Die Buchmarktsituation bei iOS, Objective-C und OS X

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Da iOS 7 auf der WWDC im Juni 2013 vorgestellt wurde und der "Golden Master" wohl schon bald verfügbar sein wird, liegt es nahe, die derzeit wichtigsten Buchtitel zu untersuchen, selbst wenn der Buchmarkt erst noch auf das neue Release nachziehen muss.

Apps für iOS zu schreiben mag lukrativ sein. Dass man zudem Mac OS X mit Anwendungen bedienen kann, da IDE und große Teile des SDK ähnlich sind oder sogar die gleiche Basis haben, weckt zusätzlich das Interesse für Apples Plattform. Hier ist zwischen den Werken zu Grundlagenthemen (wie Objective-C und Xcode), den Fibeln zur konkreten iOS-Entwicklung mit Fokus auf schnellen Erfolgen und wiederum anderen Werken zu Spezialthemen zu unterscheiden.

Sebastian Meyer, Torben Wichers
Objective-C 2.0
mitp 2013
ISBN 978-3826692185
776 Seiten, € 39,95

Im Grundlagenbereich zu Objective-C findet sich mit Meyers und Wichers' "Objective-C 2.0: Programmierung für Mac OS X und iPhone" eine an anderer Stelle bereits gelobte Referenz. Die dritte Inkarnation des "Standardwerks im deutschen Sprachraum" hat insbesondere ARC und die Anpassungen an Mountain Lion und iOS 6 aufgenommen. Das überaus umfangreiche Memory-Management-Kapitel ist durch ARC nochmals stark erweitert worden (von 63 auf nunmehr 81 Seiten), sodass es nach wie vor im gegebenen Detailgrad unübertroffen ist. Das Werk aus dem mitp-Verlag ist wie die Vorgängerversionen richtungsweisend, aber auch nach wie vor schwere Kost, die hart erarbeitet werden möchte. Der sich danach beim Programmieren einstellende Erfolg sollte die Mühen allemal wert sein.

Amin Negm-Awad
Objective-C und Cocoa; Band 1: Grundlagen
SmartBooks 2012
ISBN 978-3-908498-08-7
746 Seiten, € 39,90

Ein weiteres Werk zu Objective-C ist Amin Negm-Awads Grundlagenbuch zu "Objective-C und Cocoa". Es ist zweibändig ausgelegt: Während der erste Teil die Grundlagen abhandelt und aktuell ist, stammt der zweite Teil für Fortgeschrittene aus dem Jahr 2010 und bezieht sich somit auf die beiden (aus heutiger Sicht nicht mehr aktuellen) Systeme OS X 10.6 und iOS 4.

Da Negm-Awad von Haus aus Rechtsanwalt mit Dozententätigkeit auch im IT-Bereich ist, war eine gewisse Skepsis vor der Lektüre nicht zu verhehlen. Doch die Vorbehalte sind mit Bezug auf den ersten Band unbegründet. Eventuell mag die Amazon-Rezension von Thorsten Lemke (GraphicConverter) als einer Institution unter deutschen Entwicklern zum Buch hilfreich sein. Da im Titel Cocoa genannt ist, sollte klar sein, dass der Fokus auf der OS-X-Entwicklung liegt (basierend auf Mountain Lion und Xcode 4.5).

Thomas Theis
Einstieg in Objective-C 2.0 und Cocoa – Programmieren für Mac, iPhone und iPad
Galileo Computing 2013
ISBN 978-3-8362-1933-4,
502 Seiten + DVD, € 29,90

Auch wenn Thomas Theis sein Werk "Einstieg in Objective-C 2.0 und Cocoa" nennt und mit diesem Titel ähnliche Inhalte wie Negm-Awads suggeriert, gibt der Buchuntertitel klar Auskunft darüber, dass es nicht nur um OS X, sondern auch um iOS-Programmierung geht. Eigentlich ist es mehr ein Werk, das mit Xcode 4.5 und iOS 6 "bewaffnet" auch Mac-Neulingen aus dem Windows-Lager das Programmieren von Apps schmackhaft machen möchte. Durch die Ausrichtung richtet es sich weniger an Leser mit Objective-C-Grundlagenwissen, sondern an Programmierer, die schnell und zielgerichtet erste App-Erfolge feiern wollen. Es werden Themen wie ARC oder typische Pattern (MVC) abgehandelt, aber man findet eben keine Abhandlung des Memory Management wie bei Meyer und Wichers.

Lars Schulten
Objective-C, kurz & gut
O'Reilly 2013
ISBN 978-3-86899-373-8
215 Seiten, € 14,90

O'Reillys "kurz & gut"-Reihe ist fast schon eine Institution unter den Computerbuchserien (und hat unter anderem mit Ausflügen zu Hackerbrausen und Elternfibeln gezeigt, dass der Verlag gut in der Lage ist, augenzwinkernd über den Geek-Teller eines IT-Buchverlags zu schauen). Lars Schulten bringt in dem beschränkten Format seines Objective-C-Buchs gekonnt viel unter, sodass der Leser nach der Durcharbeit (und eigenen, vertiefenden Arbeiten) in der Lage ist, Objective-C-Apps zu schreiben. Durch die Auslegung als "kurz & gut"-Band ist natürlich nicht die Ausführlichkeit und Komplexität der vorangegangen Werke zu Apples Haussprache zu erwarten. Das viel genannte Thema Memory Management wird hier auf 14 Seiten mehr angerissen als fulminant abgehandelt. Das ist aber kein Problem, denn das Markenzeichen der Serie ist es, auf kompaktem Raum Wissen zu vermitteln, um gegebenenfalls später die richtige weiterführende Literatur überhaupt erst auswählen und beurteilen zu können.