Licht und Schatten im Hause Mozilla – oder: Open-Source-Apps auf Zwang

Die mobile Denkfabrik  –  3 Kommentare

Telefonica liefert in Spanien das ZTE Open mit Firefox OS aus – das 70 Euro kostende Smartphone verkauft sich (nicht zuletzt aufgrund der mitgelieferten 30 Euro Guthaben) im durch die Wirtschaftskrise gebeutelten Land wie Schnittbrot. Der britische Guardian berichtet sogar von Schlangen wartender Kunden.

Umso wichtiger ist es, dass der Store so bald wie möglich gut gefüllt ist. Dazu ist ein sauber funktionierendes QA-System von eminenter Bedeutung. Das Unternehmen des Autors lieferte eine Applikation für das Betriebssystem aus – das harmlose Programm basierte auf dem als sicher bekannten Framework Enjo und wurde mit Obfuscator vor fremden Augen geschützt.

Einige Tage nach dem Upload in den QA-Prozess erhielten wir folgende E-Mail:

A Firefox Marketplace Reviewer requested further information from you regarding your App.

App: XXX free beta
URL: https://marketplace.firefox.com/app/XXX

XY wrote:

Hi,
can you send us readable source code for app.js file – most of it is reformatted and semi-difficult to read, but there are sections encoded as unicode escaped characters,
thanks

Please reply to this email to supply the information requested.

Nach dem Zurverfügungstellen der Datei dauerte der Prozess wochenlang. Besonders ärgerlich ist, dass ein Neu-Upload einer Binärdatei das Programm wieder ganz nach hinten schiebt – das ist ein nervendes Problem.

Zum derzeitigen Zeitpunkt ist nicht nachvollziehbar, ob Mozilla den Quellcode jeder App analysiert. Wenn ja, so würde dies den enorm langsamen Qualitätssicherungsprozess erklären. Trotzdem bleibt beim Entwickler ein schaler Nachgeschmack: Den Code der hauseigenen Applikation teilt man eben nur sehr ungern mit Dritten.

Ein nettes Feature des Backends ist, dass es eingehende Rezensionen automatisch per E-Mail an den für das Produkt zuständigen Entwickler sendet. Dadurch entfällt das bei anderen Stores notwendige permanente Checken der Bewertungsliste.

Positiv ist auch, dass die Assessoren ihre Bewertungen stets mit vollem Namen unterschreiben. Daraus folgt, dass "wanton acts of defiance" der oft schlecht bezahlten Tester nur sehr selten auftreten – die Kommunikation mit dem Team des Stores war während der gesamten Testzeit ausgesprochen höflich und freundlich.

Aus Sicht der Tamoggemon Holding k.s. war die Auslieferung des Produkts ein reiner Test des Wassers. Mit Firefox OS ist nicht zuletzt aufgrund der fehlenden Monetarisierungslösung (derzeit) noch kein Geld zu verdienen. Somit ist die Langsamkeit des QA-Prozesses kein wirkliches Problem: Selbst slowakische Privatbanken weigern sich, den Betrag von 0 als wirksame Gutschrift anzuerkennen. Aus diesem Grund ist es völlig egal, wann die Applikation online geht ...

Das Problem mit dem zwangsweisen Offenlegen des Quellcodes ist ein Ärgernis, das bei Produkten mit wertvollem geistigen Eigentum als Showstopper auftritt. Der Autor hätte enorme Bauchschmerzen, wertvolle Algorithmen (Stichwort Bildbearbeitung) für Firefox OS anzubieten – die zwangsweise Offenlegung gegenüber Mozilla sorgt für zusätzliche Unzufriedenheit.

Wie sind ihre bisherigen Erfahrungen mit dem Applikations-Store und dem dahinter stehenden Ökosystem?

PS: Falls Sie die App ausprobieren möchten – der Text Editor steht hier zum Download bereit. Er ist absolut harmlos ... und rechtfertigt zumindest nach Ansicht des mit der internen Architektur vertrauten Autor den besonderen Aufwand nicht.