Grundstruktur, die der Projekt-Wizard auf Wunsch automatisch generiert. Im Prinzip handelt es sich dabei nur um eine Ereignisschleife, die die eingehenden Events vom System einsammelt und weiterverarbeitet.