JUGC-Event: Struts 2, Gradle, Rock Star Programmers, JSF 2 im Fokus

Veranstaltungsberichte  –  Kommentare

Fast schon eine kleine Konferenz war die Veranstaltung der Java User Group Cologne (JUGC), zu der sie am 20. April in die Kölner IBM-Niederlassung geladen hatte. Rund 100 Zuhörer folgten den insgesamt sieben Vorträgen zu Themen wie Extreme Programming, Gradle, Struts 2.1 und JavaServer Faces (JSF).

Den Auftakt machten zwei fünfminütige Lightning Talks. Stefan Lieser, Co-Iniatator der Anfang des Jahres gestarteten "Clean Code Developer"-Initiative, brachte den Teilnehmern die Prinzipien des professionellen Programmierens näher. Ein Clean Code Developer versucht, möglichst gut zu programmieren. Er betonte die Rolle von Werkzeugen wie Versionskontrollsystemen, Techniken wie Testen und Automatisieren sowie Faustregeln wie dem durch Ruby on Rails bekannt gewordenen "Don't repeat yourself". Es gibt sieben definierte Entwicklungsstufen – vom Clean-Code-Developer-Interessent bis zum "weißen 6. Grad", der alle Prinzipien, Regeln und Praktiken des Wertesystems der Initiative vereint.

Den zweiten Lightning Talk hielt Christian Frei zur Schweizer Java-Entwicklerkonferenz Jazoon, deren Organistion er leitet. Sie findet vom 23. bis 25. Juni in Zürich statt. Im letzten Jahr kamen 860 Teilnehmer aus 37 Ländern, was die Jazoon zu einer der großen europäischen Software-Konferenzen macht und sicherlich Grund dafür ist, dass sie auch dieses Jahr viele bekannte Referenten anzieht.

Den ersten längeren Vortrag des Abends hielt Hans Dockter zum Groovy-Build-System Gradle, das ähnlich wie Ant funktioniert und Apaches Dependency-Management-Software Ivy verwendet. Ein automatisierter Build ist mit den gängigen Frameworks nur schwierig zu lösen. An diesem Punkt möchte Gradle ansetzen. Es kann Maven-Repositories nutzen und eignet sich deshalb als Ersatz für Maven. Denn anders als jenes kann man Gradle mit Groovy recht einfach an eigene Wünsche anpassen. Maven gilt eher als unflexibel und lässt sich nur durch Plug-ins modifizieren.

Neal Ford verfügt als Softwarearchitekt bei ToughtWorks über eine Menge Praxiserfahrung und ist vielen als Autor des Buchs "The Productive Programmer" bekannt. Als geeigneter Kandidat für den Vortrag zum Thema "Extreme Programming" ging er auf die vier XP-Aspekte verbesserte Kommunikation, Suche nach Einfachheit, kontinuierliches Feedback und Mut ein. Ford zeigte ihre Relevanz auf und wie sie ineinander greifen – angefangen beim direkten Review durch Pair Programming über kurze Iterationen bis hin zur Zeitplanung von großen Projekten. Der Softwarearchitekt stellte zudem Beispiele für Pair Programming vor, so die Ping-Pong-Variante, bei der ein Programmierer einen Testfall erstellt, den der andere Programmierer erfüllen muss. Dieser erstellt wiederum einen Test, wodurch sich ein Rhythmus und ein interessantes Zusammenspiel ergibt. Zudem verdeutlichte er, wie wichtig die Rotation in Teams ist und dass Tests einen Großteil der Dokumentation ausmachen können. Genaue Zeitschätzungen von Software sind hingegen nicht einfach zu realisieren, aber durch Statistiken, die Entwickler von Beginn an sammeln, kommt man mit fortschreitendem Projekt zu immer besseren Schätzungen.

Die Mitglieder des Struts 2 Project Management Committee (PMC) René Gielen und Rainer Hermanns präsentierten als Nächstes die neuen Features der kürzlich veröffentlichten zweiten Struts 2 Major Release. Struts 2 ist kein reines Web-Framework mehr, sondern bietet durch seine Plug-in-Architektur weitere Funktionen. Die Darstellung geht weit über JavaServer Pages (JSPs) hinaus und unterstützt weitere Ausgabeformate der Produkte Freemarker, Velocity, GWT, JasperReports, Google XML Pages und Adobe Flex. Wichtige Fähigkeiten sind des Weiteren Dependency Injection, Validierung, Internationalisierung und Typ-Konvertierung. In letzter Zeit haben die Entwickler intensiv an der Konfiguration mit Annotations gearbeitet, um die oft ungeliebten XML-Konfigurationen möglichst weit zu reduzieren. Auf der Roadmap für die Version 2.2 stehen die Integration von Bean Validation (JSR 303) und des JavaScript-Frameworks jQuery.

Der nächste Referent, Ed Burns, ist Autor des Buchs "Secrets of the Rock Star Programmers" und zudem JSF Specification Lead. Er hat auf Konferenzen beobachtet, dass er immer die gleichen Personen trifft und sich Gedanken darüber gemacht, warum das so ist. Durch Interviews mit diesen sogennanten Rock Stars ist er einerseits auf Charaktereigenschaften wie großes Selbstvertrauen und Gespür für Trends gestoßen, andererseits hebt er auch das Vermögen, das Entscheidende aus der Informationsflut herauszufiltern, hervor. Im Anschluss berichtete Burns in seiner Rolle als Specification Lead über die Fortschritte der JSF-2.0-Spezifikation.

Der JUGC-Abend war hochwertig präsentiert. Die Teilnehmer honorierten das und blieben fast vollständig, bis das Licht am späten Abend gelöscht wurde. Anschließend führten Vortragende und Besucher den Event in lokaler Gastronomie bis 2 Uhr fort. Neben intensiven Technikgesprächen war auch die anstehende Sun-Übernahme durch Oracle ein Thema, das Ed Burns spannend analysierte.

Der nächste Vortragsabend am 29. Mai führt René Gielen und Rainer Hermanns in Form eines "Web-Framework Shootouts" mit zwei bekannten Gestalten aus dem JSF-Lager, Matthias Wessendorf und Bernd Bohmann, beide MyFaces PMC, zusammen. (ane)