Die acht häufigsten Mythen agiler Entwicklungsmethoden (in der Automotive-Branche)

Im Bereich Automotive begegnet man immer wieder denselben Missverständnissen, wenn die Rede von agilen Arbeitsmethoden ist. Meist führen sie dazu, dass Agilität nicht oder falsch umgesetzt wird – und verhindern somit ihren Erfolg. Wer das Potenzial agiler Methoden richtig ausnutzen will, sollte sich vor acht Mythen in Acht nehmen.

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Die acht häufigsten Mythen agiler Entwicklungsmethoden (in der Automotive-Branche)

Im regulierten Umfeld der Automobilelektronik sind agile Entwicklungsmethoden lange ignoriert oder abgelehnt worden. Das ist merkwürdig, da andere Embedded-Branchen wie die Luftfahrt oder der Verteidigungssektor agile Vorgehensweisen seit vielen Jahren erfolgreich einsetzen. Trotz der technologischen Innovationsleistung der Fahrzeugindustrie wirkt hinter den Kulissen der Elektronikentwicklung ein Branchenkonservatismus, der sich bereits bei der Ablehnung von Open-Source-Konzepten abzeichnet.

Das hat mehrere Ursachen: Erstens war in der Luftfahrt mit der Produktkomplexität der Leidensdruck höher. Das führte zur Offenheit gegenüber neuen Vorgehensweisen. Zweitens hatten viele Zulieferer gerade erst ein methodisch-strukturiertes Software Engineering etabliert. Ein integriertes System Engineering für mechatronische Systeme steht vielerorts noch aus. Diese Anstrengung wollen sie nicht durch agile Methoden gefährden. Und drittens ist mit agilen Methoden scheinbar ein Kontrollverlust verbunden. Die mehrstufigen Hersteller-Lieferanten-Beziehungen der Branche setzen beispielsweise Termintreue voraus – klassische Stage-Gate-Planungen vermitteln hier eine Scheinsicherheit und vermeintliche Transparenz. Auch wenn jeder Beteiligte weiß, dass diese minutiöse Planung im Projektalltag nicht lange Bestand haben wird.

Vor fünf Jahren haben Pioniere bei Automobilherstellern und -zulieferern unabhängig voneinander begonnen, in einzelnen Projekten mit agilen Methoden zu experimentieren. Dies ergaben die Branchenstudien "Agile in Automotive. State of Practice 2014/2015". Agile Early Adopters von BMW, Bosch, Continental, Daimler, Gentex, Hella und anderen Unternehmen berichteten von ihren Erfahrungen bei der Einführung von Scrum, Kanban oder XP in ihren Projekten. Durch die zunehmende Komplexität der Vernetzung und Digitalisierung scheint der Leidensdruck inzwischen groß genug zu sein, dass ein Umdenken stattfindet. In den vergangenen zwei Jahren sind immer mehr Unternehmen bereit, agile Methoden und Praktiken auch im großen Maßstab einzusetzen. Die Anwendung agiler Methoden wie Scrum, Kanban oder Continuous Integration geht allerdings mit einer Kulturveränderung einher. Doch zuvor gilt es, einigen verbreiteten Mythen entgegenzutreten.