Implementation Patterns

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Kent Beck
Implementation Patterns – Der Weg zu einfacherer und kostengünstigerer Programmierung

München, Addison-Wesley 2010 (Studentenausgabe)
192 Seiten
€ 28,95
ISBN 978-3-8273-2990-5

Wer großartigen Code schreiben möchte, der möge sich Anleihe bei Kent Becks "Implementation Patterns" nehmen. Beck, als Größe in der Softwareentwicklung bekannt und auf dem Buchcover von keinem Geringeren als Erich Gamma (einem der vier aus der GoF-Riege) mit einem wohlwollenden Zitat gewürdigt, versteht es gut, den Leser mitzunehmen und den Sachverhalt anhand von 77 Patterns anschaulich darzustellen. Das Buch ist dabei kein "dicker Schinken". In weniger als 200 Seiten hat es der Autor verstanden, sein Anliegen verständlich näher zu bringen.

Klassiker der Softwareentwicklung

In der Einführung erläutert Beck, dass das Buch irgendwo zwischen "Design Patterns" (GoF-Bibel) und einem Handbuch für die Sprache Java angesiedelt ist. "Implementation Patterns" baut nämlich auf dem Becks anderem Klassiker ("Smalltalk Best Practice Patterns") aus dem letzten Jahrtausend auf. Die Einführung beschließt Beck mit einer Anleitung, wie sich das Buch lesen lässt.

Darauf wendet sich der Autor Patterns von allgemeiner Seite zu. Ehe es konkret um die unterschiedlichen Pattern-Arten geht, folgt allerdings noch ein Kapitel zur Theorie der Programmierung, in dem Beck auf Themen wie Kommunikation, Einfachheit oder Flexibilität im Zusammenhang mit Entwurfsmustern eingeht. Danach beleuchtet er kurz, warum es sinnvoll ist, Patterns einzusetzen – es geht um menschliche und ökonomische Bedürfnisse wie der Lesbarkeit und geringere Kosten der Softwareerstellung.

Die "Implementation Patterns" bekommen mehrere Kapitel, die die Bereiche Klasse, Zustand, Verhalten, Methoden und Collections behandeln. In den Abschnitten findet sich Java-Code nur selten eingestreut – vieles ist in der Prosaform dargestellt oder mit Grafiken verdeutlicht. Das letzte Kapitel geht auf die Framework-Entwicklung ein. Beck skizziert, wie sich "Implementation Patterns" ändern, wenn man Frameworks entwickelt. Der Leser erfährt, dass Programmierer für die Framework-Entwicklung andere "Implementaton Patterns" als für die Anwendungsentwicklung benötigen.

Im Anhang behandelt Beck das Thema Laufzeitmessung. Er illustriert das am Beispiel einer Collection. Das ist dann der Ort, an dem viel Beispielcode zum Einsatz kommt. Das Werk schließt mit einer Auflistung von Softwareentwicklungsbüchern, die dem Autor lehrreich erscheinen (selbstredend, dass auch einige der in dieser Serie "Klassiker der Softwareentwicklung" vorgestellten Werke von der Partie sind).

"Implementation Patterns" ist kein einfaches Buch – zu Recht ist es auf der Buchrückseite für Profis ausgewiesen. Wer jedoch mit der Sprache Java vertraut ist, wird aus dem wahrlich nicht dicken Werk viel für die eigene Softwareentwicklung herausholen. Mit Fug und Recht reiht sich das Werk in die Reihe der Softwareentwicklungsklassiker ein. Eine Empfehlung für den Praktiker wie für den Informatikstudenten sei hiermit ausdrücklich ausgesprochen. (Karsten Kisser / ane)