Cloud Computing in deutschen Unternehmen

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Wer noch immer der Meinung ist, Cloud Computing wäre die Zukunft, hat nicht gemerkt, dass die Cloud längst in der Gegenwart angekommen sind. Das ist die zentrale Erkenntnis des CloudOps Summit 2012.

Mittlerweile haben selbst die einst zurückhaltenden deutschen Unternehmen den Weg in die Cloud gefunden. Die Zeiten der Grundsatzdiskussionen zu Schlagworten wie Infrastructure as a Service (IaaS), Platform as a Service (PaaS) und Software as a Service (SaaS) sind ebenso vorbei wie die anfangs speziell in Deutschland verbreiteten Sorgen rund um die Sicherheit in der Cloud. Heute drehen sich die Diskussionen daher nicht mehr um das Ob, sondern vor allem um das Wie. Deshalb standen im Zentrum des Frankfurter CloudOps Summit im September vor allem praxisnahe Themen zum Wechsel in die und dem Betrieb in der Cloud.

Eines der Themen war "Transition to the Cloud". Wenngleich sich neue Anwendungen relativ einfach in der Cloud entwickeln lassen, sollten existierende Anwendungen nicht grundlos in die Cloud migriert werden. Vielmehr ist ein stufenweiser Übergang meist der bessere Weg – natürlich nur, sofern dadurch ein Mehrwert für das Business entsteht. Vor etwa zehn Jahren läuteten serviceorientierte Architekturen (SOA) den letzten Paradigmenwandel ein – mittlerweile bilden sie das Fundament für diesen Übergang in die Cloud und sind in vielen Anwendungen etabliert. Dadurch können Services einfach und flexibel aus dem eigenen Rechenzentrum mit der Cloud kommunizieren oder sie lassen sich dorthin verlagern.

Auch die technische Integration ist keine Herausforderung mehr. Fast alle Cloud-Provider bieten APIs für wichtige Programmiersprachen und Plattformen wie Java oder .NET an. Oftmals sind zusätzlich standardisierte SOAP- oder REST-Schnittstellen verfügbar. Selbst Integrationsframeworks und ESB-Produkte (Enterprise Service Bus) verfügen über Konnektoren zu vielen Cloud-Diensten.

Andererseits zeigt sich, dass insbesondere in Deutschland Datenschutz weiterhin ein wichtiges Thema bleibt. Allerdings wird sich die damit verbundene Angst mit der Zeit relativieren, da die ersten Anbieter endlich auch deutsche Rechenzentren und regional angepasste Verträge in petto haben und viele Unternehmen mittlerweile etwas weniger kritisch an das Thema herangehen. Sollten wichtige Daten das eigene Rechenzentrum dennoch auf keinen Fall verlassen dürfen, bietet sich immer noch die Auslagerung nur derjenigen Services an, die unkritische Daten enthalten. Der Übergang in die Cloud ist also nicht mehr nur den kleinen Unternehmen und
Start-ups vorbehalten.

Es hat sich zudem gezeigt, dass SaaS (Software aus dem Netz) und IaaS (Rechenleistung und Datenbanken aus dem Netz) mittlerweile etabliert sind, bieten sie gerade für kleine und mittelgroße Unternehmen mehr Flexibilität. Aber auch große Unternehmen stehen heute häufig vor der Frage, warum sie massenweise eigene Rechner mit oftmals geringer Auslastung besitzen, wenn doch das Aufsetzen eines Servers in der Cloud nur wenige Sekunden dauert und zudem noch minutengenau nach Auslastung abgerechnet wird. In Zeiten der Cloud ergibt es keinen Sinn mehr, Rechner das ganze Jahr zu betreiben, wenn diese nur zu Stoßzeiten wie zur Weihnachtszeit ausgelastet werden.

Als das wichtigste Deployment-Modell der Zukunft sehen Analysten wie Gartner allerdings PaaS. Schließlich lassen sich Unternehmensanwendungen dank PaaS relativ schnell und einfach entwickeln, da die Plattformen dem Entwickler viel Aufwand und Komplexität bezüglich Themen wie Verfügbarkeit, Skalierbarkeit oder Performance abnehmen. Der Entwickler schreibt nur noch die Anwendungslogik und installiert sein Programm dann in der Cloud. Alles andere erledigt der Cloud-Provider automatisch.

Einziger Wermutstropfen: PaaS befindet sich immer noch in den Kinderschuhen. Viele Produkte sind noch nicht ausgereift, und bei den Anbietern mangelt es noch an Erfahrungswerten und Support für den produktiven Einsatz. Das ist auch der Grund, warum PaaS erst in der Java Enterprise Edition 8 (Frühjahr 2015) statt wie bisher geplant in Version 7 (Frühjahr 2013) enthalten sein wird.

Um Cloud-Angebote erfolgreich einzusetzen, sind neben technischen Herausforderungen die Rollen der Mitarbeiter an die Cloud anzupassen. Neue Rollen entstehen, andere wiederum verschwinden fast vollständig. In Zukunft muss beispielsweise ein Systemadministrator völlig andere Aufgaben als bisher übernehmen.

Schließlich führt die Entwicklung dazu, dass sich die ganze Phase der Softwareentwicklung den Cloud-Konzepten anpasst. Automatisierung steht dabei hoch im Kurs, DevOps und Continious Delivery sind die neuen Modewörter. Die Rollen von Entwickler und Administrator verschmelzen zusehends, jeder ist dann für "seine" Anwendungen komplett zuständig.

Andererseits werden zukünftig keine großen Anwendungen mehr entwickelt, sondern oft nur noch Services. Bereits heute gibt es für viele Aufgaben und Anforderungen Services in der Cloud. Das frühere Wunschdenken von SOA, Services wiederzuverwenden, wird durch die Verbreitung von Cloud-Services Wirklichkeit. Die Nachfrage nach Systemintegratoren steigt dadurch, während die Entwicklung im eigenen Unternehmen dank Serviceorientierung und Cloud seltener durchgeführt wird. Datenschutz und Sicherheit hingegen bleiben sicherlich ein großes Thema. Verantwortliche müssen sich in Zukunft mit noch mehr Lieferanten "herumschlagen".

Der CloudOps Summit hat gezeigt, dass Cloud Computing in deutschen Unternehmen angekommen ist. SaaS ist weit verbreitet, und auch IaaS findet zunehmend Anklang. Wer jetzt erst einsteigt, sollte sich allerdings bewusst sein, dass eine Umstellung auf die neuen Konzepte und Rollen nicht von heute auf morgen machbar ist. Zunächst sollten potenzielle Chancen und Risiken identifiziert und abgewogen werden. Wer diese Entwicklung nicht verschlafen möchte, sollte sich spätestens jetzt mit Cloud Computing beschäftigen und erste Cloud-Services nutzen. Denn am Ende bleibt die Erkenntnis: Der Wandel hin zur Cloud ist nicht mehr aufzuhalten, und wer zu spät kommt, den bestraft bekanntlich das Leben. (ane)

Kai Wähner
ist als IT-Consultant bei der MaibornWolff et al GmbH tätig. Seine Schwerpunkte liegen in den Bereichen Java EE, SOA, Cloud Computing und Enterprise Architecture Management. Außerdem ist er Autor von Fachartikeln und hält Vorträge auf internationalen IT-Konferenzen.