Entwicklung von Apps für watchOS 2, Teil 2

Fazit

Lohnt sich die watchOS-Entwicklung?

Die Apple Watch als Hardwareplattform und watchOS als Betriebssystem stehen noch ganz am Anfang. Es ist davon auszugehen, dass Apple gerade in den kommenden Jahren viel Zeit und Energie in die
Weiterentwicklung der Hardware und des Betriebssystems investieren wird, wozu auch immer neue Funktionen und erweiterte Möglichkeiten für Drittentwickler gehören werden. Allein der enorme Sprung von watchOS 1 auf watchOS 2 lässt erahnen, welche APIs Entwicklern in Zukunft noch zur Verfügung gestellt bekommen.

Nichtsdestoweniger ist watchOS eine gänzlich andere Plattform als iOS. Das liegt vor allen Dingen daran, das watchOS-Apps nicht vollständig autark funktionieren. Es braucht seit watchOS 2 durch die genannte Änderung der Architektur nicht mehr zwingend ein erreichbares iPhone, um eine watchOS-App auszuführen. Aber watchOS-Apps selbst sind immer Bestandteil einer iPhone-App. Und so ist auch watchOS als Plattform für App-Entwickler zu sehen. Die Apple Watch ist als erweiterter Arm des iPhone konzipiert, entsprechend sollten sich watchOS-Apps darauf konzentrieren, nur die wichtigsten Features und Funktionen zugänglich zu machen oder neue Zusatzfunktionen anzubieten, die auf dem iPhone keinen Sinn ergeben. Zu versuchen, eine iPhone-App in all ihren Funktionen auf die Apple Watch zu übertragen, dürfte in einem Großteil aller Fälle scheitern.

Apple selbst definiert für die Nutzungszeit von watchOS-Apps ein Zeitfenster von zwei bis fünf Sekunden. Im Vergleich zu iPhone, iPad oder gar Mac ist dieses Zeitfenster geradezu verschwindend gering. Doch jeder, der einmal eine beliebige Smartwatch über einen Zeitraum von mehreren Sekunden ununterbrochen benutzt hat, dürfte schnell merken, wie unangenehm die entsprechende Haltung des Armes auf Dauer wird. Deswegen müssen sich App-Entwickler ins Bewusstsein rufen, das watchOS-Apps dem Nutzer schnell und effizient zu seinem Ziel führen sollen; Finger weg also von überladenen UIs, vielen Auswahlmenüs und verschachtelten Listen. Auch wenn es technisch möglich ist, muss der Fokus bei watchOS-Apps auf reibungsloser und schneller Nutzung liegen.

Ob sich somit die Entwicklung für watchOS lohnt, hängt zunächst von zwei Faktoren ab:

  1. Gibt es bereits eine passende zugehörige iPhone-App?
  2. Gibt es bei dieser iPhone-App eine oder mehrere Funktionen, die sich sinnvoll auf die Apple Watch übertragen lassen?

Nur wenn sich die beiden Fragen mit "Ja" beantworten lassen, kommt überhaupt eine Entwicklung einer watchOS-Version einer bestehenden iPhone-App in Betracht. Dann lässt sich solch eine Watch-Variante tatsächlich als zusätzlicher Nutzen sehen, mit dem man womöglich langfristig die Downloadzahlen der eigenen App erhöhen kann.

Eine Apple-Watch-Version allein ist aber kein Heilsbringer für eine erfolgreiche App. Sie kann zwar Antrieb für erhöhte Downloadzahlen sein, eine grundlegend erfolgreiche iPhone-App wird aber nichtsdestoweniger noch immer eine größere und bedeutendere Rolle spielen. Möglicherweise ändert sich das langfristig, falls Smartwatches – und in diesem speziellen Fall die Apple Watch – mit der Zeit deutlich höhere Nutzerzahlen erreichen. Wer dann mit einer watchOS-App in den Startlöchern steht, hat gute Chancen auf einen großen Erfolg; ähnlich wie seinerzeit unter iOS.

Wie geht es weiter?

Unbestreitbar steht die Veröffentlichung der Version 3 von watchOS in den Startlöchern. Voraussichtlich im Herbst wird Apple die finale Version des nächsten Ablegers des Betriebssystems veröffentlichen und damit auch weitere Neuerungen und Features für Entwickler bereitstellen.

Zum jetzigen Zeitpunkt ist es aber zunächst für Entwickler wichtig, die Besonderheiten und die Architektur von Apps für watchOS 2 verinnerlicht zu haben. Da seit Juni nur noch Apple-Watch-Apps im App Store zugelassen werden, die mindestens watchOS 2 unterstützen, führt kein Weg für bisherige watchOS-Entwickler daran vorbei, sich spätestens jetzt im Detail mit dieser Plattform auseinanderzusetzen.

Wer bisher zwar eine iPhone-App, aber noch keine zugehörige watchOS-App entwickelt, sollte im Vorhinein genau prüfen, ob und in welchem Umfang ein Ableger einer solchen App für die Apple Watch sinnvoll ist. (ane)

Thomas Sillmann
ist leidenschaftlicher iOS-App-Entwickler und Autor. Freiberuflich entwickelt er eigene Apps für den App Store sowie Apps in Form von Kundenaufträgen. Mit seiner Begeisterung für das Schreiben hat er bereits mehrere erfolgreiche Fachbücher und Kurzgeschichten veröffentlicht. Sillmann lebt und arbeitet in Aschaffenburg.

Online-Quellen