Ein letztes Mal: Die Velocity-Konferenz von O‘Reilly in Berlin

Nach 12 Jahren findet O‘Reillys Konferenzformat Velocity mit der Berliner Ausgabe ihren Abschluss. Die Themen kreisten sich vor allem um Kubernetes und die Cloud.

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Knapp 1000 Teilnehmer hatten vom 4. bis 7. November die Gelegenheit, der letzten Ausgabe von O’Reillys erfolgreichem Konferenzformat Velocity beizuwohnen. Sie fand wie bei den Veranstaltungen des Verlags üblich gleichzeitig mit einer anderen Konferenz statt – in diesem Falle die Software Architecture Conference mit circa 1200 Teilnehmern. Dass es die letzte Velocity werden würde, hielten die Veranstalter jedoch bis zum zweiten Konferenztag zurück. Nach 12 Jahren ist Schluss mit der Velocity, an ihre Stelle rückt die "Infrastructure & Ops"-Konferenz. Thematisch bleibt sich die neue Konferenz treu – im Zentrum stehen wie in den letzten Jahren auch die Cloud, Container und Microservices. Auch am Veranstaltungsort Berlin ändert sich für 2020 erst mal nichts.

Das Konferenzteam bei der offiziellen Begrüßung

Schneller, höher, stärker

Die Anforderungen und Schwierigkeiten zeitgemäßer Softwareentwicklung zogen sich konsequent durch das Vortragsprogramm der diesjährigen Velocity, das in bis zu sieben parallel stattfindenden Tracks gegliedert war. Dazu zählten der fast schon obligatorisch gewordene Track rund um die Container-Orchestrierung Kubernetes, aber auch Schwerpunkte zu verteilten Daten, Observability und Monitoring sowie den Sicherheitsanforderungen komplexer Systeme. Buzzwords DevOps, Cloud-native und Serverless Computing waren auch mit von der Partie, ebenso eine Reihe an Vorträgen rund um das Thema Führung in modernen Software-Teams.

Wie es sich für O’Reilly gehört, sind viele der bekannten Buchautoren des Verlags und international bekannte Speaker vor Ort. Das sorgt nicht nur für qualitativ hochwertige Vorträge, sondern auch für eine besonders hohe Themenvielfalt – dadurch lauscht man als Besucher zwar eigentlich immer gerne den Vorträgen, die Relevanz für den eigentlichen Arbeitsalltag hält sich dadurch aber gelegentlich in Grenzen. Es ist zwar beeindruckend zu sehen, wie jemand nur über eine Spracheingabe programmiert (Emily Shea, Fastly), für die tägliche Entwicklungsarbeit dürfte es aber in der Regel wenig Relevanz haben. Man ist allerdings gut vorbereitet und weiß, wo man ansetzen kann, wenn einem das Tippen auf der Tastatur mal nicht mehr möglich ist.

Die Eröffnungskeynote der Velocity

Ein buntes Keynote-Feuerwerk

Anders als bei anderen Konferenzen räumt O’Reilly bei der Velocity den einzelnen Keynotes kein besonders üppiges Zeitfenster zu. An beiden Hauptkonferenztagen feuern die Veranstalter das Format „Keynote“ in zweistündigen Zeitslots ab, in denen sich die auserkorenen Sprecher munter alle 20 Minuten im Wechselspiel austauschen – natürlich unterfüttert von den üblichen Ankündigungen und Informationen seitens der Veranstalter.

Das Format funktioniert insofern gut, da die meisten Referenten die Chance nutzen, ihren Vortrag entsprechend der rasanten Geschwindigkeit gut zu komprimieren und auf lustige und informative Pointen runterzustutzen. Sei es James Mickens von der Harvard University, der das Publikum durch eine ausgiebige Parodie über Blockchains und deren nicht wirklich vorhandenen Use Cases treibt, oder sei es Ingrid Burrington, die mal eben 13,8 Milliarden Jahre Erdgeschichte zusammenfasst, um uns zum ersten Computer zu führen.

Als besonderes Highlight sind hier zwei Vorträge zu nennen: Dave Cheney von VMware gab einen Überblick über die Geschichte der Programmiersprache Go und wie sie es geschafft hat, ein erfolgreiches Open-Source-Projekt zu werden. Die Einfachheit der Sprache und der Internetriesen Google im Rücken seien zwar hilfreich gewesen, Erfolgsgarant ist laut Cheney aber eher die Möglichkeit, das Projekt leicht aus der Community heraus zu unterstützen – das niedliche Gopher-Maskottchen tut dann sein Übriges. Das sollten sich andere Projekte abschauen, indem sie jede Form der Kontribution aus der Community wertschätzen und über einen Code of Conduct dafür sorgen, dass sich jeder im Projekt willkommen fühlen kann.

Dave Cheney während seines Keynote-Vortrags

Das zweite Highlight lieferte Lena Reinhard ab, Director of Engineering bei CircleCI. In ihrer Keynote "Building high-performing engineering teams, 1 pixel at a time" schilderte sie die Probleme, die verteilte Teams beim Entwickeln von Software haben können – und wie man dafür sorgen kann, die Qualitäten gut zusammenarbeitender Teams ans Licht bringen kann. Dazu zählt es zu verstehen, dass jeder Mensch andere Wertvorstellungen bei seiner Arbeit hat. Außerdem sei eine konstante Feedback-Kultur ebenso Gold wert wie sich häufiger die Frage zu stellen, welches Problem man gerade versucht zu lösen – ansonsten ist die Gefahr groß, sich zu verzetteln. Kommunikation steht für Reinhard an oberster Stelle: Man sollte Überraschungen vermeiden. Mit schlechten Nachrichten kann man umgehen, mit Überraschungen eben nicht.

Lena Reinhard auf der Bühne der Velocity

Schnelle Software geht nicht ohne ein gutes Team

Es mag wie eine Binsenweisheit klingen: All die Tools und Techniken, denen die Velocity in ihren zahlreichen Vorträgen viel Zeit widmet, sind nichts wert, wenn die Unternehmenskultur nicht darauf ausgelegt ist, damit zu arbeiten. Es ist natürlich spannend zu sehen, welche technischen Herausforderungen Kubernetes und Co. oder neue Testverfahren wie Chaos Engineering versuchen zu lösen – am Ende sind es aber immer noch Menschen, die den Business Case umsetzen möchten. Der Velocity-Konferenz gelang dieser Spagat blendend und man konnte sowohl technisch als auch kulturell reichlich an Inspiration mitnehmen.

Ob man sich das Gelernte konstant ins Gedächtnis rufen kann, bleibt einem jeden selbst überlassen – aber vielleicht muss es auch gar nicht immer der neuste Hype sein. Es hat immerhin auch eine ganze Weile gedauert, bis die Menschheit mal den ersten Computer vor sich stehen hatte. Bleibt zu hoffen, dass die "Infrastructure & Ops"-Konferenz diesen Gedanken nicht aus den Augen verliert. (bbo)

Redaktioneller Hinweis: heise Developer wurde zur Teilnahme an der Velocity eingeladen.