Entwicklermanifeste für das Internet der Dinge

Fazit

Die Frage nach der Notwendigkeit eines moralischen Gesetzes, das Programmierern und Softwarearchitekten beim Entwickeln Grenzen aufzeigt, bleibt nach wie vor bestehen. Scott Smith hält etwas derartiges nicht für nötig, sondern setzt wie so viele auf einen freiwilligen Ansatz: "Da Quellcode heute auf zunehmend mehr Menschen Auswirkungen hat, sollten sich Softwareentwickler Zeit nehmen, um über die Implikationen ihrer Produkte nachzudenken – so wie es ein Ingenieur tun muss, der eine Brücke oder ein Auto baut. Das kostet weder viel Zeit noch es ist besonders schwierig, es braucht nur das generelle Verständnis um den Nutzen einer solchen Überlegung und den Willen, diesen Überlegungen Priorität neben anderen Anforderungen des Projekts einzuräumen. Wenige Menschen wollen mit ihrem Design anderen Individuen oder Gruppen, die sie nicht bedacht haben, aktiv schaden. Es wäre jedoch begrüßenswert, wenn Technologie-Ethik ein Teil der generellen Ausbildung wäre."

Nicht nur die Entwickler sieht Smith in der Pflicht, auch den Nutzer mahnt er zu verantwortungsvollen Entscheidungen: "Entwickler können sich über die Bedeutung und die Konsequenzen ihrer Designs bewusster werden und Nutzer können sich entscheiden, mehr darüber zu wissen, wie ihre Produkte funktionieren und welche Werte in ihnen impliziert sind."

Als unumstößliches Gesetz für den Entwurf von IoT-Produkten will sich auch das IoT Design Manifesto nicht verstanden sehen. Zu vielfältig sind nach Meinung der Initiatoren die Ansprüche der am Entwicklungsprozess beteiligten Berufsgruppen. Gerade in seiner Vagheit liegt ihrer Meinung nach die Stärke des Manifests, weil sich dadurch alle angesprochen fühlen können. Cavallery-Mitgründer Corman plädiert derweil dafür, Nutzen und Gefahren immer wieder aufs Neue gegeneinander abzuwägen. Von Entwicklern fordert er, dass sie sich ihrer Schwächen und Grenzen bewusst sind, dass sie daran aber weder verzweifeln noch eine fatalistische Gleichgültigkeit an den Tag legen. Vielmehr sollen sie auf ihren eigenen moralischen Kompass vertrauen.

Unterm Strich muss jeder Entwickler für sich entscheiden, ob und wie stark er in den von den genannten Gruppen angeregten Dialog eintritt. Eine wünschenswerte Grundhaltung findet sich jedoch im letzten Absatz des IoT Design Manifesto:

"Letztlich sind wir Menschen. Design ist ein einflussreicher Akt. Wir haben mit unserer Arbeit die Macht, Beziehungen zwischen Mensch und Technik, aber auch zwischen Menschen untereinander zu formen. Wir nutzen unseren Einfluss nicht, um Umsatz zu machen oder robotische Herrscher zu schaffen. Stattdessen liegt es in unserer Verantwortung, Design so zu nutzen, dass Menschen, Gemeinschaften und Gesellschaften daran wachsen und gedeihen." (jul)

Lisa Öztürkoglu
lebt als freie Autorin in London. Sie schreibt unter anderem über die Wechselwirkungen zwischen Technik und Gesellschaft.