Ed Burns: "Container waren zur rechten Zeit am rechten Ort"

Transparenz in der Java-Entwicklung

heise Developer: Als Mitwirkender am Java Community Process (JCP) betonst du immer wieder die Bedeutung von Transparenz. Warum ist dir das ein so großes Anliegen?

Burns: Das ist der Tatsache geschuldet, dass sich Open Source durchgesetzt hat. Das führt zur interessanten Debatte über Redefreiheit und Freiheit an sich, weil es um den Unterschied zwischen freier und Open-Source-Software geht. Die Unternehmen haben entschieden, dass Open Source eine sehr nützliche Sache ist, und das geht Hand in Hand mit Transparenz. Das Schöne am JCP ist, dass er nicht so wild und verrückt wie das klassische alte Open Source ist. Der Prozess erlaubt es etwas konservativeren Unternehmen, die Kontrolle zu behalten. Außerdem wird großer Wert auf geistiges Eigentum gelegt. Auf Open-Source-Seite wiederum hat man die Wichtigkeit dessen erkannt und sich darauf eingestellt. Auch CNCF (Cloud Native Computing Foundation) und Eclipse wissen, wenn sie die Technologie anfassen, muss die Frage des geistigen Eigentums geklärt sein. Alles muss entweder direkt entschädigt werden oder einen Hinweis auf etwas geben, das direkt entschädigt wird. Aus diesem Grund halte ich Transparenz für so wichtig.

heise Developer: Du hast bereits vier Bücher veröffentlicht. Gibt es bereits Pläne für ein neues? Können wir uns auf eine Fortsetzung von "Secrets of the Rockstar Programmers" freuen?

Burns: Eines der Dinge, die ich seither gemacht habe, ist, "Secrets of the Rockstar Programmers" in einen Podcast umzuwandeln. Ich habe ein paar Anstrengungen mit dem "Java Offheap"-Podcast unternommen, wofür ich sowohl Auszüge aus alten Interviews als auch neue Interviews mit unter anderem Bryan Cantrill von Node.js und dem bereits erwähnten Brendan Burns von Kubernetes verwendet habe.

Das Bücherschreiben ist auf jeden Fall eine Arbeit, die mit sehr viel Liebe verbunden ist. Es ist jedoch schwer, die Zeit dafür zu finden. Für jedes meiner Bücher habe ich etwa 18 Monate benötigt, und die meisten anderen Autoren, mit denen ich gesprochen habe, sagen, dass es bei ihnen ähnlich lang dauert.

Hinzu kommt, dass sich die Art und Weise geändert hat, wie Menschen lernen: Dinge, die früher in Büchern erklärt wurden, werden heute durch Lernsoftware wie Coursera, Pluralsight oder Safari Books Online (nun: O'Reilly Learning; Red.) vermittelt. Ich kenne viele erfolgreiche Autoren, die heute als virtuelle Professoren Lernsoftware herausbringen. Ich denke daher, dass meine nächste Arbeit in diesem Bereich nicht mehr ein vollständiges, 300-seitiges Nachschlagewerk sein wird, sondern ich würde mich ebenfalls bei einem Online-Kursanbieter anmelden und dort etwas veröffentlichen.

Karrierehighlight

heise Developer: Im Laufe deiner Karriere hast du an vielen verschiedenen Projekten mitgewirkt. Gibt es ein Karrierehighlight, das du benennen kannst?

Burns: Das wäre auf jeden Fall meine Arbeit an JSF, da sie so viele Dinge miteinander verbunden hat, die ich liebe. Dazu zählen der Aufbau von Communitys und das Glück, JSF im deutschsprachigen Europa zur Popularität zu verhelfen – dank der langen Partnerschaft mit Irian in Wien. Sie haben beim JCP mitgewirkt und halfen bei der Entwicklung von JSF. Sie hatten eine Konferenzreihe, die jedes Jahr in Wien stattfand, und sie haben weiterhin viel mit JSF und Java-EE-Technologien gemacht. Dazu kommt, dass ich die Möglichkeit bekommen habe, mein Wertesystem von Respekt und Beteiligung in die Community einfließen zu lassen. Die Arbeit an JSF war in dieser Hinsicht lohnend und unterhaltsam.

Das Interview erschien in leicht geänderter Form zuerst auf der Website des iJUG, der wie die DOAG und heise Developer Mitausrichter der JavaLand-Konferenz ist, die von 19. bis 21. März im Phantasialand bei Brühl stattfindet. Die Fragen stellte Christian Luda. (ane)