Die jungen Wilden: Felicitas Kugland

In der jüngsten Ausgabe der jungen Wilden erzählt Felicitas Kugland, wie sie zur Konferenzorganisation gekommen ist und warum ihr Diversität besonders wichtig ist.

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Die jungen Wilden: Felicitas Kugland
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In der heise-Developer-Serie "Die jungen Wilden" interviewen wir in regelmäßigen Abständen junge Entwickler, die in der Community aktiv sind und erste Konferenzerfahrungen gesammelt haben. Heute dürfen wir Felicitas Kugland begrüßen.

heise Developer: Hallo Felicitas! Stell dich doch bitte kurz vor.

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Felicitas Kugland: Ich arbeite als Principal Product Engineer bei der Digitalagentur SinnerSchrader. Seit Juni 2017 gestalte ich den Aufbau des neuen Bereichs "Developer Relations" bei SinnerSchrader. Das ist für alle noch sehr neu . Zusätzlich bin ich Mitorganisatorin der JSConf EU, Teil des Teams der CSSconf EU, und organisiere Meetups, Hackathons und Tech-Events in Hamburg und den SinnerSchrader Studios.

heise Developer: Seit wann programmierst du?

Kugland: Meine erste Website habe ich 1999/2000 erstellt. Böse Zungen würden jetzt sagen das ist kein Programmieren. Aber für mich, ohne Vorkenntnisse und selbst beigebracht, war das Tabellenlayout mit lauter Marquees damals der Wahnsinn.

heise Developer: Wie war dein beruflicher Werdegang?

Kugland: Ich habe mich schon früh für Computer interessiert. Zu Hause hat meine Mutter alles rund um Technik gemacht, daher bin ich in dem Glauben aufgewachsen, dass es normal ist, das Frauen diejenigen sind, die sich um Technik kümmern. Ich wollte immer wissen, was sie tut, und weiß noch, dass ich ziemlich verdutzt war, als sie mir das erste mal eine Computermaus in die Hand drückte. Irgendwann wollte ich meine eigene Website, also habe ich mir angeschaut, wie HTML funktioniert.

Felicitas Kugland

Nach der Schule war für mich klar, dass ich in der Softwareentwicklung arbeiten wollte. Aber alle Ausbildungsplätze setzten Fachabitur oder Abitur voraus. So lange mochte ich nicht warten, also begann ich eine schulische Ausbildung als informationstechnische Assistentin mit dem Schwerpunkt Webdesign und Internetprogrammierung. Danach war es schwer für mich, einen Job zu finden, da ich unbedingt in die Datenbankentwicklung wollte. Ich hatte gute Noten, bekam aber trotzdem überall Absagen. Teilweise sogar mit der frechen Begründung, dass man eine 19-Jährige Frau nicht in eine Abteilung mit 30 Männern stecken könnte. Auch in anderen Bereichen war es schwierig. Doch ich wollte unbedingt programmieren, daher habe ich erst mal ein sechsmonatiges unbezahltes Praktikum im Bereich Webentwicklung gemacht. Dabei bin ich am Ende auch geblieben, obwohl mir das Fach Internetprogrammierung in der Schule am wenigsten Spaß gemacht hat.

heise Developer: Auf welchen Bereich der Softwareentwicklung hast du dich spezialisiert?

Kugland: Ich habe mich auf das Frontend mit HTML, CSS und JavaScript spezialisiert. Gerade im Bereich HTML und CSS auf große und komplexe Architekturen.

heise Developer: Warum findest du das Frontend spannend?

Kugland: Ich dachte, es sei eine gute Idee nur noch Frontend zu machen, denn dort entwickelt sich alles schneller, und ich wollte mich unbedingt spezialisieren. Heute reizt es mich, komplexe HTML/CSS-Architektur sinnvoll zu strukturieren. Viele dachten (oder denken immer noch), dass es nicht schwierig sei, doch mir war damals schon klar, wie wichtig es ist, in dem Bereich auch über Architektur zu reden und nachzudenken.

heise Developer: Welche Softwarethemen faszinieren dich abgesehen davon im Moment besonders?

Kugland: Momentan kommen die Softwarethemen bei mir zu kurz. Seit ich in meiner Rolle als Developer Relations arbeite, versuche ich, mich auf diesen Bereich zu konzentrieren. Da geht es auch darum, was die Community spannend findet und warum. Man könnte quasi sagen, dass meine Faszination gerade die Faszination der anderen ist.

heise Developer: Warum macht dir die Communityarbeit so viel Spaß? Wie bist du zum Konferenzgeschäft gekommen?

Kugland: Die Community hat mir geholfen, an mich zu glauben. Sie hat mir geholfen zu wachsen und tut das immer noch. Den Großteil der Community interessiert es nicht, wo du herkommst, welchen Background du hast oder wo du angestellt bist, es wird sich gegenseitig geholfen, Wissen wird geteilt. Das finde ich unheimlich beeindruckend. Wir beschäftigen uns mit Themen wie Diversität, psychischen Krankheiten und Selfcare. Welche andere Industrie macht das in diesem Maße?

Ich bin (noch) nicht der Typ Mensch (und werde es vielleicht nie sein), der sich auf die Bühne stellt und einen Vortrag hält. Ich stehe nicht gerne im Mittelpunkt. Trotzdem wollte ich der Community etwas zurückgeben, also habe ich begonnen, Meetups mitzuorganisieren oder Coach bei Workshops zu sein. Mit der Konferenzorganisation war das irgendwie total überraschend und einfach, ich habe die JSConf EU einfach gefragt, ob sie Hilfe brauchen, und siehe da, sie brauchten gerade wirklich Hilfe. Und schon war ich Teil des Teams.

heise Developer: Was sind die größten Herausforderungen bei der Konferenzorganisation? Was bringt am meisten Freude?

Kugland: Das ist gar nicht einfach zu beantworten. Ich denke, die größte Herausforderung ist die Bewertung der Einreichungen. Diese müssen alle gelesen und objektiv bewertet werden. Ebenso musst du viele Einreichungen ablehnen und Menschen enttäuschen. Andererseits möchtest du den Teilnehmenden die besten Vorträge bieten und eine große Auswahl aktueller Themen. Der Spagat ist wirklich nicht leicht.

Am meisten Freude macht mir die Teamarbeit, die Teams der JSConf EU und der CSSconf EU sind einfach wunderbar. Zusammen Ideen zu entwickeln und das Beste aus der Konferenz rauszuholen, macht unheimlich Spaß. Ich liebe das Team.

heise Developer: Die JSConf EU und die CSSconf EU legen großen Wert auf Diversität und Nähe zur Community. Was ist dabei besonders wichtig?

Kugland: Beide Konferenzen sind Non-Profit und von der Community für die Community. Uns ist es wichtig, dass sich alle Teilnehmenden wohlfühlen und eine tolle Zeit haben. Das fängt bereits bei der Auswahl der Speaker an: Hierbei muss darauf geachtet werden, dass unvoreingenommen ausgewählt wird und sich am Ende ein Line-up ergibt, das eine Diversität besitzt, die sich bei den Teilnehmenden widerspiegeln kann. Weitere Punkte, mit denen Konferenzen dieses Ziel erreichen können, sind Stipendien für Menschen, die zu unterrepräsentierten Gruppen gehören und sich eine Teilnahme an der Konferenz nicht leisten können. Das darf kein einfaches Verschenken übrig gebliebener Tickets sein. Die Menschen, die zum Teil weite Wege zurücklegen, sollen sich auch wohl fühlen, in der Lage sein, Kontakte zu knüpfen und am Ende was aus der Teilnahme an dem Event mitnehmen. Damit sich alle wohl- und sicher fühlen, ist ein Code of Conduct unerlässlich. Dieser sollte allerdings nicht nur ein Text auf einer Webseite sein. Er muss von den Organisierenden verinnerlicht sein genau wie von den Teilnehmenden, sodass sich die einzelnen Personen in der Lage fühlen, Zuwiderhandlungen bei handlungsfähigen Personen anzusprechen.

heise Developer: Was würdest du jungen Entwicklern für ihren Werdegang empfehlen?

Kugland: Hört auf euer Herz und macht das was euch glücklich macht. Lasst euch von niemanden sagen, was ihr könnt oder nicht. Wenn ihr dafür kämpft, könnt ihr alles erreichen. Gebt niemals auf!

heise Developer: Was machst du, wenn du nicht gerade programmierst oder Konferenzen organisierst?

Kugland: Da bleibt tatsächlich nicht mehr viel Zeit übrig. Sport – weil es gesund ist, nicht weil es ich es mag. Meine Zeit allein zu Hause genießen, gerade nach vielen Events und Konferenzen ist mir das sehr wichtig. Wenn wirklich Zeit übrig bleibt, dann wird gebacken – am liebsten New York Cheesecake in sämtlichen neuen Variationen, die mir einfallen.

heise Developer:Wie kam es zu deinem Twitter-Handle @kotzendekrabbe?

Kugland: Ha! Das ist eine Geschichte, die ich nur erzähle, wenn Leute direkt auf mich zukommen und danach fragen. Die Geschichte dahinter wird niemals online auftauchen. Also, wenn ihr es wissen wollt, findet mich auf dem nächsten Event und quatscht mich einfach an.

heise Developer: Ein paar Worte zum Schluss?

Kugland: Eine Welt ohne Nudeln wäre eine traurige Welt.

Du bist selber ein junger Entwickler oder kennst jemanden, von dem du gerne ein Interview in dieser Serie lesen würdest? Schreib uns doch einfach eine E-Mail. Wir freuen uns auf deinen Vorschlag!

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