Macoun 2011 besticht durch hochklassige Sprecher und gelungenes Rahmenprogramm

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Trotz der ungebrochenen Popularität der Apps für Geräte mit dem angebissenen Apfel ist die Zahl an Veranstaltungen und Konferenzen für Entwickler rar, die hier ihren Schwerpunkt setzen – insbesondere im deutschsprachigen Raum. Am 1. und 2. Oktober traf sich die Entwickler-Community in Frankfurt zur einzigen reinen Konferenz für Apple-Entwickler, der Macoun 2011.

Am ersten Oktoberwochenende wurde Frankfurt für zwei Tage zum Zentrum der deutschen OS-X- und iOS-Developer-Community, denn die Macoun, die einzige nichtkommerzielle Entwicklerkonferenz im deutschsprachigen Raum mit dem Fokus auf den Techniken und Plattformen der Firma aus Cuppertino, fand zum vierten Mal statt. Eine Sache durfte während der zweitägigen Veranstaltung im Frankfurter Haus der Jugend nicht fehlen: die Kirschen. Kirschen? Der Leser liest richtig. Doch der Reihe nach.

Die Macoun, deren Namen von einer Apfelsorte abgeleitet ist, hatte mit über 430 Teilnehmern und 54 eingereichten Themen beim "Call for Papers" zahlenmäßig ihren bisherigen Höhepunkt erreicht und kratzte somit an den Grenzen der Kapazität der Tagungsräume. Die anhaltende Popularität des Events sprachen auch Chris Hauser, Thomas Biedorf und Uli Kusterer in ihrer Keynote an, fanden sich bei der ersten Macoun 2008 knapp über 200 Teilnehmer ein.

Platzangst war dann allerdings doch kein Thema, zeichnete sich die Konferenz nicht zuletzt durch die entspannte, harmonische und "sonnige" Stimmung aus. Mit Abendveranstaltungen und ausreichend Pausen zwischen den in drei parallelen Tracks stattfindenden Vorträgen war für Networking und gemeinsames Fachsimpeln ausreichend Raum, wodurch ein guter Kontrast zu den zum Teil sehr in die Tiefe gehenden Fachvorträgen erreicht wurde. Es zeigte sich, dass die Macoun aber auch ein Treffen der Generationen war. So waren unter den Teilnehmern – die sich im Übrigen vollständig an den ausgesprochenen "Dresscode" hielten, der das Tragen von Krawatten verbot – alle Entwicklergenerationen vertreten: von Studenten, die gerade erst mit der Entwicklung von meist iOS-Apps begonnen haben, bis hin zu den sprichwörtlichen Urgesteinen, die seit über 20 Jahren mit und für Apples Systeme entwickeln.

Ein Trend war bereits beim Betrachten des Vortragsprogramms klar: Heißestes Thema war die Entwicklung für die iOS-Plattformen iPad, iPhone und iPod Touch. Es hatte nur wenige Einreichungen zur Entwicklung von OS X gegeben, sodass auch das Vortragsprogramm einen klaren Schwerpunkt bei der Entwicklung für die "i"-Geräte hatte. Grund hierfür dürfte neben dem Hype um iOS sicherlich auch die höhere Innovationsgeschwindigkeit der Plattform sein, die für Vorträge letztlich auch wesentlich ertragreicher ist als die Entwicklung für OS-X-Applikationen, die mit dem Release von Mac OS X "Lion“ (10.7) nur behutsame Änderungen erfahren hat.

Die Bandbreite dargebotener Themen war beachtlich. So wurden neben eher konzeptionellen Vorträgen zu Themen wie iOS-Sicherheit oder der Tätigkeit als kleiner "Indie" (independent developer) auch technische Vorträge angeboten – als Beispiel seien 3-D-Grafikentwicklung mit OpenGL oder die Entwicklung mit Core Audio genannt. Es war für jeden etwas dabei. Lediglich einzelne Teilnehmer empfanden den Fokus auf die iOS-Entwicklung als negativ. Es herrschte jedoch die Ansicht vor, dass die Apple-Entwickler-Community eine, gemessen an der Popularität der Hardware, recht überschaubare Familie ist, die sich gegenseitig hilft, inspiriert und ihr Wissen teilt.

Das familiäre Feeling war ganz klar Ziel der Veranstalter, die die Macoun als Mischung aus Barcamp und Fachkonferenz zu einem fairen Preis durchführen und sich für die Zukunft nur ein behutsames Wachstum wünschen, um den Geist der Veranstaltung nicht zu verändern. Ein nettes Beispiel dafür sind die erwähnten Kirschen. So ist es wohl seit der ersten Macoun Tradition, dass nachmittags "Omas Kirschkuchen" zum Kaffee serviert wird, der – so munkelte man – für manch einen der eigentliche Grund war, am Ufer des Mains Neues über Categories in Objective-C, Dateisynchronisation mit und ohne iTunes oder die Entwicklung von Applikationen zu lernen, die durch Gesten à la "Minority Report" bedient werden.

Zwar kann die Faszination, die insbesondere der zuletzt genannte Vortrag bei den Zuhörern im Saal erzeugte, schwer im Nachhinein und von Ferne nachvollzogen werden, jedoch lassen sich bald alle Folien und womöglich auch alle Videoaufzeichnungen kostenfrei und öffentlich abrufen. Auch das ist eine Besonderheit unter Entwickler-Events abseits der reinen Barcamps, sodass die Macoun unter dem Strich nicht nur durch ihre Konkurrenzlosigkeit besticht, sondern auch durch das gebotene Programm mit hochklassigen Sprechern und ein gelungenes Rahmenprogramm zu überzeugen wusste. (ane)

Benjamin Reimold
ist Consultant und Anwendungsentwickler im Mobile-Team der aformatik Training & Consulting GmbH & Co. KG in Sindelfingen bei Stuttgart und beschäftigt sich seit 2009 mit der Anwendungsentwicklung für mobile Plattformen. Schwerpunkte sind hierbei iOS und Android.