Developer Preview auf Internet Explorer 9

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Die ersten zwei Developer Previews des Internet Explorer 9 sehen vielversprechend aus und nähren die Hoffnung auf einen standardkonformen, schnellen Browser mit umfangreicher HTML5-, CSS3- und SVG-Unterstützung.

Am 16. März 2010 stellte Microsoft im Rahmen der hauseigenen Entwicklerkonferenz MIX10 in Las Vegas die erste Vorschauversion des Internet Explorer 9 (IE 9) vor. Noch handelt es sich um keinen vollwertigen Browser für Endnutzer, sondern um eine "Platform Preview" für Entwickler. Die IE-Entwickler wollen im 8-Wochen-Rhythmus solche Vorschauversionen veröffentlichen und Fehlermeldungen und Verbesserungsvorschläge stärker in die Entwicklung des Browsers einfließen lassen.

Am 5. Mai, etwa eine Woche vor dem eigenen Zeitplan, hatte Microsoft die zweite Platform Preview veröffentlicht. Die Software steht auf der Seite ie.microsoft.com/testdrive zum Download bereit. An den Anforderungen, die die Software an das System stellt, hat sich nichts geändert: Sie benötigt DirectX 2D (D2D), das Microsoft mit Windows 7 eingeführt hat und unter Windows Vista SP2 und Windows Server 2008 R2 mit einem Plattform-Update verfügbar ist – Nutzer von Windows XP schauen leider in die Röhre. Der Aufmacher oben zeigt "Fallende Bälle" (vor dem Fall), eine der grafischen Demos mit SVG und JavaScript.

Konfigurationsmöglichkeiten sieht die Installation nicht vor, sie ist in wenigen Sekunden beendet. Anschließend startet die Preview automatisch und öffnet die oben genannte Test-Drive-Website, auf der Microsoft unterschiedliche Tests und Demos bereitstellt, darunter zahlreiche neue, die unter anderem neue Fähigkeiten der zweiten Preview veranschaulichen sollen.

Die Preview hinterlässt in vielerlei Hinsicht einen guten Eindruck. Vor allem in Sachen Geschwindigkeit weiß sie zu überzeugen und hat im Vergleich zur ersten Vorschauversion wenig zugelegt. Die Preview greift für den Seitenaufbau, das Zoomen, das Rendering von Schrift sowie SVG und einige CSS3-Effekte mit DirectX/DirectWrite auf den Grafikprozessor zu, was die Ausführungsgeschwindigkeit enorm steigert und Animationen mit hohen Frame-Raten ermöglicht. Bilder werden flüssiger bewegt, Schriften sehen klarer aus und umfangreiche 3-D-Grafiken belasten die CPU nicht mehr.

In den von Microsoft veröffentlichten SunSpider-JavaScript-Benchmarks rangiert die Preview derzeit "einen Wimpernschlag" hinter Opera, Chrome und Safari, aber vor Firefox – und weit vor dem IE 8. Die zweite Preview ist rund 20 Prozent schneller als die erste – das macht neugierig auf die nächste Version. Beeindruckend sind die Speed- und Graphics-Demos auf der Test-Drive-Website: Alle Animationen laufen in der Preview flüssig – die meisten anderen Browser können da nicht mithalten.

Maskenball

Die IE-Entwickler haben mit der Version 8 ihres Browsers das Konzept des Version Targeting eingeführt, das mehrere Darstellungsmodi innerhalb eines Browsers vereint. Die jetzige Preview führt das Konzept weiter. Der Browser enthält vier Modi: Im IE5 Document Mode stellt er eine Webseite wie alte, inkompatible Versionen des IE dar, vergleichbar mit dem IE 5 oder der Darstellung im Quirks-Modus des IE 6. Der IE 7 Document Mode entspricht der Darstellung im IE 7, der IE 8 Document Mode entsprechend jener im IE 8. Hinzu gekommen ist der IE 9 Document Mode, die aktuelle Rendering-Engine mit ihren neuen Funktionen. Wie im IE 8 können Webentwickler per meta-Element steuern, welcher Modus auf die Webseite gelten soll:

<meta http-equiv="X-UA-Compatible" content="IE=9" />
Wahl des Darstellungsmodus: Der IE 9 wird sogar noch die Darstellung des IE 5 simulieren können (Abb. 1).

Nutzer der Preview haben über den Menüeintrag "Debug" die Möglichkeit, den Modus auszuwählen (siehe Abbildung 1).

Die Preview ermöglicht es nicht nur, sich wie eine ältere IE-Version zu verhalten, sondern auch, sich als solche auszugeben. Die erweiterten Entwicklerwerkzeuge, aufrufbar über die Taste F12, ermöglichen dem Browser über den Menüpunkt "Tools, Change User Agent String", sich mit einem beliebigen String auszuweisen. Entwickler können so testen, wie sich die Preview verhält, wenn sie sich beispielsweise als Firefox ausgibt. Daran kann man sehen, wie sich die Zeiten gewandelt haben: Noch vor einigen Jahren dominierte der Internet Explorer den Browsermarkt dermaßen, dass andere Browser sich als IE ausgeben mussten, um Zugang zu einigen Websites zu erlangen. Heute sieht das anders aus.