Einführung in das Physical Web

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Beacons eignen sich für allerlei Anwendungsszenarien, die Kommunikation zwischen alltäglichen Objekten und ihrer Umwelt erfordern. Das Physical Web hilft Nutzern dabei, die sich daraus ergebenden Möglichkeiten optimal zu nutzen.

2014 stellte Google sein Open-Source-Projekt Physical Web mit dem Ziel vor, die virtuelle Welt noch enger mit der realen zu verknüpfen. Bushaltestellen, Touristenattraktionen, Alltagsgegenstände oder Supermarktartikel – sie alle können mittlerweile prinzipiell über Beacons selbständig Nachrichten auf das Smartphone senden. Grundlage für eine derartige Kommunikation ist die Funktechnik Bluetooth Low Energy (BLE). Wurde ein Gegenstand mit einem Beacon ausgerüstet, kann er Nachrichten an Smartphones senden, die BLE unterstützen, und so zum Beispiel über Verspätungen, Sonderangebote oder Aktionstage informieren.

Das Physical Web sorgt in dem Zusammenhang unter anderem dafür, dass Nutzer nicht allenthalben neue Apps installieren müssen, sondern die Nachrichten auf einer einheitlichen Oberfläche betrachten können. Es lässt sich in nahezu allen Fällen einsetzen, in denen Nutzer an Informationen über ihre Umgebung interessiert sind oder in denen eine Interaktion zwischen ihnen und smarten Objekten nötig ist. Um eine bessere Vorstellung von derartigen Szenarien zu bekommen, folgen drei kurze Einsatzbeispiele.

Die intelligente Bushaltestelle: Eine Bushaltestelle in der Nähe könnte Wartenden über deren Smartphone mitteilen, wann der nächste Bus kommt. In dem Fall sendet der Physical-Web-BLE-Sensor eine URL aus, die zur Webseite der Bushaltestelle führt. Um sie von anderen unterscheiden zu können, würde die URL einen Identifikationscode der Haltestelle enthalten, zum Beispiel http://busstop.org/1 und http://busstop.org/2.

Der Physical-Web-BLE-Sensor einer Bushaltestelle sendet eine URL aus, die auf die Webseite der Bushaltestelle und Informationen zum nächsten Bus führt (Abb. 1).

Interaktion mit Automaten:Ein Verkaufsautomat mit Internetverbindung sendet eine URL aus, mit der Kunden eine Webseite mit der Bezahlfunktion des Automaten aufrufen können, sollten sie kein Bargeld dabei haben. Die URL umfasst einen Token, der sich dynamisch nach jedem Kauf ändert. Der Automat und die auf dem Smartphone geöffnete Webseite verbinden sich über den gleichen Token mit dem Backend-Server des Providers. Nach der Kaufabwicklung sendet der Server eine Anfrage zum Verkaufsautomaten, um die gekauften Produkte auszugeben. Das Physical Web dient dazu, die URL zum Smartphone zu übertragen. Alle anderen Schritte laufen wie gewohnt im Internet ab. Für die bidirektionale Kommunikation zwischen Automat beziehungsweise Webseite und Server lassen sich beispielsweise die sogenannten Websockets verwenden.

Überwachte Haushaltsgeräte: Das Physical Web lässt sich außerdem zur Kontrolle und Überwachung von Haushaltsgeräten wie der Waschmaschine nutzen. Jedes Gerät sendet dabei eine URL aus, die auf eine IP-Adresse verweist und nur bei Verbindung mit dem lokalen Netzwerk erreichbar ist. Die Sichtbarkeit der URL lässt sich auf Geräte im Netzwerk eingrenzen, wenn bei der Umsetzung Network-Discovery-Techniken wie mDNS und SSDP statt BLE zum Einsatz kommen.