Federlesen #16: Wohin mit Office und seinen Dokumenten?

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Microsoft Office ist heute nicht mehr das allein selig machende Textverarbeitungsprogramm. Da immer noch viele Dokumente im Format des Programms existieren, spielt es jedoch eine große Rolle.

Für die Zukunft stellt sich die Frage, wie sich Office-Dokumente verwalten, durchsuchen und mit anderen Programmen weiter nutzen lassen können. Eine Möglichkeit ist sicherlich die Konvertierung in aktuelle Office-Formate. Da das selten verlustfrei geht, kann man sich überlegen, statt auf das proprietäre MS-Office-Format auf das Open Document Format for Office Applications (ODF) der OASIS Organisation zu setzen.

Nach dem Wechsel des OpenOffice-Projekts von Oracle zur Apache Software Foundation zogen einige Linux-Distributionen den OpenOffice-Fork LibreOffice der Document Foundation dem Original bei der Erstinstallation vor, da ihnen die Überführungsphase zu lange dauerte. OpenOffice verließ zwar in Rekorzeit den Apache Incubator, konnte jedoch bisher weniger häufigere Releases als LibreOffice veröffentlichen. Trotz dieser ersten Anfangsschwierigkeiten erfreut sich OpenOffice langsam wieder wachsender Beliebtheit – nicht nur bei seinen treuen Anhängern, sondern auch bei Wechslern von Microsoft Office.

Das zeigt sich nicht nur dadurch, dass inzwischen wieder regelmäßige Releases erscheinen, sondern auch an den stetig steigenden Downloadzahlen des Textverarbeitungsprogramms. OpenOffice wurde inzwischen über 85 Millionen Mal direkt von den Apache-Seiten heruntergeladen, wobei Deutschland die drittmeisten Downloads verzeichnen kann. Bei den beliebtesten 30 Gratis-Programmen des Jahres im Heise-Softwareverzeichnis konnte sich OpenOffice letztes Jahr um einen Platz auf Nummer 9 verbessern. LibreOffice hingegen ist von Platz 16 im Vorjahr auf Platz 28 abgerutscht.

Gerade unter Windows wurde OpenOffice gegenüber LibreOffice als MS-Office-Alternative vorgezogen. Da Microsoft seinen Support für MS Office 2003 einstellt, ist zu vermuten, dass sich dieser Trend fortsetzt. Mit der Umstellung von Windows-XP-Rechnern bietet sich OpenOffice als sichere und kostengünstige Alternative an und wird sich noch mehr verbreiten. Dafür spricht zudem eine sehr breite Plattformunterstützung aktueller Betriebssystemversionen – auch als 64-Bit-Variante von Linux, Microsoft Windows 8.1 und Mac OS 10.9. Eine portable Server- und Cloud-Variante runden das OpenOffice-Angebot ab.

Auf der Projektseite finden sich zudem inoffizielle Portierungen für andere Plattformen wie Solaris, FreeBSD oder OS/2. Gerade wer mit mehreren Betriebssystemen arbeitet, findet immer dieselbe Oberfläche vor und muss sich nicht umgewöhnen. Die Mac-Variante des Programms unterstützt sogar die Aqua-Oberfläche.

Erweitern und automatisieren

Für das Erstellen von Makros gibt sich OpenOffice mehrsprachig. Neben dem eigenen Basic-Dialekt unterstützt es BeanShell von Patrick Niemeyer, JavaScript über Mozilla Rhino, Python und Java. Überraschenderweise kann man mit Java-Makros die wenigsten Funktionen des OpenOffice Scripting Framework verwenden. Ein einfaches Hello-World-Makro kann man für BeanShell oder JavaScript über "Makros verwalten" erstellen. Das Programm sieht für beide Sprachen identisch aus. Allein bei den Klassen-Importen am Anfang kann OpenOffice seine Herkunft von Suns StarOffice nicht ganz verbergen:

import com.sun.star.text.XTextDocument;
import com.sun.star.text.XText;
import com.sun.star.text.XTextRange;
oDoc = XSCRIPTCONTEXT.getDocument();
xTextDoc = (XTextDocument)↵
UnoRuntime.queryInterface(XTextDocument.class,oDoc);
xText = xTextDoc.getText();
xTextRange = xText.getEnd();
xTextRange.setString( "Hello World (in BeanShell)" );

Für die nächsten Schritte mit dem ersten selbst generierten Makro helfen die API-Beschreibung und die Online-Dokumentation ("Writing Macros", "How the Scripting Framework Works") weiter. Im Installationsverzeichnis von OpenOffice \share\Scripts lassen sich für die jeweilige Makro-Sprache weitere ausführbare Beispiele, wie Capitalise, Highlight, MemoryUsage und WordCount finden.

Ein Hinweis noch: Die von OpenOffice mitgelieferten Versionen Mozilla Rhino 1.7R2 und BeanShell 2.0b1.1 sind schon etwas älter und sowohl von JRE7 als auch von der BeanShell gibt es neuere Varianten. Neben BeanShell 2.0b4 existiert mit BeanShell 2.1.8 eine Weiterentwicklung.

Der BeanShell-Interpreter lässt sich mit neu gesetztem Classpath

set classpath %classpath%;bsh-2.1.8.jar 

via

java bsh.Interpreter 

starten, sodass man Makros auch außerhalb von OpenOffice entwickeln kann. Das gerade erstellte Programm oder einfach nur eine Konsolenausgabe lässt sich wie folgt aufrufen:

bsh % helloWorld();
bsh % print("HELLO HEISE");

OpenOffice für alle

Apache hat sich dieses Jahr sowohl am diesjährigen internationalen Tag der Muttersprache der UNESCO als auch dem Document Freedom Day beteiligt. Um die sprachliche und damit kulturelle Vielfalt zu erhalten, ist es wichtig, dass eine Software wie OpenOffice inzwischen 37 Sprachen unterstützt. Beim Document Freedom Day geht es nicht nur um die Wichtigkeit von offenen Standards, sondern auch allgemein um den freien Zugang zu Informationen.

Freie Dokumente können von einer Vielzahl an Werkzeugen gelesen, übertragen, bearbeitet und weiterverarbeitet werden. Deswegen sind offene Standards die Grundlage für Kompatibilität und Kooperation in der modernen Gesellschaft. Zu den wichtigen von OpenOffice unterstützten Standards gehören deshalb die ISO-Standards Open Document Format (ODF) und Portable Document Format (PDF), die W3C-Standards HTML, Scalable Vector Graphics (SVG) und Mathematical Markup Language (MathML).

Das Produkt- oder Vendor-lock-in längst nicht der Vergangenheit angehören, hat Apple erst zuletzt mit iWork '13 gezeigt: Wird ein mit iWork '09 erstelltes Dokument mit der neuen Version geändert, lässt es sich nicht mehr mit der ursprünglichen Version öffnen.