Google und Motorola: Oder wann stirbt Microsofts Handybauer?

Die mobile Denkfabrik  –  4 Kommentare

Als Google Motorola aufkaufte, wunderte sich der eine oder andere Kenner der Materie über die Reaktion der Lizenznehmer. Der nun erfolgte Verkauf an Lenovo lässt Fragen über die anderen "neuen Super-Licensee" aufkommen.

Der Amerikaner Mike Mace kennt Samsung aus seinen Zeiten bei PalmSource gut. In seinem mittlerweile offline gegangenen Blog bezeichnete er das Unternehmen als "paranoiden Lizenznehmer", der immer von einer Übervorteilung durch die hauseigene Hardwaresparte ausgeht.

Googles Entscheidung zum Aufkauf von Motorola hat Samsung mit Sicherheit zur Weiterentwicklung von Tizen animiert, um von Google unabhängiger zu sein. Der Verkauf von Motorola an Lenovo ist den Koreanern mit Sicherheit nicht erst seit gestern bekannt. Überraschenderweise zeigt Tizen in den letzten Wochen erste Ermüdungserscheinungen wie den Verlust von DoCoMos Partnerschaft – es wäre denkbar, dass man bei Samsung auf die veränderte Konkurrenzsituation reagiert und Ressourcen aus der Vermarktung von Tizen abzieht.

Damit ist Google soweit besprochen. Zu Android gibt es im Moment nichts mehr zu sagen, weshalb wir uns der "anderen Reichshälfte" zuwenden.

Microsoft ist im Moment am Weg in die entgegengesetzte Richtung. Die Rede ist hierbei nicht vom Aufkauf der komatösen Handysparte von Nokia – die Herstellung von Windows Phones ist für Samsung ein Verlustgeschäft, das Microsoft subventionieren muss. Ein Blick auf das Surface genügt, um zu sehen, wohin die Reise geht. Dank der immer besseren Tastaturintegration taugen die Tablets als Notebookersatz – ein Frontalangriff in einen Markt, in dem Samsung und Co. nach wie vor enorme Margen erwirtschaften.

Natürlich ist es für die koreanischen Hersteller aufgrund der enormen Dominanz von Microsoft nicht leicht, auf Windows zu verzichten. Die Lebenserfahrung lehrt, dass es trotzdem dumm ist, seine (gefangenen) Partner zu terrorisieren. Wenn die Möglichkeit zu einem Befreiungsschlag kommt, wird sie mit umso mehr Freude angenommen.

Die bis vor wenigen Jahren nur für Experten brauchbaren Desktop-Unixe haben in Sachen Usability massiv aufgeholt. Außerdem sind Ubuntu und Co. aufgrund der geringeren Verbreitung sicherer: Obwohl CryptoLocker und andere auch unter Unix funktionieren würden, lohnt sich der Aufwand für Angreifer bisher nicht. Bei geschicktem Marketing könnte Samsung dieses Argument nutzen, um Nutzer zum Wechsel zu animieren. Dabei würde es nicht einmal um die Anzahl der tatsächlich wechselnden User gehen. Der Imageschaden würde mehr als ausreichen, um Microsoft einen Denkzettel zu verpassen. Schließen wir diesen Artikel mit einem alten chinesischen Fluch: May we all live in interesting times ...