Impact 2012: IBMs WebSphere-Messe im Zeichen von Mobile, Cloud und Integration

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IBM operierte auf der WebSphere-Veranstaltung Impact 2012 weiterhin mit dem Schlagwort SOA. Die nächste Version des Anwendungsserver ist offenbar vor allem auf die Entwicklung mobiler Anwendungen, Cloud Computing und die Integration mit allen nur erdenklichen Anwendungen abgestimmt.

Neue offene APIs, App-Support für mobile Endgeräte und Cloud-Services sind die wesentlichen Elemente des von IBMs Software-Chef Steve Mills auf der WebSphere-Hausmesse Impact 2012 propagierten SOA 3.0. Diesem liegen eher REST-Architekturen (Representational State Transfer) zugrunde als die starren Strukturen der ersten SOA-Transformationen auf Legacy-Systemen.

IBMs Software-Chef Steve Mills (Bild: Harald Weiss)

Mills sieht RESTful-Services übrigens auch nur als eine besondere Form von SOA. "Das sind nur spezielle Erweiterungen serviceorientierter Architekturen. Deren APIs rufen ihrerseits modulare externe Services auf, die mit klassischen SOA-Techniken erstellt wurden", sagte er über diese Form der Webservices, die sich etwa bei großen Web-2.0-Applikationen von Facebook, Yahoo und Google durchgesetzt hat. "SOA hat in den vergangenen Jahren die Entwicklung und Pflege von Anwendungssoftware grundlegend verändert, doch jetzt ist es SOA selbst, das einer tiefgreifenden Transformation unterzogen wird", so Mills zu SOA 3.0.

SOA ist weiterhin das zentrale Schlagwort in der WebSphere-Welt. (Bild: Harald Weiss)

Bei den offenen APIs gibt es jetzt eine wichtige Erweiterung, um das WebSphere-Ökosystem schneller auszubauen. Mit der WebSphere Cast Iron Live Web API lassen sich Anwendungen von Drittanbietern offenbar schnell auf die WebSphere-Schiene schieben. Jerry Cuomo, IBM Fellow und CTO von WebSphere, erläuterte das anhand einer fiktiven Fluggesellschaft. Im Idealfall sind alle Informationen über SOA-Prozesse verbunden, doch damit ist externen Applikation der Zugang zu diesen Daten praktisch verwehrt. Denn Sicherheitsgründe verbieten beispielsweise den direkten Zugang einer Smartphone-App auf den Enterprise Bus.

Die Antwort hierzu sind für IBM zahlreiche APIs, die den Zugang regeln und sich von mobilen Apps aus aufrufen lassen. Im Falle der Fluggesellschaft beispielsweise für das Abrufen von Reiseplänen oder zur Verfolgung von fehlgeleiteten Gepäckstücken. Die nächste Ausgabe des WebSphere-Servers unterstützt und vereinfacht jetzt das Entwickeln solcher APIs und schafft damit die technischen und sicherheitsmäßigen Voraussetzungen für das Entwickeln mobiler Apps und von Cloud-Aufrufen. Damit sind auch externe Applikationen indirekt über SOA angebunden, was wiederum die Pflege und Administrierbarkeit der Apps vereinfacht.

Marie Wieck, Chefin für Middleware-Integration (Bild: Harald Weiss)

Was die weitere Integrationsunterstützung der internen Anwendungen angeht, schwört man bei IBM auf Bewährtes. "SOA hat sich als Fundament bewährt. Es ist einfach gutes Design und ermöglicht die schnelle Integration bislang isolierter Silos", sagte Marie Wieck, IBMs Chefin für den Bereich Middleware-Integration.

Für die Bereiche Cloud und Mobile stellte IBM die neue "Foundation for Mobile Computing" vor, die man sich als umfassende Plattform für Software und Services zum Aufbau und Betrieb mobiler Geräte und Apps vorstellen muss. Sie basiert auf den Techniken der Worklight-Übernahme, die jetzt mit IBMs Infrastruktur verbunden sind und damit Unternehmen eine Basis für alle Bereiche mobiler Applikationen bieten sollen. "Vor allem beim rasant zunehmenden Trend von BYOD (Bring Your Own Device) ist eine solche Plattform dringend erforderlich", so Wieck. Hierzu verwies sie auf eine von IBM durchgeführte Studie, wonach drei Viertel aller befragten CIOs sagten, dass "ein mobiler Arbeitsplatz die Produktivität um bis zu 20 Prozent steigern kann".

Nicht nur Software, auch Hardware

Neben diesen Software-Ankündigungen gab es erstmals auf der Impact neue Hardware zu sehen: IBMs neue Cloud-Maschine PureApplication. Das System basiert auf der Anfang April vorgestellten PureSystems-Familie, ist aber speziell für den Einsatz als Web- und Cloud-Plattform vorkonfiguriert und hardwareoptimiert. Zum Lieferumfang gehören VMwares vCenter, DB2, Smart Cloud, WebSphere und eine Reihe an Entwicklungs-, Maintenance- und Administrationswerkzeuge. Optional können IBMs Business Process Manager (BPM), Cognos Business Intelligence und Social Collaboration vorinstalliert sein.

Auch Hardware: IBMs neue Cloud-Maschine PureApplication (Bild: Harald Weiss)

Man muss sich die PureApplications-Maschine wie eine große WebSphere-Appliance vorstellen, bei der IBM von der Anwendung bis hinunter zur Hardware alles aufeinander abgestimmt und optimiert hat. Das System ist strukturell ähnlich wie andere Appliances (etwa von EMC, Greenplum oder SAPs HANA und Oracles Exadata). Allen gemeinsam ist, dass man nur wenig an der vorgegeben Hard- und Software-Installation ändern kann. Dafür aber bekommt man mehr Leistung, als wenn man alle Komponenten einzeln kauft und sie individuell konfiguriert. Obwohl das System PureApplication heißt, ist keine Anwendungssoftware installiert, hierzu gibt es aber bereits 150 Anwendungen von 125 Drittanbietern, und diese Zahl wird jetzt nach der Systemfreigabe wohl rasant ansteigen.

Fazit

Die diesjährige Impact hat mit 8500 Teilnehmern und über 1300 sogenannten Partnern erneut eine Rekordbeteiligung erzielt. Wer die Messe seit den ersten WebSphere-Tagen verfolgt hat, ist überrascht, welche zunehmende Bedeutung die Infrastruktur in der modernen IT-Welt inzwischen einnimmt. Einst war die Impact ein recht überschaubarer Tummelplatz für IT-Experten und Entwickler, doch inzwischen haben Business-Leader und -Analysten die Veranstaltung übernommen und verlangen von den IT-Experten zunehmend konkretere Aussagen über den Business-Nutzen ihrer Techniken. (ane)

Harald Weiss
ist seit über zehn Jahren freier Fachjournalist in New York und berichtet regelmäßig von vielen bedeutenden IT-Events in den USA. Er begann seine Berufslaufbahn als Softwareentwickler und System-Ingenieur, bevor er über die Stationen Marketing und PR zur schreibenden Zunft kam.