Das neue Microsoft: Sam Guckenheimer und Martin Woodward zu Open Source und neuer Fokussierung

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Holger Schwichtenberg sprach für heise Developer mit zwei Microsoft-Repräsentanten über die neue Open-Source-Strategie und den kommenden Team Foundation Server 2015.

Sam Guckenheimer, Product Owner für Visual Studio bei Microsoft

heise Developer: Warum veröffentlicht Microsoft neuerdings viele Softwareprodukte mit einer Open-Source-Lizenz?

Sam Guckenheimer: Open Source ist gut für unsere Kunden – und es ist gut für uns. Wir verwenden in unseren Produkten schon seit einiger Zeit viele Open-Source-Projekte, denn wir leben nicht mehr auf einer Insel, wo man alles wieder erfinden muss, was es schon gibt. Indem wir Open-Source-Projekte betreiben, bekommen wir Beiträge von unseren Nutzern. Wir wollen uns aber abheben von Open-Source-Projekten, in denen die Qualität mit der Zeit durch Beiträge vieler sinkt. Microsoft kümmert sich daher aktiv um die Qualitätssicherung. Wir wollen unseren Kunden die besten Open-Source-Projekte bieten, auch wenn der Großteil unserer Kunde nur wie bisher das Kompilat nutzen wird.

Martin Woodward, Principal Program Manager für Cross-Plattform

heise Developer: Wie empfinden Microsofts Entwickler die neue Open-Source-Strategie?

Martin Woodward: Einige waren vorher sehr nervös, dass ihren Code nun jedermann einsehen kann. Sie fühlten sich "nackt". Insbesondere haben sie sich gefragt, ob der Programmcode gut genug dokumentiert sei. Inzwischen sind aber alle von der neuen Strategie sehr begeistert.

Umfang und Qualität der Dokumentation

heise Developer: Seit Microsoft den Quellcode vieler Softwarekomponenten bereitstellt, ist Umfang und Qualität der Dokumentation für die Softwareentwickler aber deutlich zurückgegangen.

Woodward: Tatsächlich haben wir viele bisher internen Dokumente nun auch veröffentlicht, insbesondere das "Book of the Runtime", unsere Dokumentation zur Funktionsweise der Common Language Runtime.

heise Developer: Für aktuelle Projekte wie ASP.NET 5 und Entity Framework 7 gibt es aber nur wenige Dokumente, die teilweise sogar noch veraltet sind. Es gibt einzelne Artikel und Blogeinträge, aber keine strukturierte Dokumentation auf MSDN, wie es sie früher auch schon zu Beta-Versionen gab.

Woodward: Dem möchte ich widersprechen. Wir sind noch in der Entstehungsphase dieser Projekte. Grundsätzlich muss man erst mal sagen, dass wir unsere Investitionen in Dokumentationen nicht zurückfahren wegen Open Source. Open-Source-Entwicklung ist kein Grund für uns, das Dokumentieren einzuschränken. Sämtliche Dokumentationen, die wir haben, geben wir auch heraus. In Hinblick auf die beiden genannten Projekte müsste ich mir das noch mal ansehen.

Wir nehmen von unseren Nutzern auch Verbesserungsvorschläge zur Dokumentation an. Tatsächlich betreffen viele Pull-Request-Beiträge die Code-Kommentare und Dokumentationen. Es ist ein natürlicher erster Schritt von Entwicklern, Beiträge in diesen Bereichen zu leisten. Und wir coachen unsere Entwicklungsteams, dass sie diese Beiträge zur Verbesserung der Dokumentation wertschätzen.

Guckenheimer: Man muss bedenken, dass unsere Kunden in der Vergangenheit zu solch frühen Produktstadien noch gar nichts von dem Produkt gesehen hätten.

Woodward: Durch die Open-Source-Strategie bekommen wir viel früher Feedback von unseren Kunden.