LKCE 2013: Lean Kanban bleibt spannende Bewegung

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Auf der Konferenz Lean Kanban Central Europe Anfang November war erneut zu beobachten, dass sich die Community weiter von der reinen Prozessmechanik wegbewegt hat und stattdessen mehr die Gestaltung von Veränderungsprozessen und wissenschaftliche Grundlagen der Produktentwicklung im Vordergrund stehen.

Einführende Vorträge wurden auf der zum dritten Mal ausgerichteten Lean Kanban Central Europe kaum noch angeboten. Die Einarbeitung in das Thema geschieht inzwischen im Wesentlichen über Bücher und Trainings. Eines der bestimmenden Themen der Konferenz war aber dann der Wandel im Unternehmen ("Change"). Hier steht die eigentliche Methode Kanban lediglich als Katalysator im Hintergrund.

Betrachtet wurde hingegen, wie sich Prozesse von Kanban erfassen und nachhaltig ändern lassen. Dabei stand der Wandel über einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess hin zum lernenden Unternehmen im Mittelpunkt. Ziel ist hier wiederum die stete Wandlungsfähigkeit des Unternehmens, um jederzeit kleine, evolutionäre oder, wenn in Ausnahmesituationen benötigt, auch größere Änderungen aktiv und selbstgesteuert vollziehen zu können. Das sichert die Überlebensfähigkeit des Unternehmens über Krisen und Marktveränderungen hinweg.

Ein weiterer Themenschwerpunkt war der Umgang mit Unsicherheit und hier vor allem der Umgang mit Komplexität, also dem Handeln in einem Problemraum, in dem konkrete Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge nicht gegeben sind. So wurden die Erkenntnisse aus der Komplexitätstheorie – führend durch Dave Snowdens Cynefin Framework – fortwährend auf das Management bezogen und daraus Prinzipien für ebendieses abgeleitet. Ebenfalls wiederholt ins Spiel gebracht wurden die Unsicherheit und der Einfluss menschlicher Schwächen bei Entscheidungen, wie sie etwa Daniel Kahneman in seinem Bestseller "Schnelles Denken, Langsames Denken" darstellt. Hieraus folgt ganz abstrakt, dass man nur bei wenigen Entscheidungen Gewissheit hat und dementsprechend auch hier anhand der Erkenntnisse von Komplexität arbeiten sollte. Darüber hinaus wurden auch die Ergebnisse von Nassim N. Taleb aus seinen Büchern "Der Schwarze Schwan" und "Anti-Fragil", in denen er die Konsequenzen falsch eingeschätzter Komplexität untersucht, zitiert und angewendet.

Modernes Kanban

Insgesamt wurde Kanban am ehesten als auf Werten beruhend dargestellt. Es stellt sich als eine umfassende zeitgemäße Managementmethode der neuen Generation dar. Dabei zeigen sich seine Anhänger offen für neue Einflüsse. Kanban lenkt zunehmend den Blick über das "Wie" (Prozess und Effizienz) hinaus zum "Was" ("Das Richtige machen") und "Warum" (Strategie und Zweck).

Darüber hinaus ist es Kanban in der Tradition der ursprünglichen Lean-Lehre wichtig, modernes Management stets im tiefen Respekt vor den Menschen zu sehen. Dieser neuen Interpretation folgend werden einige der Lean-Kanban-Events, etwa in den USA, in "Modern Management Methods" umbenannt. Durch das öffnende Programm stellt die Community sicher, stets neuen Einflüssen gegenüber aufgeschlossen zu bleiben und das Spektrum um bereichernde Ansätze zu erweitern. Lean Kanban bleibt eine offene Bewegung, und damit ist deren fortwährende Beobachtung weiter spannend.

Fazit

Ein Highlight der in Hamburg ausgerichteten Konferenz waren die vielen hochklassigen, konzentrierten und kondensierten Kurzvorträge, die jeweils im voll besetzten Hauptsaal nach den Keynotes angeboten wurden: Diese wurden teilweise sogar mit Zwischenapplaus bedacht.

Die dritte Auflage der Konferenz war routiniert und gut organisiert. ohne dass dabei die Liebe zum Detail fehlte. Sicherlich bleibt es spannend, auch die nächste Ausgabe der Konferenz näher zu betrachten. (ane)

Markus Andrezak
ist Mitgründer und Geschäftsführender Gesellschafter von Überproduct GmbH, einem Innovations- und Produktlabor zum Mieten. Er beschäftigt sich mit kundenzentriertem Lean Product Development und zeigt Firmen, wie sie Produkte entwickeln können, die Kundenbegeisterung auslösen.

Siehe dazu auch:

  • Jim Benson im Interview zu Personal Kanban "Wissensarbeit ist unsichtbar"