Oracle schweigt weiterhin zu Java EE, während andere Anbieter sie für Microservices anpassen

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Die Beunruhigung über die fehlenden Fortschritte für Java EE 8 steigt, aber Oracle schweigt weiterhin. Stattdessen übernehmen andere Anbieter die Initiative, um Java EE für Microservices zu optimieren.

Die Spezifikation von Java EE 8 geht in vielen JSRs nur sehr langsam und in einigen Fällen überhaupt nicht voran. Einer der Hauptgründe dafür ist, dass Oracle aktuell andere Prioritäten setzt und seine Mitarbeiter mit anderen Aufgaben betraut hat. Dadurch ist die Arbeit an vielen der von Oracle betreuten Spezifikationen im Herbst 2015 zum Erliegen gekommen. Das sorgt seit einiger Zeit für Beunruhigung in der Entwickler-Community und führte neben einem stärkeren Engagement der Community auch zur Gründung der Java EE Guardians, die sich für den Erhalt und die Weiterentwicklung von Java EE einsetzen.

Die Java EE Guardians umfassen neben James Gosling und Reza Rahman inzwischen über 130 Einzelpersonen, mehr als 40 Java User Groups und mehrere Unternehmen. Mehr Informationen zu den Zielen der Java EE Guardians gibt es auf ihrer Website.

Deren Besorgnis teilte auch das JCP Executive Committee in ihren Meetings im Mai und Juni. Seine Mitglieder haben Oracle bisher erfolglos zu einer Stellungnahme zur Entwicklung und Zukunft von Java EE 8 aufgefordert.

Oracle zeigt damit immer noch wenig Interesse für die Besorgnis der Entwickler-Community. Daher haben die Java EE Guardians eine Online-Petition erstellt, in der sie führende Entscheidungsträger von Oracle zu einer Weiterführung von Java EE auffordern.

Zeitgleich wird deutlich, dass andere Anbieter von Java-EE-Applikationsservern immer noch ein starkes Interesse an der Weiterentwicklung von Java EE haben. Vor wenigen Tagen haben Red Hat, Payara, IBM und Tomitribe die gemeinsame Arbeit an einem Java EE Micro Profil bekannt gegeben.

Profile werden in Java EE seit Version 6 unterstützt und definieren für spezifische Anwendungsfälle optimierte Subsets der Java-EE-Spezifikationen. Bisher wurde zwischen dem Full Profile, das alle Java-EE-Spezifikationen enthält, und dem für Webanwendungen optimierten Web Profile unterschieden. Zukünftig soll das Micro Profil eine Optimierung für Microservice-Architekturen bieten. Dazu umfasst es die CDI-, JAX-RS- und JSON-P-Spezifikationen. Diese werden für die Implementierung von Microservices benötigt, die ihre Ressourcen als JSON-Dokumente über eine REST API bereitstellen. Zukünftig sollen weitere Spezifikation dem Profil hinzugefügt werden. Welche das sein sollen, kann die Entwicklercommunity zurzeit in einer Umfrage vorschlagen.

Die Bekanntgabe des neuen Profils und viele Reaktionen darauf zeigen, wie verunsichert und gespalten die Java-EE-Welt aktuell ist. Auf der einen Seite steht der fehlende Fortschritt bei den Arbeiten an Java EE 8 und die daraus resultierende Unsicherheit über die Zukunft von Java EE. Dies wird durch Oracles Schweigen über dessen zukünftige Ausrichtung noch verstärkt. Auf der anderen Seite gibt es seit einigen Monaten eine verstärkte Aktivität der Entwicklergemeinschaft und die Aussagen verschiedener Unternehmen, ihr Engagement im Java-EE-Umfeld fortzusetzen. Das wurde durch die Bekanntgabe des Micro Profile durch die Gruppe bekannter Applikationsserverhersteller noch einmal unterstrichen.

Dadurch ergibt sich für mich insgesamt ein positives Bild für die Zukunft. Auch wenn Oracle sich entscheiden sollte, die Arbeit an Java EE nicht fortzusetzen und einige Spezifikationen auf Basis seiner geistigen Eigentumsrechte zu blockieren, scheint das Interesse an offenen Standards groß genug, um diese auch in Zukunft weiterzuentwickeln. Ob das gemeinsam im Rahmen der bestehenden Java-EE-Spezifikationen oder Oracle-unabhängig durch die Entwickler-Community und verbleibenden Anbieter in Form von neuen, ähnlichen Spezifikationen erfolgt, wird die Zukunft zeigen. Themen wie REST-basierte APIs, Persistenz und Dependency Injection werden davon unbeeinflusst ihre Relevanz behalten, und erfolgreiche Lösungen bestehender Spezifikationen wird man auch in gegebenenfalls notwendigen, zukünftigen Alternativen wiederfinden.