CDU-Netzwerke

The World of IT  –  1 Kommentare
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Fragt man nach dem Hauptthema des letzten CDU-Parteitags, steht natürlich die Tatsache im Vordergrund, dass man sich in der Partei immer noch nicht dazu durchringen kann, Homosexuelle nicht mehr als Menschen zweiter Klasse zu betrachten. Und das wird dann sogar explizit nochmal beschlossen, obwohl EU- und Verfassungsgerichte das als Rassismus verurteilen. Na ja, wo kämen wir hin, wenn bei einer christlichen Partei plötzlich das Wohl der Menschen im Vordergrund steht?

Wie aber steht es mit dem Wohl von ITlern? Nun, zwei Meldungen lassen aufhorchen: Zum einen hat es die CDU geschafft, ein neues Vermarktungsmodell von Twitter zu testen: Anstatt alle Tweets anzuzeigen oder die Tweets, die in der Community am höchsten bewertet werden, nutzte die CDU laut einem Bericht der Süddeutschen Zeitung das Angebot, für den Hashtag #cdupt12 eine "Event-Page" zu schalten, bei der erst einmal nur die Tweets zu sehen sind, die dem Event-Veranstalter genehm sind. Erst mit "View all tweets" (in english!) bekommt man wie gewohnt alle Tweets. Eine Dienstleistung, für die Event-Veranstalter Gebühren in Höhe von etwa 25.000 Euro entrichten müssen.

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Nicht wundern, die CDU-Event-Page wurde inzwischen wieder abgeschaltet. Aber im Google-Cache kann man noch eine Version davon sehen.

Das alles ist zwar keine Zensur, wie Mina dazu richtig einwirft, aber wie immer schadet es nicht zu wissen, was es Neues gibt und dass veröffentlichte Tweets bei Twitter ab sofort einen anderen Charakter haben können. Wenn ich manche anonymen Kommentare im Internet lese, sympathisiere ich dabei durchaus mit ihrer Filterung in unseren demokratischen Breitengraden.

Beim nachfolgenden SPD-Parteitag gab es übrigens ebenfalls eine derartige Event-Page. Allerdings hatte man dort wohl gelernt (oder ein anderes Selbstverständnis). So erschienen trotz Filterung auf der Event-Page durchaus auch Tweets, die nicht nur der Selbstbeweihräucherung dienten wie der oben referenzierte Hinweis auf Minas Tweet zum Thema Zensur.

Auf dem CDU-Parteitag wurde durch den Filter natürlich auch die wichtigste IT-Nachricht über den Parteitag ausgeblendet: Für sage und schreibe 35 Euro konnte man sich auf ihm einen WLAN-Zugang kaufen, was im Internet zu etlichen Reaktionen führte, zumal laut TAZ und anderen Tweets der Dienst dabei sehr unzuverlässig war.

Der Focus wies in dem Zusammenhang darauf hin, dass der damit eingenommene Betrag (immerhin 70.000 Euro bei 2000 Personen) laut Piraten vermutlich höher als deren Parteienfinanzierung wäre. Das ist natürlich eine Milchmädchenrechnung, denn sie setzt voraus, dass alle Delegierte WLAN nutzen. Die Frage, ob CDU-Delegierte eher WLAN oder eher Homosexuelle kennen, wäre vermutlich eine spannende Wette. Und laut Ziegenhodensuppe sollen auf dem Parteitag "immerhin ausreichend günstige Münzfernsprecher vorhanden" gewesen sein und "Telegramme konnte man ebenfalls zu fairen Konditionen aufgeben".

Mensch, da sind die WLAN-Preise der ach so arg gebeutelten Hotels, die deshalb von der FDP Steuererleichterungen bekommen mussten, ja ein echtes Schnäppchen.

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