Implementierung von Lizenzmodellen in .NET, Teil 1

Anwendertypen, Angemessenheit

Sind Lizenzen notwendig?

Die Frage, ob Lizenzen nötig sind, taucht gleichzeitig mit den Überlegungen zu Lizenzen und Lizenzmodellen auf. Abbildung 1 hat schon einen kurzen Einblick dazu gegeben. In der Regel sind für die nicht rot markierten Kategorien zwar Lizenzen erforderlich, es reicht aber aus, sie der Software beizulegen. Andere technische Maßnahmen oder Einschränkungen, beispielsweise um sicherzustellen, dass tatsächlich eine gültige Lizenz vorhanden ist, sind nicht erforderlich.

Im kommerziellen Bereich sieht das beileibe ganz anders aus. Hier lautet das Motto schlicht: Geld verdienen. Viele Geschäftsmodelle basieren ausschließlich oder zu einem großen Teil darauf, Lizenzen für eine Software zu verkaufen. Zum einen, um direkt Umsatz zu generieren, zum anderen um Dienstleistungen für die Software zu verkaufen. Wie gut derartige Businessmodelle in Zukunft noch funktionieren werden, muss sich zeigen. Produkte zu verkaufen, die ohne viel Aufwand kopierbar sind, fällt allerdings recht schwer. Viele Hersteller haben die Erfahrung schon machen müssen.

Im Jahr 2011 brachte die Software Alliance eine weltweite Studie heraus, in der sie globale Zahlen zur Softwarepiraterie veröffentliche. Ihr zufolge liegt der weltweite Anteil der Benutzer, die Raubkopien verwenden, bei 42 Prozent. Vier von zehn Anwendern nutzen demnach illegale Kopien von Softwareanwendungen. Für Westeuropa liegt der Anteil der Studie noch bei 32 Prozent. Für Zentral- und Osteuropa werden gar 62 Prozent angegeben. Erschreckende Zahlen, die zeigen, wie weitverbreitet der Einsatz von nicht oder nur unzureichend lizenzierten Softwareprodukten ist.

Allerdings beschreibt das nur den technischen Hintergrund von Lizenzen. Wie erwähnt, gibt es darüber hinaus eine organisatorische Sichtweise. Dazu gehört auch die Berücksichtigung unterschiedlicher Anwendertypen, die mit der zu lizenzierenden Software in Kontakt kommen. Damit ist gemeint, wie die (potenziellen) Anwender zu kommerzieller Software beziehungsweise zu bestimmten Lizenzmodellen stehen. Oft ist auch die Einstellung zu Lizenzen und Software an sich entscheidend. Es gibt auf der einen Seite das Extrem der immer braven Anwender, die nicht einmal illegal kopieren, wenn es einfach ist. Und es gibt das andere Extrem von Anwendern, die kein Problem damit haben, einen größeren Aufwand zu betreiben, um eine Software kostenfrei nutzen zu können.

App-Stores zeigen eine große Bandbreite von Anwendertypen. Viele sind beispielsweise nicht dazu bereit, selbst einen kleinen Betrag für eine App auszugeben, wenn es eine Light-Version gibt. Selbst dann nicht, wenn die volle Version der Anwendung nützliche Features mitbringt oder die in der Light-Version enthaltende Werbung störend ist. Das Unterscheiden zwischen digitalen und realen Gütern ist bei vielen Menschen noch immer sehr stark.

Anwendertypen

Abbildung 2 zeigt ein Diagramm mit verschiedenen Anwenderkategorien. Die prozentuale Verteilung ist in dem Fall nicht relevant, da nur die Kategorien visualisiert werden sollen. Ganz davon abgesehen, dass eine Verallgemeinerung der Verteilung schwierig ist, da sie natürlich auch von der Anwendung und der Zielgruppe abhängt. Alle Anwender haben eine andere Intention, wenn es darum geht, eine Anwendung zu kaufen. Geld verdient wird mit der in grün dargestellten Gruppe "Software ist ihr Geld wert" und mit der orangen "Zahle aus Angst". Im ersteren Fall ist das sicherlich positiv, im letzten vielleicht nicht ganz so erfreulich. Die anderen drei Gruppen sind nicht bereit, Geld auf den Tisch zu legen. Und in der Regel wird das die größere Gruppe potenzieller Anwender und Anwenderinnen sein.

Unterschiedliche Anwendertypen und deren Einstellung zu kommerzieller Software (Abb. 2)


Mögliche Käufer und Käuferinnen der gelben (Software ist zu teuer) und der blauen (Software hat keinen Nutzen) Kategorie lassen sich durch ein Lizenzmodell schwer zu einem Kauf verleiten. Personen aus der blauen Kategorie können vielleicht noch über neue Features, Fehlerbehebungen oder sonstige Anpassungen der Software zu einem Kauf bewogen werden. Empfinden sie die Software allerdings als zu teuer, muss sich das Kosten-Nutzen-Verhältnis schon sehr stark ändern, um die Meinung noch zu ändern. Meistens gelingt das nur über viele Versionen hinweg und nicht von heute auf morgen.

Die graue Kategorie "Raubkopie ist einfach zu bekommen" ist allerdings genau die Zielgruppe für Softwarelizenzen. Denn hier lässt sich durch ein gutes Lizenzmodell viel herausholen. Zumindest wenn die Anwender Potenzial in der Software erkennen und die Software nicht nur nutzen, weil sie kostenfrei zur Verfügung steht und die eigentlich in Anwenderaugen bessere Software nicht oder nicht so leicht zu kopieren ist.

Angemessenheit und Sicherheit

Das Thema Angemessenheit ist dabei in allen Überlegungen zum Thema Lizenzmodelle und Lizenzierung immens wichtig. Sicherheit lässt sich in der Regel nur auf Kosten des Komforts erreichen. So auch beim Thema Lizenzierung. Ein ausgeklügeltes, mehrfach abgesichertes Lizenzkonzept verlangt dem Anwender nicht selten ein paar Einschränkungen oder Klimmzüge ab. Ständiges Aktivieren, die Eingabe von ellenlangen Schlüsseln oder das Hantieren mit verschiedenen Lizenzdateien sind hier nur einige bekannte Bespiele. Doch auch das kann Anwender vergraulen.

Oft wird das Thema Sicherheit aber auch unverhältnismäßig behandelt. In dem Fall investieren Entwickler viel Geld, Zeit und Mühen, um eine Software bestmöglich abzusichern, nur um dann recht schnell festzustellen, dass der betreffende Schutz doch deutlich schneller geknackt werden konnte als gedacht. Besonders die Spielebranche ist immer wieder mit einer derartigen Situation konfrontiert. Gerade wenn Lizenzierungen auf externe Daten angewiesen sind, ein Datum etwa, geht es vergleichsweise schnell, bis jemand versucht, einen Umweg zu gehen. Auch Sprachen, die eine Zwischensprache erzeugen, sind prädestiniert dafür, dass ab einem gewissen Bekanntheitsgrad der Software jemand nachschaut, ob im Code nicht etwas Interessantes verborgen ist.

Daher gilt auch beim Thema Lizenzen: Sicherheit ist eine Illusion und das Versprechen 100-prozentiger Sicherheit eine Lüge. Die Angemessenheit beim Einsatz von Sicherungsmaßen darf daher niemals aus den Augen gelassen werden. Oder um noch einmal auf die Spielebranche zurückzukommen: Auch die dauerhafte Verbindung zum Server ist mittlerweile ein nicht mehr allzu großes Hindernis, vergrault aber zusehends die ehrliche Käuferschaft und geht regelmäßig nach Hinten los.