Neuerungen von Visual Studio 11 und Team Foundation Server 11

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Microsoft hatte bereits im letzten Jahr in einem Whitepaper die wesentlichen Neuerungen von Visual Studio 11 und Team Foundation Server (TFS) 11 beschrieben. Beleuchtet sei nun, inwieweit der Hersteller mit der seit Ende Februar 2012 vorliegenden Beta-Version die Versprechungen halten kann.

Das Whitepaper "Application Lifecycle Management mit Visual Studio vNext" (PDF) gelobte Besserung in den folgenden Bereichen:

  • Agile Planungstools sollen Transparenz über alle Planungsprozesse erlauben und das gesamte Team einbeziehen. Sie sind flexibel einsetzbar, lassen sich individuell anpassen und eignen sich für Teams jeder Größe.
  • Schlanke Anforderungen ("Lightweight Requirements") bedeuten einen Weg, frühzeitig im Entwicklungsprozess wichtiges Feedback sammeln und auswerten zu können.
  • Direktes Stakeholder-Feedback unter Verwendung gewohnter Werkzeuge stellt sicher, dass Endanwender wie Kunden oder die Fachabteilung direkt Feedback geben können, das dann ohne Umschweife in den Entwicklungsprozess einfließt.
  • Agile Qualitätssicherung und kontinuierliches Testen stellen die Qualität im Endprodukt sicher und verbessern die Codequalität dank Unterstützung für Code Reviews, erweiterte Unit-Test-Frameworks und neuartige Methoden für exploratives Testen.
  • Hilfreiche Werkzeuge für die Abstimmung von Entwicklung und Betrieb ("Operations") führen zu einer besseren Anbindung und mehr Einblick zwischen den Abteilungen sowie dazu, dass sich Fehler auch in Produktivumgebungen schneller finden und beseitigen lassen.
  • Eine verbesserte Bedienbarkeit der Werkzeuge erlaubt, sich mehr auf die Aufgaben statt auf ungewohnte Prozesse und Werkzeuge zu konzentrieren und dadurch effizienter zu arbeiten.

Agile Planungstools

Microsoft hat Web Access – die Weboberfläche zum Verwalten von Anforderungen, Tasks und anderen TFS-Bereichen – mit TFS 11 komplett überarbeitet. Sie ist nun wesentlich reaktionsfreudiger und wirklich schnell – und sie lässt sich auch mit anderen Browsern benutzen. Die Oberfläche wurde stark bereinigt, um das Wesentliche über das aktuelle Projekt darzustellen und den Teammitgliedern einen einfachen Einstieg zu ermöglichen.

Neue Funktionen sollen agile Teams bei der Backlog-Planung und Sprint-Durchführung unterstützen. Obwohl Microsoft das Scrum-Prozess-Template mittlerweile zur Standard-Vorlage erhoben hat, lassen sich alle Tools auch mit den eigenen Prozessvorlagen verwenden.

Eine neue Möglichkeit, Teamprojekte in TFS "einzuteilen", sind nun eben diese "Teams". Die in einem Projekt involvierten Akteure lassen sich nun zu Teams hinzufügen. Diesen kann man dann Knoten aus dem Bereichspfad ("Area Path") des Teamprojekts zuordnen – die Verantwortungsbereiche des Teams. Startet ein Teammitglied das Backlog im Web Access, wird die Auswahl von Work Items direkt nach den Team-Areas gefiltert. Neben dem Product Backlog, das sich zur Priorisierung der Gesamtanforderungen an das Produkt via Drag & Drop nutzen lässt, lässt sich auch das Sprint- oder Iterations-Backlog effizienter verwalten. Dazu werden für die Iteration oder den Sprint Tasks geplant, um kleinere abschließbare Arbeitseinheiten zu bilden. Tasks lassen sich im Sprint Backlog komfortabel hinzufügen. Da man an der Stelle auch die Kapazität der Teammitglieder festlegt (Capacity Tab), kann man aus den Tasks und der dort hinterlegten verbleibenden Arbeitsaufwände die Auslastung des Teams berechnen.

Neben der Listenansicht bietet das Web Access nun in Form eines Taskboard eine Oberfläche zum Visualisieren der Backlog Items und Tasks. Für Stand-up Meetings eignet sich auch die Team-Members-Ansicht, die die Tasks nach Teammitglied gruppiert.

Ein erster Test des Taskboard auf einem iPad 2 schlug allerdings fehl. Das Beta-Release unterstützt Touch-Funktionen grundsätzlich noch nicht ausreichend. Abhilfe schafft hier beispielsweise das Taskboard von AIT.

Nicht nur die agilen Planungswerkzeuge, sondern auch große Teile der Teamprojektkonfiguration wie Teams oder Berechtigungen sind im neuen Web Access untergebracht. Das ermöglicht die Konfiguration ohne die Installation eines Team-Explorer-Clients vom Browser aus. Ein wenig beachtetes Feature ist schließlich sicherlich die persönliche Einstellung der Zeitzone und Datumsformate, die die Zusammenarbeit in global verteilten Teams vereinfachen wird.

Visual Studio 11 und Team Foundation Server 11, Teil 1 (6 Bilder)

Web Access

Die Einstiegsseite des komplett überarbeiteten Web Access gibt einen schnellen Einstieg in das Projekt (Abb. 1).

Prototypisierung

Zu den "schlanken" Anforderungen gehören auch UI-Prototypen. Für Anwendungen, in denen die Benutzeroberfläche die zentrale Rolle spielt, stellen klickbare UI-Prototypen ein gutes Mittel dar, in frühen Design-Phasen Feedback von künftigen Benutzern einzuholen. Microsoft hat speziell für diesen Zweck ein weiteres Office-Produkt in die Gruppe der integrierten ALM-Tools aufgenommen: PowerPoint.

Oberflächenprototyping in PowerPoint - mit F5 startet man die Präsentation (Abb. 7)

Das Plug-in für PowerPoint bringt neue Funktionen mit, mit denen sich sogenannte Shapes zusammenstellen und wiederverwenden lassen. Sie ermöglichen das Erstellen von Steuerelementprototypen und deren Verwaltung in einer Bibliothek. Microsoft liefert bereits einige Shapes mit, zum Beispiel für Windows Phone 7 und Visual Studio Extensions.

Die Prototypen lassen sich mit Work Items verknüpfen. Voraussetzung ist, dass die PowerPoint-Datei im Projektportal abgelegt ist. Im Work Item wird ein Hyperlink auf die Datei hinterlegt, wodurch sich Anforderungen mit UI-Prototypen verknüpfen lassen.

Story Boards lassen sich mit Work Items verknüpfen (Abb. 8).

Das UI-Prototyping macht Spaß und ist flexibler als Visio. Zudem bietet es den Vorteil, dass direkt eine Präsentation gestartet werden kann. Außerdem lassen sich die "herkömmlichen" Funktionen von PowerPoint nutzen, um den Prototypen zum Beispiel mit Animationen anzureichern. Eine Einschränkung ist, dass sich die Prototypen nicht automatisch etwa in WPF Controls konvertieren lassen. Es geht dabei rein um die Unterstützung der Anforderungen.