Java 9 Recipes

Das Buch hat nicht den Anspruch, eine Referenz für Java-9-Neuerungen zu sein. Viel mehr möchte Josh Juneau Problemstellungen mit Lösungsansätzen für Java-Programmierer zu fast allen Aspekten der Sprache bieten.

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Java 9 Recipes
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Josh Juneau

Java 9 Recipes – A Problem-Solution Approach

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apress, 2017
L + 626 Seiten, 44,99 US-Dollar
ISBN 978-1-4842-1975-1

Josh Juneaus Buch erschien in der mittlerweile dritten Auflage vor der Veröffentlichung der finalen Version von Java 9. Das Buch liefert nicht nur Rezepte zu den Neuerungen von Java 9, sondern schleppt auch die Geschichte der Versionen 7 und 8 mit sich, die sich auch in teilweise veralteten Screenshots zeigt.

Juneaus Anspruch besteht jedoch darin, Problemstellungen mit Lösungsansätzen für die gesamte Sprache aufzuzeigen. Da gibt es freilich einiges, was seit vielen Versionen unverändert ist. Daher sind die älteren Screenshots zwar nicht schön, spielen in der Sache jedoch keine Rolle.

All seine Rezepte folgen dem Muster "Problem – Lösung – Erklärung". Dabei darf man den Terminus Problem nicht im eigentlichen Sinne als "schwere Aufgabenstellung" verstehen, denn es handelt sich überwiegend um einfache Fragestellungen. Da es davon jedoch viele gibt, deckt das Buch tatsächlich alle wesentlichen Aspekte der Sprache ab. Mehr noch: Beispielsweise mit JavaFX, JSF, JSON, JDBC oder JavaMail geht der Autor teilweise deutlich über den Umfang von Java SE hinaus.

Er startet jedoch mit den grundlegenden Fragestellungen nach Download und Installation der Sprache und Entwicklungsumgebung, denn der Autor hat den Anspruch, dass sein Buch nicht nur ein Nachschlagewerk ist, sondern Anfängern zudem den Start in die Programmiersprache ermöglicht. Dabei ist zu beachten, dass es sich nicht um eine Einführung in die Programmierung handelt. Wer eine andere Programmiersprache beherrscht und in Java einsteigen möchte, mag mit dem Buch gut bedient sein. Wer jedoch programmieren lernen möchte, sollte zu einem Buch greifen, dass das Basiswissen dazu vermittelt.

Nach den Grundlagen bespricht Juneau im zweiten Kapitel die Java-9-Erweiterungen. Dazu fasst er die Neuerungen prominent zusammen. Thematisch "richtig" einsortiert findet der Leser sie dagegen weniger. Beispielsweise enthält das Kapitel zu Lambdas und Streams noch keine der Java-9-Erweiterungen, sondern lediglich den Hinweis auf das zweite Kapitel. Ausnahme ist das Thema der Modularisierung, das als einzige Neuerung ein eigenes Kapitel am Ende des Buchs erhalten hat.

Dazwischen thematisiert der Autor Sprachelemente wie Strings, Zahlen und Datum. Er geht auf die Objektorientierung ein, bespricht Nebenläufigkeit, Ausnahmebehandlung, Debuggen und vieles mehr. Doch es gibt auch Dinge, die Juneau unterschlägt: Unter anderem erwähnt er die grafische Oberfläche Swing mehrfach, erläutert sie allerdings nicht. Er zeigt lediglich, wie Entwickler Swing-Elemente in JavaFX nutzen können und bietet damit Hilfestellung bei der Migration von einer Client-Oberflächentechnik zur anderen. Für Webapplikationen erläutert er JSF als Nutzerinterface. Kommunikation thematisiert er ebenfalls – zum einen durch die ausführliche Behandlung von Austauschformaten wie JSON und XML, zum anderen im Kapitel Networking.

Diese noch recht unvollständige Zusammenfassung des Buchinhalts vermag dem Leser einen Eindruck von der thematischen Breite vermitteln, die Juneau in seinem Buch behandelt. Nebenher führt er das ein oder andere Entwurfsmuster ein beziehungsweise zeigt an manchen Stellen, wie sich bestimmte Muster in Java implementieren lassen.

Zahlreiche thematisch gegliederte Fragestellungen mit passenden Beispielen bilden eine Art Nachschlagewerk, in dem Entwickler Musterlösungen für ihre Aufgaben finden. Ob das Buch zum Erlernen von Java geeignet ist, bezweifelt der Rezensent, und für den altgedienten Java-Profi bietet es zu wenig Neues. Doch für die vielen Entwickler zwischen den beiden Extremen stellt "Java 9 Recipes" eine Sammlung wertvoller Tipps bereit. Es ist weniger zum Lesen von vorn bis hinten geeignet als zum Auffinden einer Lösung für ein konkretes Problem. (rme)

Michael Müller
ist als Bereichsleiter Softwareentwicklung der InEK GmbH verantwortlich für Projekte im Web-, Java- und .NET-Umfeld. Daneben betätigt er sich als freier Autor und verfasst Fachartikel zu diversen Entwicklungsthemen sowie Buchrezensionen.

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