GUI-Redesign nach Continuous-Delivery-Prinzipien

Tipps für die Umsetzung

Um zu entscheiden, welche Änderungen in die Facelift-Stufe kommen und welche zu einem späteren Zeitpunkt umzusetzen sind, sollten Designer und Entwickler miteinander reden, da Designer häufig schwer abschätzen können, welchen Entwicklungsaufwand ihre Ideen nach sich ziehen.

Bei Webanwendungen sind die Anforderungen an die Browserversion nach dem GUI-Redesign in der Regel höher. Es ist daher wichtig, Nutzer so früh wie möglich auf die neuen Anforderungen hinzuweisen, damit sie sich darauf einstellen können. Dies gilt speziell für den Microsoft Internet Explorer. In manchen Unternehmen kann es leider mehrere Monate dauern, bis die Nutzer auf eine aktuellere Browserversion wechseln dürfen.

Steht ein Termin mit vielen Kundenkontakten wie eine Roadshow oder Messe an, kann es sich lohnen, vor dem Start des GUI-Redesigns einen Feature Branch der umzugestaltenden Software zu erstellen, in dem das neue Design bereits für zwei bis drei Funktionen umgesetzt ist. Präsentiert der Anbieter die überarbeiteten Features Besuchern und Gästen, ensteht die Gelegenheit, früh im Redesign-Prozess ein erstes, persönliches Feedback der Kunden zu bekommen. Das kann unter Umständen den einen oder anderen durch betriebliche Scheuklappen entstandenen Denkfehler aufdecken.

Generell ist es eine gute Idee, bereits im Vorfeld des GUI-Redesigns Beta-Tester unter interessierten Kunden zu akquirieren, sodass die Verantwortlichen schnell an echtes Kunden-Feedback gelangen. Dabei sollte negatives Feedback nicht beirren, sondern als Ansatzpunkt für ein Gespräch dienen. Nur so lässt sich der Grund für die Kritik erfahren, da sie eventuell in Teilen gar nicht im Redesign begründet ist.

Im Übrigen geben Nutzer Feedback erfahrungsgemäß primär in "Zwangssituationen" ab. Sie lassen sich etwa durch das Setzen der neuen Bedienoberfläche als Standard oder das Ankündigen eines Abschalttermins für die alte GUI provozieren. In dem Zusammenhang sollten sich Softwareanbieter zudem darauf einrichten, die alte GUI nach Abschluss der Überarbeitung noch mindestens ein halbes Jahr weiter anzubieten beziehungsweise zu betreiben. (jul)

Martin Aschoff
ist Gründer und Vorstand der AGNITAS AG, die eine webbasierte Marketingsoftware entwickelt und sie als Lizenz und per SaaS anbietet.