Falsch aufgezäumt: Joyent startet Node.js Incubator Program

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Joyent, das Unternehmen hinter Node.js, hat ein Programm zur Unterstützung von Entwicklern ins Leben gerufen, die Node.js-Anwendungen entwickeln. Die seit dem 13. Januar 2015 verfügbare Alternative io.js schließt Joyent explizit aus. Was bedeutet das für die beiden Projekte?

Der offene Fork io.js erlebt einen gewaltigen Zuspruch. Nach nicht einmal vier Wochen steht bereits die Version 1.1.0 mit zahlreichen Aktualisierungen zur Verfügung, die Commits erleben einen historischen Höhepunkt, und die ersten größeren Projekte geben ihren Wechsel bekannt:

Dem gegenüber steht das – wieder einmal – gebrochene Versprechen von Joyent, dass Version 0.11.15 die letzte Version vor Node.js 0.12.0 sei und diese Version innerhalb von zwei Wochen folgen solle. Stattdessen hat Joyent inzwischen die Versionen 0.11.16 und 0.10.36 veröffentlicht. Auch eine Version 0.11.17 wird es noch geben, ebenso wie eine Version 0.10.37. Von Version 0.12.0 ist Joyent weiter entfernt als je zuvor.

io.js hält, was Joyent für Node.js verspricht

Die bemerkenswerte Geschwindigkeit, in der die Entwicklung bei io.js voranschreitet, die Stabilität, und die standardmäßige Unterstützung von Sprachmerkmalen von ES2015 haben io.js viel Lob eingebracht.

Endlich spürt die Community wieder das Momentum aus den Anfangszeiten von Node.js, als hohes Engagement und die Energie, sich zu begeistern, sich einzusetzen und etwas Neues zu erschaffen, die kennzeichnenden Merkmale waren. Auch die Verlässlichkeit des io.js-Teams hat seinen Teil dazu beigetragen: Das angestrebte Veröffentlichungsdatum der Version 1.0.0 wurde tagesgenau eingehalten.

All dem hat Joyent zurzeit erschreckend wenig entgegenzusetzen. Selbstverständlich hofft man offiziell darauf, dass io.js über kurz oder lang wieder in Node.js einfließen wird. Doch ob Joyent im Stillen selbst daran glaubt, sei dahin gestellt. Zu häufig hat das Unternehmen die Community in den vergangenen zwei Jahren enttäuscht. Zudem zeigt der Erfolg von io.js, dass die Community gut ohne Joyent auskommt – umgekehrt wird es potenziell schwieriger.

Inkubator statt Innovation

Statt alles daran zu setzen, endlich Node.js 0.12.0 zu veröffentlichen, hat Joyent nun also das Node.js Incubator Program ins Leben gerufen. Als Entwickler von Web- und mobilen Anwendungen kann man sich für das Programm bewerben, um Unterstützung durch Joyent zu erhalten, unter anderem durch Hosting- und Beratungsangebote.

Die Nachrichtenwebseite readwrite.com berichtet, dass der CEO von Joyent, Scott Hammond, auf Nachfrage zur Akzeptanz von io.js ablehnend reagiert habe:

"'IO.js, what’s that?' asked Joyent CEO Scott Hammond in response to my query about whether projects based on the fork would be able to enter. 'This is a Node.js project for Node.js innovations.'"

Mit anderen Worten: Joyent zieht den Versuch, Entwickler mit Geld zu ködern, dem ernsthaften Bestreben vor, sich um Node.js und die Community zu kümmern. Fraglich ist, ob das Unternehmen mit dem Vorgehen Erfolg haben wird: Speziell die JavaScript-Community reagiert auf kommerzielle Avancen skeptisch bis ablehnend. Wenden sich dadurch weitere Entwickler von Node.js ab, könnte Joyent am Ende daher genau das Gegenteil des eigentlichen Ziels bewirken.

Traurig kann man darüber allerdings nur bedingt sein. Letztlich wäre es nämlich lediglich die Quittung für die Arroganz, die Joyent der Community gegenüber seit geraumer Zeit an den Tag legt.

tl;dr: Joyent versucht, Entwickler im Rahmen des Node.js Incubator Programs von io.js abzuhalten. Fraglich ist allerdings, ob das Vorgehen den gewünschten Erfolg haben oder den Wechsel von Node.js zu io.js nicht eher beschleunigen wird.