Die jungen Wilden: JavaLand

Die JavaLand-Konferenz bietet Neulingen in der Vortragswelt in jedem Jahr die Gelegenheit, einen ersten Vortrag auf einer Entwicklerkonferenz zu halten und mit einem Mentor gemeinsam vorzubereiten. In dieser Ausgabe der jungen Wilden erklären Neulinge und Veranstalter den Prozess.

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Die jungen Wilden

In der heise-Developer-Serie "Die jungen Wilden" interviewen wir in regelmäßigen Abständen junge Entwickler. Heute geht es allerdings um das Newcomer-Programm der JavaLand-Konferenz.

heise Developer: Heute begrüßen wir die zwei Menschen, die für das Newcomer-Programm der JavaLand-Konferenz verantwortlich sind: Falk Sippach und Hendrik Ebbers. Hallo Falk, Hallo Hendrik! Stellt euch doch erstmal kurz vor.

Falk Sippach

Falk Sippach: Ich arbeite als Trainer, Architekt und Entwickler bei der OIO Orientation in Objects GmbH in Mannheim und co-organisiere die Java User Group Darmstadt. Bereits seit der ersten Ausgabe durfte ich mich an der Planung der JavaLand-Konferenz beteiligen und habe vor zwei Jahren mit einigen anderen den Konferenzplaner DukeCon als Open-Source-Projekt gestartet.

Hendrik Ebbers

Hendrik Ebbers: Ich bin Java-Architekt bei der Canoo Engineering AG und Gründer der JUG Dortmund. Aktuell beschäftige ich mich viel mit Open-Source-Entwicklung und API-Design, nachdem ich mich die letzten Jahre stark auf das Frontend spezialisiert hatte. Zu dem Thema hab ich auch 2014 für Oracle das offizielle JavaFX-Buch ("Mastering JavaFX 8 Controls") zum Erscheinen von Java 8 geschrieben. Ich bin JavaOne Rockstar, Java Champion und JCP Expert Group Member.

heise Developer: Ihr kümmert euch um das Newcomer-Programm des JavaLand. Was kann man sich darunter vorstellen?

Sippach: Wenn man viel auf Konferenzen unterwegs ist, trifft man immer wieder die gleichen Personen als Sprecher mit immer wieder ähnlichen Themen. Das ist einerseits sehr schön (wie beim Klassentreffen), andererseits schlummert da draußen aber auch noch viel Potenzial an tollen Entwicklern, das wir mit dem Newcomer-Programm herauslocken möchten.

Ebbers: Das Newcomer-Programm soll Entwicklern eine Plattform bieten, um erste Erfahrungen mit Vorträgen zu machen. Das Programm richtet sich explizit an Entwickler, die bisher noch nie einen öffentlichen Vortrag gehalten haben. Dazu kommt, dass jeder Newcomer auf einen erfahrenen Speaker als Mentor zurückgreifen kann. Der Mentor unterstützt den Newcomer bei der Vorbereitung auf den Talk. Das beginnt mit dem Finalisieren eines guten Titels und aussagekräftigen Abstracts. Zudem gehört neben einer Besprechung des Ablaufs und der Folien natürlich auch, dem Neuling ein wenig die Angst vor dem ersten Vortrag zu nehmen.

heise Developer: Wie seid ihr auf die Idee gekommen? Was bewegt euch dazu, Neulinge in der Branche zu fördern?

Sippach: Das Newcomer-Programm findet bereits zum dritten Mal statt und wurde vom früheren Programmleiter der JavaLand-Konferenz, Markus Eisele, ins Leben gerufen. Ich konnte diese Idee von Anfang an unterstützen. Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie schwer es sein kann, als unbekannter Sprecher überhaupt auf Konferenzen angenommen zu werden. Gerade die ersten Vorträge sind ein gewisser Lernprozess, bei dem man jede Unterstützung und frühes Feedback gebrauchen kann, um sich nicht gleich wieder entmutigen zu lassen.

Ebbers: Da ich selbst regelmäßig Sprecher auf IT-Konferenzen bin, kann ich mich noch gut daran erinnern, wie schwierig die ersten Schritte waren. Hierbei gibt es grundsätzlich zwei Hürden: Für Entwickler, die noch nie einen Vortrag gehalten haben, ist es extrem schwer, ohne entsprechende Kontakte auf einer Konferenz als Speaker angenommen zu werden. Die Veranstalter greifen logischerweise auf bekannte Sprecher zurück, die auf der einen Seite mit ihrem Namen Besucher anlocken und auf der anderen Seite auch eine solide Vorstellung abliefern. Bei Neulingen hat ein Veranstalter natürlich keinerlei Informationen über die Qualität des Newcomers als Speaker. Dazu kommt, dass man in der Regel vor allem vor dem ersten Vortrag eine verständliche Panik hat. Ich selber hatte einen meiner ersten Vorträge auf der Devoxx in Antwerpen und kann mich noch gut an die schrecklichen 15 Minuten vor dem Vortrag erinnern. Hier helfen wir mit Unterstützung durch die Mentoren und dem kompletten JavaLand-Team.

heise Developer: Wie kann ich mir den Auswahlprozess vorstellen? Auf was sollte ich als Neuling achten, wenn ich beim JavaLand sprechen will?

Sippach: Bei der Einreichung müssen die Newcomer noch keinen fertigen Titel und Beschreibungstext liefern. Sie dürfen zunächst frei beschreiben, wie sie sich den Inhalt des Vortrags vorstellen und wer der Wunsch-Mentor sein soll. Dadurch können sich die Bewerter ein relativ gutes Bild machen, ob sich die Bewerber bereits intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt haben. Zusätzlich ist aber natürlich auch die Aktualität und Relevanz des eingereichten Themas wichtig.

Ebbers: Ein wichtiger Punkt ist sicherlich das Thema des Vortrags. Hier achten wir darauf, dass es sich um ein aktuelles Thema handelt, dass auch möglichst viele Leute interessiert. Dazu kommt, dass es für einen Newcomer auch immer sinnvoll ist, sich selbst bereits über einen Mentor Gedanken zu machen und diesen im Idealfall bereits vor dem Einreichen des Vortrags zu kontaktieren. Dieses Jahr haben wir zum Beispiel einen Newcomer, der sich im Vorfeld direkt an Ray Tsang, den Cloud-Evangelisten bei Google, gewandt hat. Im Grunde geht es also darum, Interesse und Initiative zu zeigen. Natürlich achten wir auch auf weibliche Newcomer, denen wir eine Chance geben wollen. Schließlich wollen wir es auch ganz klar fördern, dass sich mehr weibliche Entwickler auf die Bühne trauen.

heise Developer: Wie ist das Feedback, das ihr von den Teilnehmern das Programms bekommt?

Sippach: Ich muss zugeben, dass ich persönlich bisher nur wenig direktes Feedback eingeholt habe. Das ist ein guter Vorsatz fürs neue Jahr. Ich finde es aber toll, wenn man sieht, wie die Newcomer aus den beiden vergangenen Jahren mittlerweile auch auf anderen Konferenzen auftreten und ein Teil der Community geworden sind.

Ebbers: Das Feedback ist durchgehend positiv. Ich selber bin dieses Jahr Mentor für einen Newcomer, der Konferenzen bisher nur als Besucher kennt. Hier schwanken die Gefühle aktuell zwischen Euphorie und Panik (lacht). Aber auch dafür sind die Mentoren ja da: Den Neulingen die Angst vor der Bühne zu nehmen.