Make Space – Räume sind die Körpersprache einer Organisation

Bernds Management-Welt  –  1 Kommentare
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Vor wenigen Wochen ist bei Wiley ein neues Buch des HPI (Hasso Plattner Institute) of Design in Stanford (aka "d.school") mit dem Titel "Make Space" erschienen. Es handelt von Arbeitsräumen für die kreative Gruppenarbeit und ihrer Gestaltung ("How to Set the Stage for Creative Collaboration"). Im Vorwort von David Kelley heißt es:

"Space matters. We read our physical environment like we read a human face."

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Die Autoren Scott Doorley und Scott Witthoft gehen dabei auf sehr unterschiedliche Aspekte ein und machen dadurch anschaulich klar, dass es um mehr als die Gestaltung einer physischen Umgebung geht. Die fünf betrachteten Aspekte sind:

  • Werkzeuge und Bauanleitungen für Möbel und Räume
  • Arbeitssituationen und Raumkonfigurationen
  • Einsichten und beachtenswerte Erkenntnisse und Ideen
  • Gestaltungsvorlagen für bestimmte Typen von Plätzen, Arbeitszonen, Funktionen, Aktivitäten, Atmosphären, Haltungen und Eigenschaften
  • Beschreibung realer Beispiele und Studien, bspw. die Umgebung der TED-Talks oder das Palomar5-Camp in der Berliner Malzfabrik zur Zukunft der Arbeit

Der Inhalt ist zusammengetragen aus rund fünf Jahren Arbeit und Erfahrungen im Kontext der d.school. Insofern ist das Buch natürlich eine Fundgrube und Pflichtlektüre für alle, die Design Thinking praktizieren und Anregungen zu entsprechenden Umgebungen suchen. Viele der dargestellten Möbel, Einsichten und Details, auch wenn sie meistens aus dem Design-Thinking-Kontext stammen, sind auch in der Coworking-Bewegung und den Betahäusern dieser Welt anzutreffen oder erinnern daran. Das ist kein Zufall, denn die Beta- und Ko-Kreations-Kultur ist die große Schnittmenge beider Bewegungen.

Die 272 Seiten bilden kein sequenziell zu lesendes Werk, obwohl auch das gut funktioniert, sondern das Buch besteht aus vielen kleinen, meistens nur ein bis zwei Seiten langen Abschnitten. Eine bestimmte Ordnung konnte ich nicht erkennen, die Reihenfolge ist zum Lesen aber brauchbar. Die oben genannten fünf Aspekten spiegeln sich in einem Titel- und Farbschema wieder, na ja, halbwegs zumindest. Am Ende des Buchs gibt es dann, in Erinnerung an die Beatles, die B-Seite als rückwärts zu erschließende Nutzungsanleitung, die den Transfer ins eigene Tun erleichtert.

Ich finde das Buch ausgesprochen gut gelungen und freue mich beim Lesen und Stöbern immer wieder über die Verknüpfung unterschiedlichster Sichtweisen und die Konkretheit. So findet sich nebeneinander eine Bauanleitung mit exakten Maßangaben (allerdings in US-amerikanischen Einheiten wie Zoll), Materialempfehlungen ("Sperrholz, Höhe 5 Zoll"), Nutzungsaspekte ("max. 25 Minuten zum Sitzen geeignet"), atmosphärische und rituelle Ideen ("Schuhe ausziehen" oder Tipps zur Balance zwischen Aufgeräumtheit und inspirierender Unordnung) und ebenso bekannte soziale und kommunikative Konventionen. Ein Beispiel für Letzteres ist beispielsweise die Verwendung von Kopfhörern, um Kommunikationsbereitschaft einfach signalisierbar zu machen (beide Ohren zu: lass mich in Ruhe arbeiten; ein Ohr zu: wenn es wichtig ist, unterbreche ich mich; ohne Kopfhörer: ich bin bereit zum Klönen).

Diese Vielschichtigkeit verhindert auch, das Buch als IKEA-artiges Gestaltungsrezept aufzufassen, denn Räume für die kreative Zusammenarbeit lassen sich am besten durch praktische kreative Zusammenarbeit gestalten. Auch gilt die Einsicht: Die Anschauungen und Überzeugungen zur Raumgestaltung auszutauschen ist ein erster Schritt, um alle zu beteiligen. Gemeinsam aber in die Aktion zu gehen und den Raum tatsächlich zu gestalten bringt viel mehr Engagement und Kameradschaft. Und: Sobald Räume genutzt werden, ergeben sich emergent neue Anwendungsfälle.Das schönste Zitat aus dem Buch:

"Space ist the body language of an organization." (Chris Flink)

Ach, und bei Vimeo gibt es noch ein kurzes Video über die Entstehung des Coverbilds.

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