Internet Explorer 9 Beta: volle Aufmerksamkeit auf die Website

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Am 15. September erschien die Beta-Version des Internet Explorer 9 (IE9). Sie gewährt erstmals einen Blick auf die neue Benutzeroberfläche des Browsers, die zahlreiche Neuerungen mit sich bringt und dem Motto folgt, das Microsoft-Evangelist Daniel Melanchthon bei der Präsentation in Hamburg auf den Punkt brachte: "Der Browser soll sich nicht so wichtig nehmen. Im Mittelpunkt steht das, was wirklich wichtig ist – die Internetseite."

Im März 2010 veröffentlichte Microsoft die erste "Platform Preview" des IE9, eine Vorschauversion mit reduzierter Benutzeroberfläche, die Entwicklern einen ersten Eindruck des neuen Browsers vermitteln sollte und einige der neuen Funktionen demonstrierte. Alle sechs bis sieben Wochen folgten weitere Vorschauversionen, mit denen Microsoft sich Schritt für Schritt dem fertigen Browser annäherte. Parallel dazu stellten die Entwickler die Test-Drive-Website mit einigen Dutzend zum Teil beeindruckenden Demos sowie mit dem Internet Explorer Testing Center eine umfangreiche Testsuite bereit, die den Fortschritt demonstrieren und dokumentieren sollen.

Den Browser gibt es auf der offiziellen IE9-Website zum Download. An den oft kritisierten Systemanforderungen hat sich mit der Beta nichts geändert: Da der IE9 für die Darstellung von Grafiken und Text die Direct2D-Schnittstelle nutzt, die mit Windows Vista eingeführt wurde, ist mindestens Windows Vista SP2 oder Windows 7 für den Einsatz erforderlich – Nutzer älterer Windows-Versionen bleiben außen vor. Anders als die Platform Previews lässt sich die Beta nicht parallel zum IE8 installieren, sondern ersetzt diesen.

Die Benutzeroberfläche des IE9 beschränkt sich auf das Wesentliche (Abb. 1).

Die Benutzeroberfläche ist übersichtlich und aufgeräumt. Der Browser hat sich aller Symbolleisten entledigt; wer auf die Favoriten- oder Statusleiste nicht verzichten möchte, muss sie explizit wieder aktivieren. Auf eine separate Suchleiste haben die IE-Entwickler verzichtet und sie stattdessen – wie von Googles Chrome bekannt – zusammen mit der Adressenleiste in eine "kombinierte Eingabeleiste" integriert. Die ist deutlich schmaler als bei Googles Browser, um Platz zu schaffen für die Tabs, die rechts daneben angeordnet sind und bei Microsoft "Registerkarten" heißen.

Websites als Applikationen samt Logo und Farbschema (Abb. 2)

Nutzer können die Karten aus der Registerleiste herausziehen, um eine neue Instanz des Browsers zu öffnen. Damit folgt Microsoft dem Verhalten der Konkurrenz, geht aber einige Schritte weiter: Das Fenster bleibt beim Ziehen und Ablegen in Originalgröße; die Website wird ohne Unterbrechung weiter dargestellt. Dadurch lassen sich auch Videos beim Ziehen der Registerkarte weiter abspielen, ohne dass es zu Verzögerungen kommt.

Die Navigationselemente müssen Webentwickler selbst anlegen (Abb. 3 ).

Eine echte Neuerung ist es, die Website an der Windows-Taskleiste oder im Startmenü anzuheften. Dazu müssen Nutzer die Registerkarte an die gewünschte Stelle der Taskleiste oder auf die Start-Schaltfläche ziehen. Das Ergebnis lässt sich sehen: Die Websites wirken wie herkömmliche Programme samt eigenem, aus dem Favicon abgeleitetem Logo, passendem Farbschema und zusätzlichen Navigationselementen (siehe Abb. 2 und 3).

Microsoft hat einige neue Werte für das name-Attribut von Meta-Elementen eingeführt, über die Webentwickler das Aussehen und Verhalten angehefteter Website bestimmen können. Die Tabelle 1 zeigt diese Werte.

Wert Beschreibung
application-name Name der Website. Fehlt diese Angabe, wird der Inhalt des title-Elements verwendet.
msapplication-tooltip Tooltipp, der angezeigt wird, wenn der Nutzer das Icon mit der Maus berührt.
msapplication-starturl Homepage der Website. Fehlt diese Angabe, wird angeheftete Seite als Homepage verwendet.
msapplication-navbutton-color Farbe der Vor- und Zurück-Schaltflächen, die sonst auf Basis des Favicons ermittelt wird.
msapplication-window Fenstergröße der angehefteten Webseite, mindestens 800 x 600 Pixel.
msapplication-task Name, URI und Icon eines Navigationselements. Es sind bis zu fünf Elemente erlaubt.

Das folgende Listing zeigt wiederum deren Einsatz am Beispiel der Facebook-Website. Alternativ steht eine JavaScript-API zur Verfügung.

<meta name="application-name" content="Facebook"/>
<meta name="msapplication-tooltip" content="Start the Facebook App"/>
<meta name="msapplication-starturl" content="/"/>
<meta name="msapplication-window" content="width=800;height=600"/>
<meta name="msapplication-task"
content="name=Nachrichten;action-uri=/home.php?sk=
nf;icon-uri=/images/icons/app/news.ico"/>
<meta name="msapplication-task"
content="name=Nachrichten;action-uri=/home.php?sk=
inbox;icon-uri=/images/icons/app/messages.ico"/>
<meta name="msapplication-task"
content="name=Veranstaltungen;action-uri=/home.php?sk=
events;icon-uri=/images/icons/app/events.ico"/>
<meta name="msapplication-task"
content="name=Freunde;action-uri=/home.php?sk=
ru;icon-uri=/images/icons/app/friends.ico"/>

Es besteht kein Zweifel daran, dass die IE-Entwickler mit dem Schnellzugriff auf häufig verwendete Websites eine nützliche Funktion geschaffen haben, allerdings lässt sich darüber streiten, ob die technische Umsetzung gelungen ist. Kroc Camen ist nicht der Ansicht und schlägt in seinem Artikel "Microsoft, Please Stop This Madness" eine deutlich elegantere Lösung vor, die auf das HTML5-Element menu setzt.