OOP 2016: Software meets Business auf der Jubiläumskonferenz

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Die 25. OOP hatte einen eigenen Jubilee-Track mit zahlreichen historisch angehauchten Vorträgen. Bei den Keynote-Sprechern glänzte Altmeisterin Linda Rising ebenso wie der bekannte Blogger Sascha Lobo.

Die Konferenz OOP fand dieses Jahr bereits zum 25. Mal in München statt. Die jüngste Auflage stand unter dem Motto "Software Meets Business". Aufmerksame Beobachter mögen einwenden, dass genau dieser Satz seit Jahren Bestandteil des Logos ist. In der Tat haben die Veranstalter ihn bewusst aus dem Logo in den Textteil gehoben. Der Satz sei seit einigen Jahren die eigentliche Kernaussage der Konferenz, meinte Jutta Eckstein im Gespräch mit heise Developer. Sie hat als Technical Chair die Verantwortung für die technische Qualität der OOP. Der Grund für das Herausnehmen aus dem Logo und Hereinsetzen in den Textteil sei schlicht, dass der Satz als grafisches Element in keiner Suchmaschine aufzufinden sei und somit unterginge.

Gleichzeitig enthält das Logo nun den Untertitel "Your Source of Trust". Als diese Quelle des Vertrauens konnte die Konferenz in diesem Jahr mit gut 1900 Teilnehmern ein leichtes Wachstum im Vergleich zum Vorjahr verzeichnen. Allerdings sind in der Zahl die Messegäste eingerechnet, die nur die Ausstellung besuchten, auf der sich insgesamt 70 Firmen präsentierten. Laut Angaben der Veranstalter ist dieses Jahr besonders die Zahl der Teilnehmer aus den Bereichen Handel, Finanzdienstleistungen, Behörden, Medien und Maschinenbau gestiegen.

Insgesamt 130 Vorträge hatte das Reviewer-Team aus 450 Einreichungen ausgewählt und in 11 thematische Tracks unterteilt. Dass kein einzelnes Thema die Konferenz beherrschte, verwundert wenig. Schließlich richtet sich die OOP mit einem breiten Ansatz sowohl an technische Experten wie Entwickler, Tester und Data Scientists als auch an IT-Führungskräfte wie Projektleiter aus den unterschiedlichen Unternehmensbereichen. Daher umfasst das Programm sowohl aktuelle Themen wie Containerisierung, Continuous Delivery und das Internet der Dinge als auch "Klassiker" wie Scrum, C++ und Konzepte der objektorientierten Programmierung.

Jüngere Entwickler mögen den Namen der Konferenz kaum noch mit Letzterer in Verbindung bringen. In den Anfängen der OOP war sie das Thema schlechthin: Bjarne Stroustrup hatte 1991 die zweite Edition seines C++-Standardwerks veröffentlicht. Im selben Jahr bahnte sich ein neuer Shooting-Star an: James Gosling, Mike Sheridan und Patrick Naughton starteten ein frisches Sprachprojekt, das vier Jahre später als Java 1.0 erschien. Auch CORBA entstand Anfang der Neunzigerjahre. Die Common Object Request Broker Architecture verwirklichte mit dem Modell der verteilten Objekte durchaus ähnliche Ideen wie die heutigen Microservices.

Ein paar Einblicke in die "historischen" Themen brachte der für die 25. OOP eingefügte Jubilee-Track. Unter anderem gab Richard Soley, CEO der OMG (Object Management Group), die den CORBA-Standard definiert hat, einen Überblick über die Geschichte seiner Organisation. Dabei berührte er neben CORBA mit UML ein weiteres heißes Thema der Neunzigerjahre. Dass Soley zwei Tage später auf dem IoT-Forum sprach, das im Rahmen der OOP stattfand, spannt den Bogen von der Historie zur Gegenwart. Auf dem Forum trat er nämlich als Leiter des 2014 als OMG-Tochter gegründeten Industrial Internet Consortium (IIC) auf, das sich im Bereich Industrie 4.0 engagiert.

Einige Jubilee-Vorträge reflektierten durchaus selbstkritisch die großen Themen der letzten 25 Jahre. So stand der Vortrag von James Grenning, einem der Verfasser des Agile Manifesto, unter der Überschrift: "Agile, We Were Wrong. (We Thought No One Would Care)". Eine zentrale, amüsant präsentierte Erkenntnis lautete: "Wir haben jetzt über 350.000 Scrum Masters und lediglich 54.000 Scrum Developers. Daraus ziehen wir den Schluss, dass man sechs Scrum Master für einen Scrum Developer benötigt". Grennings ironisches Fazit: "Wir haben uns all die Jahre geirrt, jetzt sollten wir keine Zeit damit verschwenden, uns weiterhin zu irren".

Linda Rising erzählte leidenschaftlich von Patterns.

Das Who-is-Who der Patterns fand sich bei Linda Risings äußerst unterhaltsamen Vortrag "Patterns. My Journey, What I've Learned and Continue to Learn" in einem Raum zusammen. Unter den Zuhörern waren unter anderem Ralph Johnson, einer der Verfasser des Standardwerks "Design Patterns", und Mary Lynn Manns, die zusammen mit Rising das Buch "Fearless Change" sowie die 2015 erschienene Fortsetzung "More Fearless Change" geschrieben hat.

Linda Rising und Mary Lynn Manns gehörten zur prominenten Riege der diesjährigen Keynote-Sprecher. Sie zeigten, wie IT-ler auch außerhalb des technischen Bereichs von den Patterns profitieren können und welches ihnen situationsabhängig am meisten hilft. Einen großen Bogen von Objekten über Patterns und Agile zu Wikis spannte Ward Cunningham, der Begründer des WikiWikiWebs.

Sascha Lobo betonte, welche Verantwortung die Konferenzteilnehmer für die digitale Gesellschaft haben.

Einen gewohnt kritischen Blick auf den Umgang mit Software brachte der Blogger Sascha Lobo ein. Er formte die neue Unterzeile der OOP "Your Source of Trust" zu "You're Source of Trust" um. Damit ermahnte er die Teilnehmer, dass Software derart viele Lebensbereiche berühre und die Entwickler somit verantwortlich für die vertrauenswürdige Gestaltung des Fortschritts seien. Sie müssten als digitale Übersetzer und Botschafter des Netzes arbeiten und die Ethik der Vernetzung weiterentwickeln.

Einen Ausblick in das Potenzial der vernetzten Zukunft gaben Martin Förtsch und Thomas Endres von der TNG GmbH: Sie hatten für ihre Keynote eine Oculus Rift um zwei Kameras erweitert, die zum einen die geschlossene Rift durch Einblendung der Umgebung zur Mixed-Reality-Brille machte und zum anderen Funktionen wie Gesichtserkennung integriert. Im Beispiel stellte sich ein Gegenüber namentlich vor und wurde im späteren Verlauf wiedererkannt: Das virtuelle Bild enthält den Namen der bekannten Person. Im Gespräch mit heise Developer erzählten die beiden Informatiker später, dass sie gerne noch den Roboter Nao der Firma Aldebran Robotics auf die Bühne geholt hätten. Sie arbeiten derzeit an einem Projekt, das Nao mit Augmented Reality, 3D-Kameras und Telepräsenzrobotik kombiniert.

Im Ausstellungsbereich konnten die Konferenzteilnehmer die auf der Keynote vorgestellte Oculus Rift mit Gesichtserkennung selbst ausprobieren.

Eine feste Institution der OOP ist der "ultimative IT-Stammtisch", bei dem illustre Gäste die großen und kleinen IT-Schlagzeilen des vergangenen Jahres auf amüsante Weise diskutieren. Leider musste Moderator Nicolai Josuttis auf den geplanten Teilnehmer Sascha Lobo verzichten, der einem Auftritt bei Markus Lanz den Vorzug gab. Die Einbeziehung des Publikums brachte durchaus überraschende Ergebnisse. So bezeichnete sich beispielsweise der Großteil der Windows-10-Nutzer als zufrieden, was zumindest die Mac-User auf der Bühne nicht verstehen wollten.

Die Münchner Erklärung will mehr junge Menschen dazu bringen, Informatik zu studieren.

Den Rahmen der Konferenz nutzten die Initiatoren der Münchner Erklärung zur Vorstellung ihres Aufrufs, der den Software-Engineering-Standort Deutschland stärken soll. Zu den Erstunterzeichnern gehören neben diversen Professorinnen, Professoren und Industrievertretern auch Jutta Eckstein und Günter Fuhrmeister, der Geschäftsführer des OOP-Veranstalters SIGS Datacom.

Die Erklärung will helfen, die Kernkompetenz Software Engineering im Land weiter auszubauen. Dazu heißt es: "Wir ermutigen Schülerinnen und Schüler und junge Studierende: Wer die Zukunft migestalten will, studiert Informatik." Die Initiatoren wollen dabei vor allem weg vom Bild des Programmierers, der im dunklen Keller zwischen Pizzaschachteln sitzt und nicht kommuniziert. Damit erreiche man nicht nur zu wenige, sondern auch die falschen Leute. Softwareentwickler benötigten Soft- und Team-Skills, die bei der Uni München zu den Bewertungskriterien gehörten, wie Prof. Dr. Veronika Thurner von der Hochschule München betonte.

Die fünfundzwanzigste OOP spannte inhaltlich und mit der Sprecherauswahl gekonnt den Bogen von der Blütezeit der namensgebenden objektorientierten Programmierung zu den modernen Entwicklerthemen wie Microservices, Containerisierung und Industrie 4.0 – und darüber hinaus zu aufstrebenden und künftigen Themen wie Telepräsenzrobotik. Dabei fehlten nicht die praxisnahen Vorträge zur Pflege von Legacy-Software oder den Sicherheitsaspekten bei der Entwicklung. Das breite Spektrum bedeutet freilich auch die Qual der Wahl für die Teilnehmer.

Im nächsten Jahr findet die OOP erneut im ICM München statt und zwar vom 30. Januar bis zum 3. Februar 2017. (rme)