Carrier, WhatsApp: Wieso Facebook nichts zu verlieren hat

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Netzbetreiber stehen Datendiensten im Allgemeinen eher kritisch gegenüber. Die Zusammenarbeit zwischen E-Plus und WhatsApp ist – aus diesem Blickwinkel betrachtet – umso interessanter. Dieser Artikel versucht, die Situation ein wenig zu beleuchten.

Klar ist, dass der Erfolg des IM-Programms für die Carrierschaft alles andere als erfreulich war. Die ursprünglich als Abfallprodukt des GSM-Standards entstandene SMS brachte den Netzbetreibern im Laufe der Jahre unzählige Millionen Euro ein. Seit dem Aufkommen datenbasierter Kommunikationsdienste sieht die Lage anders aus: Der Kunde schließt einen Datenplan ab, und ist für den Carrier sonst nicht greifbar.

Der Netzbetreiber wird zum Datenüberträger degradiert, der seinen Kunden nicht in ein proprietäres Ökosystem binden kann. Dies hat verheerende Auswirkungen auf die Kundenbindung: Wer seine Daten in einem sozialen Netzwerk des Anbieters vorhält, wechselt nur ungern zu einem anderen Provider.

Mit der im zweiten Quartal kommenden Voice-Funktion greift WhatsApp einen weiteren lukrativen Markt frontal an. Auslandsgespräche sind – EU und Co zum Trotz – immer noch extrem teuer. Wer häufig in fremde Staaten telefoniert, stattet seine Freunde irgendwann mit einem IM-Produkt aus. Wenn WhatsApp eine derartige Funktion anbietet, entfällt die fehlerträchtige Einrichtung.

Facebooks neuestes Baby ist aus Netzbetreibersicht nur wenig besser als das universell verhasste Skype. Ehemalige Nokia-Insider bestätigen, dass die exzellenten Carrier Relations der Finnen unter anderem aufgrund der neuen Mutter zerfallen – es gibt kaum einen Carrier, der mit dem Anbieter von Skype in irgendeiner Weise Geschäfte machen möchte.

Die Zusammenarbeit von kleinen Anbietern mit Internetgiganten ist im Netzbetreiberbereich kein neues Phänomen. Hutchison Austria – die Firma ist unter ihrem Markennamen Drei bekannt – warb in der Anfangszeit damit, seinen Kunden unbeschränkten Zugang zu Skype zu ermöglichen. Zwischenzeitlich gab es sogar ein Telefon mit vorinstalliertem Skype-Zugang.

Für die aufgrund fehlender LTE-Frequenzen im 800-MhZ-Bereich geschwächte E-Plus ist die Kooperation mit WhatsApp ein Gottesgeschenk. Es ist davon auszugehen, dass Facebook "seinen Kunden" über kurz oder lang Sonderdienstleistungen anbieten wird, die bei anderen Netzbetreibern nicht oder nur gegen Bezahlung zur Verfügung stehen. Dies wirkt sich negativ auf die Churn-Rate aus.

Andere Netzbetreiber goutieren diese engere Zusammenarbeit mit Sicherheit nicht goutiert. Das ist für Facebook allerdings kein besonderes Problem: das hauseigene Handy entpuppte sich als Flop, eine Alternative zum blauen Riesen ist nicht in Sicht. Die Nutzer bleiben ihrem Dienst trotz aller Skandale treu.

Probt ein Carrier den Aufstand, so wird er von seinen von Facebook abgeschnittenen Kunden gezüchtigt – von dieser Seite droht keinerlei Unbill. Die Zusammenarbeit mit E-Plus präsentiert sich aus diesem Blickwinkel als klassischer "No-Brainer" – das Unternehmen gewinnt Kontrolle über einen weiteren Teil seiner Supply Chain, ohne dadurch nennenswerte Einbußen in Kauf nehmen zu müssen.