Ed Burns: "Container waren zur rechten Zeit am rechten Ort"

Ed Burns, Co-Spec Lead der JavaServer Faces, im Gespräch über seinen Werdegang sowie seine kommende Keynote auf dem JavaLand 2019.

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Ed Burns: "JavaLand ist groß genug, um internationale Referenten zu bieten, und klein genug, um mit ihnen ins Gespräch kommen"

heise Developer: Ed, im März bist du Keynote-Speaker der JavaLand-Konferenz. Kannst du einen kleinen Ausblick geben, was die Teilnehmer erwartet?

Ed Burns: Ich werde eine Vergleichsanalyse darüber anstellen, was eine Programmiersprachenplattform erfolgreich macht. Ich habe darin ein wenig Erfahrung, schließlich war ich an der Entwicklung der JavaServer Faces (JSF) beteiligt, was man als Plattform bezeichnen könnte, auch wenn es im Grunde ein Web-Framework ist. Im weitesten Sinne kann alles, worauf andere Software aufgebaut wird, als Plattform betrachtet werden. Im Zuge meines Mitwirkens an der JSF-Community und -Technologie habe ich einen Einblick bekommen, was funktioniert und was nicht.

Zu wissen, was eine erfolgreiche Plattform ist, hilft sowohl bei der Auswahl einer Technologie als auch beim Versuch, eine eigene Plattform aufzubauen. Meine Keynote wirft einen Blick auf Java, Go, Swift, Node.js beziehungsweise JavaScript sowie Python und vergleicht diese Sprachen auf technischer, ökologischer und ökonomischer Ebene. Außerdem erörtere ich die Entscheidungen, die die jeweiligen Vertreter getroffen haben, um ihre Sprachen dahin zu bringen, wo sie heute sind.

heise Developer: Du bist du nicht zum ersten Mal auf der Konferenz. Was gefällt dir besonders am JavaLand?

Ed Burns, langjähriger maßgeblicher Entwickler der JavaServer Faces

Burns: Ich bin beim JavaLand von Anfang an dabei gewesen und habe keine Auflage verpasst. Es gibt für mich zwei Perspektiven, die für das JavaLand sprechen. Zunächst die Besucherperspektive: Die Konferenz ist groß genug, um internationale Referenten sowie viele verschiedene Sichtweisen und Ideen zu bieten, aber gleichzeitig klein und informell genug, um es den Besuchern zu ermöglichen, mit den Referenten ins Gespräch zu kommen. Außerhalb der Session-Räume gibt es zahlreiche Möglichkeiten zur Interaktion. Und dann bietet das Phantasialand natürlich eine vergnügliche Atmosphäre – die Open Park Night ist großartig, wenn das Wetter mitspielt.

Aus Referentensicht kann ich sagen: Alles, was die DOAG (Deutsche Oracle-Anwendergruppe) veranstaltet, ist erstklassig, sehr gut organisiert und sehr professionell. Es ist immer eine Freude, mit der DOAG zusammenzuarbeiten – sowohl auf der Hauptkonferenz in Nürnberg als auch auf dem JavaLand.

Bezug zu Deutschland

heise Developer: Wirst du etwas Zeit haben, Land und Leute zu erkunden?

Burns: Definitiv. Ich komme liebend gern nach Deutschland. Während der DOAG-Konferenz im November 2018 hatte ich dort ungefähr einen Monat verbracht und alte Freunde aus der JSF-Community besucht. Das werde ich dieses Mal genauso handhaben. Ich habe ein paar gute Freunde in Köln. Dort gibt es den großartigen Club Barinton, wo donnerstags immer eine Open Jazz Jam stattfindet. Nach der Konferenz, wenn ich meinen Schulungstag beendet habe, schlage ich dort mit meiner Trompete auf und spiele ein wenig.

heise Developer: Du hast einen Bachelorabschluss in Computerwissenschaft mit Deutsch als Nebenfach. Was hat dich damals bewogen, Deutsch zu studieren?

Burns: Als ich mich für meine Universität entschieden habe, gefiel mir die Tatsache, dass dort für Studenten der Ingenieurswissenschaften keine Fremdsprache vorausgesetzt wurde. Interessanterweise habe ich dann im zweiten Jahr eine Informationsveranstaltung für ein Austauschprogramm in Österreich besucht, und das hat mich sofort angesprochen. Es hat mich im wahrsten Sinne des Wortes gepackt, und daran hat sich bis heute nichts geändert. Das war 1994. Ich habe an dem Programm teilgenommen und jeweils einen halben Sommer in Wien und Deutschland verbracht. Seither liebe ich die deutsche Sprache und Kultur.

Fan von "Tunnels of Doom"

heise Developer: Das Interesse für Computer begann bei dir mit der Leidenschaft für das Computerspiel "Tunnels of Doom", für das du auch eine Fanpage unterhältst. Was fasziniert dich insbesondere an diesem Spiel?

Burns: Als ich mein Buch "Secrets of the Rockstar Programmers" schrieb, hatte ich den Gedanken, dass Leute einer bestimmten Altersgruppe, jene die jetzt Mitte bis Ende 40 sind, den besonderen Vorteil hatten, in einer Zeit aufzuwachsen, in der die ersten Personal Computer auf den Markt kamen. Dem konnte man sich gar nicht widersetzen. Wenn du damals ein Kind warst, hattest du wahrscheinlich einen Atari, Commodore 64 oder Apple. Bei mir war es allerdings der Texas Instruments TI-99/4A. Alle Leute, mit denen ich für das Buch gesprochen habe – Rod Johnson, James Gosling, Nikhil Kothari –, hatten ähnliche Geschichten über ihre Anfänge und ersten Programmierplattformen.

Das Spiel war großartig, es war ein frühes Rollenspiel, im Grunde ein Dungeon Crawl. Es gab Charaktere mit verschiedenen Attributen: einen Ritter, einen Zauberer, einen Dieb usw. Ich fragte mich schließlich, wer dieses Spiel geschrieben hatte, spürte ihn auf und interviewte ihn. Die Idee, Programmierer über ihre Arbeit zu interviewen, ist also etwas, was ich bereits seit fast 20 Jahren mache. Das Interview mit ihm habe ich 2002 geführt. Er erklärte mir den Prozess des Programmierens für Texas Instruments. Er hatte dabei mehrere Auswahlmöglichkeiten. Die fortschrittlicheren Spiele wurden direkt in Assembler-Sprache programmiert.

Die Firma versuchte eine Plattform aufzubauen, auf der Entwickler in einer einfacheren Sprache mit einem Basic Type Interface programmieren konnten. Aber die Möglichkeiten waren begrenzt, weshalb man schon damals die Vorstellung einer Auswahl verschiedener Plattformen für die Hardware hatte – und das sieht man heute noch. In Java werden noch immer bestimmte Technologien verwendet, die native Sprachbindungen und Abhängigkeiten aufweisen. Das zeigt, dass es immer gewisse Optionen gibt, wie man das Beste aus der Hardware, dem Betriebssystem und der virtuellen Maschine herausholen kann.