Der Mensch ist ein Gewohnheitstier

Die mobile Denkfabrik  –  0 Kommentare

Wer jahrelang Apps programmiert, bekommt irgendwann ein gewisses "Gefühl" fürs Nutzerverhalten. Hat man diese Eigenschaft, fragen befreundete Entwickler immer wieder gern um Rat.

In meinem Dunstkreis findet sich unter anderem das Unternehmen UnME2, das ein IM-Programm namens GottaTxt entwickelt. Das Produkt sieht sich als Ersatz für WhatsApp und die SMS-Applikation des Smartphones – aus Gründen der Datensicherheit bietet das Programm auch ein privates, nicht mit Google synchronisiertes "Mini-Adressbuch" an. Daraus ergab sich eine kleines Problem beim Einpflegen eines neuen Kontakts beziehungsweise beim Versenden einer Nachricht: Die Frage war, woher die Kontaktinformationen der anzuschreibenden Person kommen sollten.

Zur Beantwortung dieser Frage führte UnME2 den in der folgenden Abbildung gezeigten Dialog ein. Er erschien, wenn der User eine neue SMS verfassen wollte.

Usability-Analysen ergaben, dass viele Nutzer an dieser Stelle aussteigen. Der Grund dafür ist, dass sie einen Dialog nach dem in der nächsten Abbildung gezeigten Schema erwarten.

Die einzig gangbare Lösung für das Problem war das Entfernen des "offending dialog" samt des dazugehörigen privaten Adressbuchs. In einer zukünftigen Version des Produkts erscheint ein an der klassischen SMS-Applikation angelehntes Fenster – in Usability-Tests steigerte sich die Retention Rate dadurch enorm.

Für den Leser gibt es hier nur eine wichtige Lektion: Go with the flow! Der Mensch ist ein extremes Gewohnheitstier. Das Betriebssystem jedes Handcomputers legt eine gewisse Erwartungshaltung fest, die der User auch von jeder Applikation erwartet. Desto besser sich ein Programm in der "Meute" einlebt, desto besser gefällt es dem durchschnittlichen Nutzer. Es ist schon alleine aus diesem Grund höchst sinnvoll, auf die Produkte der Konkurrenz einen genauen Blick zu werfen.