Literaturübersicht zu iOS-Programmierbüchern

Literaturübersicht III

Jonathan "NerveGas" Zdziarski ist der Community als ausgewiesener Experte für Sicherheitsfragen rund um iOS bekannt, und veröffentlichte auch zahlreiche Titel zur die iOS-Programmierung. Während gewöhnliche Werke zum Thema ihren Fokus auf das Erlernen der Sprachfeatures und den adäquaten Umgang mit dem iOS-SDK legen, will Zdziarski mit "Hacking and Securing iOS Applications" den Blick auf Sicherheitslücken und mögliche Probleme beim Umgang mit iOS legen. Man stelle sich vor, eine App aus dem firmeninternen App-Store landet auf einem gejailbreakten iOS-Gerät, und wichtige Firmendaten kommen abhanden – spätestens dann wird die unangenehme Frage gestellt, warum denn die App die für Jailbreaks wichtige Cydia-Plattform nicht erkannt hat.

Jonathan Zdziarski
Hacking and Securing iOS Applications
O'Reily, 2012
ISBN 978-1-449-31874-1
338 Seiten, 39,99 US-Dollar

Mit Zdziarskis Arbeit sollen Entwickler lernen, solche und ähnliche Bedrohungen zu verhindern. Das setzt jedoch voraus, dass man über sattelfeste iOS-Programmiererfahrung verfügt, um sinnvolle Erkenntnisse für die eigene Arbeit gewinnen zu können. Dafür geht das Buch weit über das schlichte Erkennen eines iOS-Geräts mit Jailbreak hinaus, wie die Themen zu "Decrypting the Keychain" oder "Payload als Shared Object für Objective-C" belegen. Auch gute UNIX-Kenntnisse und ein selbstverständlicher Umgang mit dem Terminal sind unerlässlich. Inhaltlich gehört Zdziarskis Werk damit nicht zu den Büchern, die man mal so nebenbei liest.

Daniel H. Steinberg, Ercíc T. Freeman
iPad-Programmierung
O'Reilly, 2011
ISBN 978-3-8972-578-8
256 Seiten, 34,90 Euro

Nun ist die iPhone-Programmierung im Allgemeinen das eine, heutzutage sind jedoch auch Plus-Apps gefragt, universelle Anwendungen für das iPhone und das iPad gleichermaßen. Hierzu gibt es entsprechende Literatur, etwa Lars Schultens Übersetzung "iPad-Programmierung" der beiden Autoren Steinberg und Freeman (im Original bei den Pragmatic Programmers erschienen. Die deutsche Übersetzung ist über O'Reilly erhältlich und lässt sich gut lesen. Neben Grundlagen wie der Abgrenzung zwischen iPhone, iPad, iPod und Laptop und weiteren Details für Entwickler (sogar der Eurobetrag für die Developer-Lizenz ist angegeben), geht es in dem Titel um die angesprochenen Universal-Apps. Handwerkszeug wie das MVC-Pattern und angepasste Tastaturen sowie fortgeschrittene Themen wie das Ansteuern externer Anzeigegeräte, folgen. Leider beruht das Werk noch auf dem SDK in der Version 4.3. Wie aber auch bei Hilleagass, muss das nicht zwingend hinderlich sein, die Unterschiede kann sich der Entwickler anhand Apples Dokumentation erarbeiten.

Dan Pilone, Tracey Pilone
Head First iPhone & iPad Development
O'Reilly, 2011
ISBN 978-1-449-38782-2
634 Seiten, 49,99 US-Dollar

Wer kennt sie nicht, die Head-First-Reihe von O'Reilly? Die über 600 Seiten umfassende iPhone- und iPad-Version hat das Paar Dan und Tracy Pilone verfasst (und es ist nicht deren erster Head-First-Titel). Sie wurde bereits 2011 veröffentlicht, somit ist klar, dass man Dinge wie ARC und Storyboards hier nicht findet. Dennoch ist das Werk schön zu lesen und vermittelt vieles so, wie man es etwa von Kinderbüchern her kennt. Das ist in keiner Weise abwertend gemeint – das Thema wird über unterschiedliche Kanäle nahegebracht, manchmal als Comic oder Bildergeschichte. Das Lesen macht Spaß, und wie bei vielen amerikanischen Autoren sind die Texte angenehm zu lesen, locker formuliert und mit Witz gespickt. Unter akademischen Gesichtspunkten mag nicht jede Behauptung haltbar sein, aber hier geht es um Softwareerstellung und nicht um die mathematische Beweisführung, dass ein Programm mit einer speziellen Vorbedingung korrekt arbeitet. Neben klassischen Mobile Pattern wie MVC erhält der Leser eine Einführung in Objective-C, das Rüstzeug für den Umgang mit der Xcode-IDE und Details zum iPad-UI sowie dessen Unterschiede zum iPhone/iPod touch.

Axel Katerbau, Dirk Theisen
Apps entwickeln für iPhone und iPad
Galileo Computing, 2012
ISBN 978-3-8362-1859-7
Videotraining (8 Stunden), 39,90 Euro

Wer die elektronische Lehrmethode bevorzugt, der möge sich Katerbaus und Theisens "Apps entwickeln für iPhone und iPad" anschauen. Mit 8 Stunden Videomaterial wird vieles für einen Einstieg in die iOS-Programmierung Nötige vermittelt. Wie im korrespondierenden Galileo-Werk von Rodewig und Wagner sind die Neuerungen in iOS 5 (ARC, Storyboards) mit dabei, ebenso Grundlagen zu Objective-C, Cocoa Touch und der IDE. Auch das Thema App Store, mit seinen Stolperstellen Zertifikate und Provisioning Profiles, kommt vor. Da die Autoren den Fokus auf Einzelentwickler legen, wie im Übrigen fast alle der hier vorgestellten Werke, findet sich nichts zu Enterprise-Lizenzen, Ad-hoc-Distributionen und dem Aufsetzen eines firmeninternen App-Stores – für viele Leser dürfte das aber nicht von Belang sein. Ob der Titel wirklich ein "Training für Ihre nächste Killer-App!" ist, wie auf dem Cover werbewirksam vermerkt, sei dahingestellt. Zumal es für solide programmierte Apps zusätzlich einer nicht unerheblichen Arbeit für das Design bedarf, die meist nur versierte Grafiker erledigen können. Dennoch ist das Video-Training sehr gut, denn es illustriert anschaulich, "wie es geht" und legt die Grundlagen für einen guten App-Programmierer.

James Turner
Enterprise iOS Applications
O'Reilly, 2012
ISBN 978-1-449-31148-3
100 Seiten, 24,99 US-Dollar

"Enterprise iOS Applications" von James Turner ist so ein Buch, das viele, vielleicht sogar sehr viele App-Entwickler nie lesen werden. Es führt auch keineswegs in die App-Programmierung ein und lehrt weder etwas zu Xcode noch zu Objective-C. Die gut 100 Seiten kleine Fibel bietet dennoch etwas, das sie interessant für die Gruppe derjenigen Entwickler macht, die im Team im Unternehmen Enterprise-Software schreiben und das auch für ihre App-Programmierung so halten wollen. Diese Klientel nutzt CI-Systeme wie Hudson/Jenkins [m], beherrscht Ant und Maven ebenso wie Unit-Testing und den Enterprise-Service-Bus (SOAP, REST, AJAX und JSON). All das findet sich in kompakter Form im bei O'Reilly veröffentlichten Werk wieder. Hilfreich sind die Ausführungen zur Integration der iOS-Entwicklung in unternehmensspezifische Build-Prozesse. Dazu gibt es Ausführungen zur Veröffentlichung von Apps im App Store, der Ad-hoc-Distribution für Testzwecke und zu Veröffentlichungen mit einer Enterprise-Lizenz. Letztere ist dann wichtig, wenn man seinen eigenen App-Store aufbauen möchte und – unabhängig von Apples Zulassungsprozedere – dann zu launchen, wenn es aus Unternehmenssicht passt. Viele Themen werden nur angerissen, so dass gute Vorkenntnisse der iOS-Entwicklung sowie der Entwicklungsprozesse in Unternehmen (CI, Unit-Tests, Code Repositories) Voraussetzung sind. Mit seiner Ausrichtung ist der Titel zurzeit konkurrenzlos. Das mag sich eines Tages ändern, wenn die methodische App-Entwicklung stärker in die Unternehmensprozesse der Anwendungsentwicklung integriert ist und mehr Entwickler ihre Apps für Unternehmenszwecke intern programmieren. (rl)

Karsten Kisser