CONFESS_2011: Software für Enterprise-Anwendungen im Mittelpunkt

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Auf der zum vierten Mal durchgeführten CONFESS ging es um alle Verfahren, die für die Entwicklung von Enterprise-Software mit Java relevant sind.

Mitte April fand in Wien zum vierten Mal die von der österreichischen Firma IRIAN und der EJUG Austria organisierte Konferenz "CONFESS" ("The annual Conference For Enterprise Software Solutions") statt. Nachdem sich die Veranstaltung anfangs nur auf JavaServer Faces (JSF) konzentrierte, die Standardspezifikation der Java Enterprise Edition für Webentwicklung, steht mittlerweile die Entwicklung von Enterprise-Software insgesamt im Mittelpunkt.

Drei Themenblöcke wurden parallel zwei Tage lang angeboten: Web, Enterprise und Core. Der dritte Tag stand im Zeichen verschiedener Workshops; Tag vier bot für JSF-Interessierte ein besonderes Gimmick: Ed Burns, Mitglied JCP Expert Group für JSF, führte eine ganztägige "JSF Master Class" zu fortgeschrittenen Themen und gab "Insider-Infos" weiter.

Auf die sonst für IT-Konferenzen üblichen Begrüßungsansprachen und Keynotes verzichteten die Organisatoren komplett. Sie ließen die Veranstaltung sofort mit den eigentlichen Präsentationen starten. Wenn auch ungewöhnlich, störte dies nicht, da sich so jeder Teilnehmer von Beginn an auf die für ihn interessanten Themen konzentrieren konnte.

Anstelle moderner Konzepte wie etwa Pecha Kucha, Lightning Talks oder Podiumsdiskussionen wurde in Wien ein anderer Weg gewählt: Zweistündige Mini-Workshops boten die Möglichkeit, verschiedene Verfahren kennen zu lernen und auszuprobieren. Vorab erhielt hierzu jeder Teilnehmer ein VM-Image mit der nötigen Software und konnte sich so in der praktischen Anwendung versuchen. Hier zeigte sich einmal mehr, dass "Learning by Doing" deutlich effektiver ist, als nur die Vorträge zu verfolgen.

Dalibor Topic stellt die Stärken und Schwächen von Java unter Oracle vor.

In der ersten Vortragsrunde erläuterte Dalibor Topic von Oracle die Pläne für die Java Standard Edition (Java SE). Er stellte zunächst die Entwicklung von den Anfängen bis zur jetzigen Version 6 dar, wobei er vor allem die langen Release-Zyklen zu Sun-Zeiten kritisierte. Oracle möchte diesen Schwachpunkt nun ändern: Java 7 und das zugehörige JDK 7 stehen im Vordergrund, sie sollen 2011 erscheinen. Folgen soll im nächsten Jahr Java 8, weitere Versionen sind bereits in Planung. Java soll damit auch in Zukunft die wichtigste und am meisten verbreitete Programmiersprache bleiben.

In den zahlreichen Sessions und Workshops zu JSF waren mit RichFaces, PrimeFaces und ICEfaces die drei bekanntesten Komponentenbibliotheken vertreten. Daneben spielten auch Suchmaschinenoptimierung, das Aktualisieren von Version 1.2 auf die aktuelle 2.0 sowie die bidirektionale Kommunikation zwischen Server und Client mit WebSockets eine Rolle. Auch der Trend hin zu polyglotter Programmierung geht an JSF nicht vorbei. Kito Mann stellte Einsatzmöglichkeiten von Groovy und Scala für JSF vor, die die Vorteile der modernen Programmiersprachen effizienter entwickeln können. Beispielsweise kann mit Gracelets die View einer JSF-Anwendung mit Groovy statt mit XHTML realisiert werden, was viel "Boilerplate Code" einspart.

Der einleitende Satz "JVM is a great place to work, however Java makes it painful sometimes!" von Java-Champion Andres Almiray brachte es auf den Punkt: In einigen Situationen ist es durchaus ratsam, neben Java in der JVM andere Programmiersprachen einzusetzen. Insbesondere das dynamische Groovy und das statisch typisierte Scala sollten Entwickler im Auge behalten, da sie Java ähneln (und dadurch leicht zu lernen sind) und dennoch frische Konzepte enthalten. Als zukunftsträchtiges Beispiel sei hier nebenläufige Programmierung für Mehrprozessorkerne genannt. Sie ist sowohl mit Groovy (durch GPars) als auch mit Scala (durch Actors) deutlich einfacher umzusetzen als mit Java. Skeptikern hielt Almiray am Ende entgegen, dass polyglottes Programmieren schon seit langer Zeit eingesetzt wird, beispielsweise in der Webentwicklung – mit Verfahren wie HTML, JavaScript, JSON, CSS und XML.

Neben den modernen Programmiersprachen wird Code-Generierung ein immer wichtigeres Thema, um Entwicklern das Schreiben von "Boilerplate Code" abzunehmen. Hamlet D'Arcy stellte verschiedene Möglichkeiten vor, Code für die JVM zu generieren. Neben dem leichtgewichtigen Java-Framework Lombok, das beispielsweise Getter- und Setter-Methoden erzeugt, wurde Groovys Meta-Programmierung mit AST-Transformationen vorgestellt. Auch Spring Roo bekam einen eigenen Vortrag gewidmet, der die Erstellung von CRUD-Anwendungen in wenigen Minuten zeigte.

Ein leider immer noch weitgehend unbekanntes Produkt ist JRebel. Jeder Entwickler, der mit einem Java EE Application Server arbeitet, sollte es ausprobieren. Es reduziert die langen Deployment-Zeiten von oftmals 15 Minuten und mehr auf wenige Sekunden. Der Autor hat JRebel bereits produktiv eingesetzt und kann bestätigen, dass das Produkt tatsächlich jede Menge Zeit einspart. Angesichts des günstigen Preises ist JRebel eigentlich unverzichtbar. Das kürzlich erschienene LiveRebel geht noch einen Schritt weiter und ermöglicht den Rollout und das Zurücknehmen von Änderungen in Produktivsystemen ohne Stillstand.

Die CONFESS 2011 konzentrierte sich auf das Hier und Jetzt. Es wurden keine Visionen vorgestellt, wie die Zukunft von JEE 7 oder Beta-Versionen neuer Frameworks wie JavaFX 2.0. Stattdessen standen Erfahrungen, Best Practices und Tipps für produktiv einsetzbare Verfahren und Frameworks im Mittelpunkt.

Neben JSF und weiteren Java-Enterprise-Techniken wie JEE und dem Spring Framework lag der Fokus auf modernen Programmiersprachen für die JVM. Dank vieler guter Vorträge und des günstigen Preises (300 Euro für zwei Tage mit Session, 500 Euro für den Workshop-Tag) hat sich der Besuch der CONFESS 2011 ausgezahlt. (ck)

Kai Wähner
ist als IT-Consultant bei der MaibornWolff et al GmbH tätig. Seine Schwerpunkte liegen in den Bereichen JEE, EAI und SOA. Außerdem ist er Autor von Fachartikeln, hält Vorträge und Workshops auf IT-Konferenzen und berichtet in seinem Blog über Erfahrungen mit neuen Technologien.