Gedanken zu Nokias Niedergang, die Erste

Die mobile Denkfabrik  –  0 Kommentare

Wer einen Kommentar für heise Online verfasst, bekommt es mit einer Vielzahl von "Assessoren" zu tun – aufgrund der enormen Reichweite ist die genaue Prüfung notwendig, da kleinste Fehler zu scharfen Reaktionen führen können. Hier im Blog sind wir eine "geschlossene" Gemeinschaft von Handcomputerinteressierten: Kleine Fehler wie der (natürlich peinliche) Verwechsler von Earls Court und ExcelX werden hoffentlich verziehen und führen nicht zu scharfen Reaktionen seitens der besprochenen Unternehmen.

Der wichtigste Kritikpunkt an meinem Kommentar zum Thema war die "Vergrätzung von Fachautoren und Entwicklern". Dazu möchte ich exemplarisch drei Themenkreise herausbrechen, die die Situation illustrieren.

Lumia, wo bist du

Nokia versprach seinen langjährigen Entwicklern ein kostenloses Lumia. Die Mehrheit der damals in Ovi Store und Forum Nokia aktiven Programmierer wartet bis heute auf die Erfüllung dieses Versprechens.

Entwickler, nein danke

Nokia versprach seinen Entwicklern immer wieder Karten für die Nokia World in London. In den Jahren vor der Ankündigung der Zusammenarbeit mit Microsoft war das nie ein Problem – im "entscheidenden" Jahr vergaßen die Finnen viele ihrer Entwickler und langjährigen Medienpartner.

Im Zusammenspiel mit der vorher veröffentlichten Memo von Elop entstand bei den Betroffenen das Gefühl, "nicht mehr notwendig" zu sein. In Hotels in der Umgebung des Kongresszentrums sah man daraufhin Horden von Entwicklern, die die Installationsroutine des Android- oder BlackBerry-SDKs abarbeiteten.

Carbide, exekutiert

Der dritte – und aus Sicht vieler Entwickler gravierendste – "Affront" war die Eliminierung von Symbian und der dazugehörigen Entwicklungsumgebung Carbide. In der "goldenen Hochzeit" war es möglich, Qt-Anwendungen mit Carbide zu entwickeln: Das dafür notwendige Paket wurde irgendwann nicht mehr aktualisiert.

In einem späteren Update entfernte Nokia den GUI-Editor für klassische Symbian-Benutzerschnittstellen. Dieses zugegebenermaßen nie wirklich zuverlässige Werkzeug war trotz aller Bugs dem manuellen Editieren von Ressourcendateien haushoch überlegen – für viele Symbian-Entwickler war das das "Ende".

Doch damit nicht genug: In meinen Archiven lagert eine Vielzahl sehenswerter Bildmotive, die den Aufstieg und Fall des Unternehmens (und seines Partners Symbian) mit einem Gesicht versehen. Dazu morgen mehr.