Gelesen: "Eine kurze Geschichte der Menschheit"

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Der israelische Historiker Yuval Noah Harari hat ein Buch geschrieben, in dem er den Aufstieg des Homo Sapiens beschreibt, von der Urzeit bis zur Gegenwart. Das klingt zunächst nach einem spröden Geschichtsbuch. Doch das Gegenteil ist der Fall …

Yuval Noah Harari gliedert die Geschichte der Menschheit in seinem Buch "Eine kurze Geschichte der Menschheit" anhand von drei einschneidenden Veränderungen: der kognitiven Revolution vor rund 70.000 Jahren, der landwirtschaftlichen Revolution vor rund 12.000 Jahren und der wissenschaftlichen Revolution vor rund 500 Jahren.

Die kognitive Revolution führte dazu, dass der Mensch von einem unbedeutenden Tier unter vielen zu einer herausragenden Spezies wurde, die für sich die Vorherrschaft auf der Erde in Anspruch nehmen konnte. Das grundlegende Element hierfür war die Entwicklung einer abstrakten Sprache, die zu mehr in der Lage ist, als lediglich Dinge zu beschreiben, die in der physischen Welt tatsächlich existieren.

Erst das ermöglichte die Entstehung gemeinsamer Mythen, Märchen und Ideale, die dem Menschen halfen, sich in immer größeren Gruppen zusammenzuschließen. Solche gemeinsamen Vorstellungen und Überzeugungen bilden bis heute die Basis, um Millionen von Menschen unter anderem in Nationen und Religionen zu vereinen.

Die landwirtschaftliche Revolution führte dazu, dass aus Wildfängern ansässige Bauern wurden. Der Autor beschreibt den Vorgang interessanterweise nicht als Domestizierung des Weizens durch den Menschen – sondern als Domestizierung des Menschen durch den Weizen.

Er weist auch darauf hin, dass die Landwirtschaft kein Segen gewesen sei, sondern vor allem zu neuen Krankheiten, mehr Arbeit und mehr Ungerechtigkeit geführt habe. Eine Wahl hatte der Mensch aber nicht mehr, da die neue Nahrungsmittelversorgung zu einer immer weiter steigenden Population führte, sodass man nicht mehr zur Lebensweise der Jäger und Sammler zurückkehren konnte.

Die wissenschaftliche Revolution schließlich markierte den Beginn der modernen (Natur-)Wissenschaften, deren Entdeckungen und Erfindungen die Evolution bis heute immer schneller und stärker beschleunigten. Mit den aktuellen Entwicklungen, beispielsweise im Bereich der Bionik und der Genetik, steht der Mensch damit an der Schwelle, sich selbst zu Göttern zu machen.

Einen wesentlichen Aspekt im Buch nimmt der Kampf gegen die Sterblichkeit ein, der eines Tages eventuell gewonnen werden wird. Wenn dem so ist, könnte das zu einer noch nie dagewesenen Kluft zwischen Arm und Reich führen.

In Verbindung mit der Wiedererschaffung bereits ausgestorbener Arten, beispielsweise von Mammuts oder dem Neandertaler, wirken solche Zukunftsperspektiven weitaus bedrohlicher als "1984" von Geroge Orwell oder "Schöne neue Welt" von Aldous Huxley.

Harari behauptet aber nicht, dass es so kommen müsse. Sein Ziel besteht darin, den Leser zum eigenen, kritischen Denken anzuregen. Das gelingt ihm hervorragend. Das Buch ist daher ein angenehmes und notwendiges Gegengewicht zu dem technologischen Fortschrittsglauben, der in Büchern wie "Wie Elon Musk die Welt verändert" oder "Zero to One" vermittelt wird.

Obwohl "Eine kurze Geschichte der Menschheit" alles andere als ein IT-Fachbuch ist, bietet es auch für die IT interessante Denkanstöße, insbesondere in ethisch-moralischer Hinsicht. Insbesondere die Fragen zu der Zukunft von Forschung und Entwicklung werfen gerade für die IT höchst relevante Fragen auf, auf die wir dringend Antworten brauchen.

Für mich persönlich zählt "Eine kurze Geschichte der Menschheit" zu den besten Bücher, die ich je gelesen habe.

tl;dr: "Eine kurze Geschichte der Menschheit" von Yuval Noah Harari erzählt vom Aufstieg der Menschheit zur vorherrschenden Spezies, pflegt dabei aber stets einen kritischen Blick. Es ist ein in jeder Hinsicht extrem lesenswertes Buch, aus dem man viel lernen kann, und das viele spannende und interessante Fragen aufwirft.