Große Verunsicherung durch SAFe

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In den einschlägigen agilen Blogs (siehe etwa Ken Schwaber oder David J. Anderson) wird derzeit heiß über das Scaled Agile Framework (SAFe) diskutiert oder auch gewettert. Entwickelt wurde es von Dean Leffingwell und Kollegen. Es wird als großes (relativ kompliziert aussehendes) Schaubild dargestellt, was gut die Sprache der Manager spricht und – so wird immer wieder angemerkt – gut an den Vorläufer RUP (Rational Unified Process) anknüpft. Wie bei RUP soll sich der Anwender von SAFe aus einer Vielzahl von Angeboten seinen Prozess konfigurieren.

Letzte Woche auf der Agile-2013-Konferenz in Nashville nutzte ich die Gelegenheit, um mich direkt von Dean Leffingwell über SAFe zu informieren. Um ehrlich zu sein, war ich schockiert darüber, wie wenig er anscheinend von Agilität verstanden hat. Mehrfach betonte er "Agile is just a tool". Dabei ist Agilität alles Mögliche – ein Wertesystem, eine Kultur, eine Haltung, eine Denkweise – nur kein Tool. Natürlich kann es während eines Vortrags leicht mal passieren, dass man sich verspricht, aber Dean hatte genau diesen Satz so oft wiederholt (nach drei Wiederholungen habe ich zu zählen aufgehört), dass es sich hier meiner Ansicht nach nicht um ein Versehen handeln kann.

Diese Haltung scheint sich auch im Framework wiederzufinden, da dieses (wiederum analog zu RUP) sehr prozesslastig ist. Das Framework lässt anscheinend außer Acht, dass gerade heutzutage die gestiegene Komplexität nicht durch Prozesse zu bewältigen ist, sondern höhere Prozesslastigkeit im Gegensatz zu einer noch höheren Komplexität beiträgt. Unglücklicherweise ist die Einschätzung (oder auch die Verwendung) von Agilität als Tool einfacher, als sich damit auseinanderzusetzen, dass Agilität eine Auswirkung auf die eigene Kultur, das Wertesystem, die Haltung und Denkweise haben wird – mit welcher dann aber auch die heutigen Probleme adressiert werden können.