ChromeOS: auspacken, anschalten, loslegen

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30 Tage lang verzichte ich auf mein MacBook Pro, OS X und die gewohnten Anwendungen und versuche, meinen Alltag stattdessen mit einem Chromebook zu bestreiten. Der erste Eindruck ist zweischneidig.

ChromeOS fasziniert mich, seit ich das erste Mal davon gelesen habe. Das Betriebssystem kombiniert einen schlanken Linux-Kern und den Webbrowser Chrome, sodass sich lediglich Webanwendungen verwenden lassen: Die lokale Installation von Software ist nicht vorgesehen, Daten werden in der Cloud gespeichert. Im Gegenzug erhält man ein wartungsfreies System ohne aufwendige Konfiguration.

Nun wage ich ein Experiment: Für 30 Tage verzichte ich auf mein MacBook Pro, OS X und die gewohnte Software und versuche, meinen Alltag ausschließlich mit einem Chromebook zu bestreiten. Mein Dank gebührt an dieser Stelle HP, die mir freundlicherweise ein Testgerät zur Verfügung gestellt haben.

Auspacken

Beim Auspacken des 14 Zoll großen Geräts fällt auf, dass sich das Chromebook optisch an einem MacBook Air orientiert: Das Gehäuse ist zwar weiß, weist aber eine ähnliche Form auf. Allerdings ist es nicht so dünn wie das Gerät von Apple, und auch das Gewicht ist mit knapp 1,8 kg deutlich höher.

Die Tastatur verzichtet auf F-Tasten und bietet stattdessen Tasten zur Steuerung des Webbrowsers, der Bildschirmhelligkeit und der Lautstärke. Ansonsten entspricht die Tastenbelegung einer üblichen PC-Tastatur. Die einzige Ausnahme stellt das Fehlen der Feststelltaste dar: An ihre Stelle tritt eine Taste zum direkten Aufruf der Suche.

Das Gerät verfügt über WLAN und Bluetooth und lässt sich darüber hinaus über drei USB-Schnittstellen, einen HDMI-Anschluss, einen SD-Karten-Steckplatz und eine Kopfhörerbuchse mit der Außenwelt verbinden. Ein LAN-Anschluss fehlt ebenso wie ein optisches Laufwerk – auf die ich persönlich jedoch problemlos verzichten kann.

Anschalten

Nach dem Aufklappen des Geräts erscheint nach wenigen Sekunden ein Startbildschirm, der mich zur Auswahl und Konfiguration eines WLANs auffordert. Nach der Verbindungsherstellung erfragt das System zudem den Namen und das Kennwort meines Google-Kontos und meldet mich an. Als Benutzerbild schlägt ChromeOS mir verschiedene Fotos aus meinem Google Plus-Profil vor.

Der Desktop zeigt am unteren Rand eine Leiste mit einem Startmenü, einer Schnellstartleiste für Anwendungen und einer Konfigurationsleiste. Letztere zeigt den Ladestand des Akkus, die Qualität des WLAN-Empfangs, die aktuelle Uhrzeit und den derzeitig angemeldeten Benutzer an.

Die verlinkten Anwendungen sind lediglich Verknüpfungen auf URLs, sodass sich bei einem Klick auf diese ein Tab in Chrome öffnet und die zugehörige Webseite lädt. Standardmäßig verlinkt sind neben Chrome an sich Google Mail, Google Docs, die Google-Suche und YouTube. Im Startmenü werden weitere Anwendungen aufgelistet, außerdem findet sich dort eine Suche.

Loslegen

Führt man Chrome aus, fühlt man sich sofort heimisch: Alle Einstellungen werden von ChromeOS anhand des Google-Kontos synchronisiert, sodass bereits auf einem anderen System installierte Add-ins sofort zur Verfügung stehen. Gleiches gilt für die Lesezeichen, die Historie und die übrigen Einstellungen des Webbrowsers.

Als Erstes versuche ich, auf meine E-Mails zuzugreifen: Dank Office 365 und dessen Webclient sollte das kein größeres Problem sein – wenn ich denn die Zugangsdaten wüsste. Diese verwalte ich unter OS X mit 1Password, das sich in den Webbrowser integriert, für ChromeOS anscheinend aber nicht zur Verfügung steht.

Mir fällt auf, dass ChromeOS in der Konfigurationsleiste am unteren Bildschirmrand einen Pfeil anzeigt, der mich auf eine vorliegende Aktualisierung hinweist. Ich solle das Gerät neu starten, um die Aktualisierung vorzunehmen. Ein Klick auf den Pfeil startet das Gerät unvermittelt neu, allerdings steht das Betriebssystem nach wenigen Sekunden wieder zur Verfügung.

Ich beschließe, meine ersten Eindrücke zu notieren, möchte dabei aber gerne Musik hören. Da ich zum Musikhören Spotify verwende, kann ich auf deren Web-basierten Player zurückgreifen. Während ich diese Zeilen schreibe, kann ich also zumindest – wie gewohnt – Musik hören.

Fazit

Mein erster Eindruck ist insgesamt ein wenig gemischt: Mir gefällt die Leichtigkeit von ChromeOS, allerdings weiß ich noch nicht so recht, ob mir ausschließlich ein Webbrowser nicht doch ein bisschen zu minimalistisch ist: Dies werden allerdings die nächsten 30 Tage zeigen ... vielleicht erfordert ein derart anderes System auch einfach nur eine andere Art des Umgangs.

tl;dr: ChromeOS, das rein Web-basierte Betriebssystem von Google, hinterlässt am ersten Tag einen zweischneidigen Eindruck. Das System ist schnell, leichtgewichtig und unaufwendig. Allerdings fühlt sich die Beschränkung auf lediglich einen Webbrowser ein wenig ungewohnt an.