Pfeiler eines guten Arbeitsklimas

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Vermutlich jeder wünscht sich ein gutes Arbeitsklima, doch was zeichnet ein solches überhaupt aus? Und welche Ziele könnte man sich setzen, um das derzeitige Arbeitsklima zu verbessern?

Wer bereits in mehreren Unternehmen gearbeitet hat, dürfte dort in der Regel unterschiedliche Arbeitskulturen und -atmosphären erlebt haben – manche besser, manche schlechter. Trotz der Vielfalt der Unternehmen und ihrer Arbeitsweisen gibt es doch einige Grundsätze, die man als Pfeiler für ein gutes Arbeitsklima ansehen kann.

Natürlich ist es schwierig, dafür eine allgemeine, objektive Wahrheit zu finden, doch versucht dieser Blogeintrag zumindest einige Ideen zu bieten, worauf man achten kann. Viele der Ideen, vielleicht sogar alle, sind dabei weder neu noch revolutionär. Vielmehr geben sie ein Gerüst vor, dessen Einhaltung zu einem guten Arbeitsklima führt – vielleicht nicht perfekt, aber vielleicht zumindest besser als davor.

Götz & Golo

"Götz & Golo" ist eine gemeinsame Serie von Götz Martinek und Golo Roden. Der eine ist Geschäftsführer der sodge IT GmbH, der andere CTO der the native web GmbH. Was die beiden vereint, ist ihre große Leidenschaft für die Entwicklung von Software. Seit September 2019 nehmen sie sich monatlich ein Thema vor, zu dem dann jeder seine individuelle Perspektive beschreibt, ohne den Artikel des jeweils anderen im Vorfeld zu kennen. Der zugehörige Artikel von Götz findet sich im Blog von Sodge IT. Die Fragestellung zu diesem Beitrag lautete: "Pfeiler eines guten Arbeitsklimas"

Der Umgang mit sich selbst

Der Kern für ein gutes Arbeitsklima ist der Umgang eines jeden einzelnen mit sich selbst: Wer zufrieden ist, dem fällt es viel leichter, auch zur Zufriedenheit anderer beizutragen. Der große Vorteil daran, mit sich selbst zu beginnen, ist, dass man selbst jener Mensch ist, den man direkt verändern kann, und in der Regel auch der einzige. Allerdings hat man nicht alle Aspekte unter eigener Kontrolle, manche werden auch durch das Unternehmen von außen vorgegeben.

Ein guter Anfang ist, dass man Aufgaben sorgfältig und verlässlich erfüllt. Das ist sogar dann sinnvoll, wenn man alleine und nicht in einem Team arbeitet, denn ein stabiles Fundament ist die Voraussetzung, um wachsen und auf der vergangenen Arbeit aufbauen zu können. Außerdem vermeidet man auf dem Weg zahlreiche unnötige Flüchtigkeitsfehler, die sich leicht durch einen zweiten Blick finden lassen. Wer sagt, dass er mit einer Aufgabe fertig ist, sollte zuvor sorgsam überprüft haben, ob das wirklich der Fall ist.

Das setzt aber ein hohes Maß an Eigenständigkeit und Reflexion voraus. Es gilt, von sich aus zu überlegen, welche Fehler noch vorhanden sein könnten, und zu überprüfen, ob tatsächlich alles erledigt wurde. Außerdem gehört dazu eine gewisse Fähigkeit, sich in andere hineinzudenken und deren Reaktionen vorauszuahnen. Es genügt aber nicht, Eigenständigkeit einzufordern – sie muss auch gewährt werden: Wer ständig nur kleine Aufgaben vorgesetzt bekommt, die abzuarbeiten sind, wird kaum von sich aus Engagement für das große Ganze entwickeln.

Wer nur schon diese wenigen Aspekte beachtet, dürfte regelmäßig Erfolgserlebnisse genießen können. Dazu bedarf es keines Teams und keiner Vorgesetzten. Es genügt das gute Gefühl, selbst etwas bewirkt zu haben. Sehr wichtig ist zudem der Sinn der Arbeit. Aufgaben müssen nicht immer Spaß machen, aber sie sollten einem sinnvollen Zweck dienen. Arbeit, die man ebenso gut nicht erledigen könnte, ohne dass es einen Unterschied macht, ist unnötig und ist der Motivation eher schädlich als zuträglich.

Auch wichtig dabei ist, dass weder Unter- noch Überforderung besteht: Das erste führt rasch zu Langeweile, das zweite zu Versagensängsten. Beides führt, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen, rasch zu Demotivation. Zu guter Letzt sollten die Aufgaben eine gewisse Stabilität aufweisen, also nicht ständig und wahllos wechseln.

Der Umgang mit anderen

Der essenzielle Wert beim Umgang mit anderen ist das Vertrauen. Man sollte zunächst stets davon ausgehen, dass Kollegen, Mitarbeiter und Vorgesetzte in guter Absicht handeln und nicht das Ziel haben, jemanden zu betrügen. Man könnte also auch sagen, dass es hilft, zunächst vom Guten im Menschen auszugehen – es sei denn, jemand beweist das Gegenteil. Vorschussvertrauen ist gelegentlich zwar, insbesondere nach einer bereits erfolgten Enttäuschung, schwierig zu geben, aber es lohnt sich.

Dazu zählt auch, sich als Team zu begreifen und füreinander einzustehen. Es gilt, gemeinsam zu arbeiten, respektvoll und höflich miteinander umzugehen, und keine Schuldzuweisungen zu betreiben. Man sollte außerdem, gemäß dem Vorsatz, zunächst vom Guten im Menschen auszugehen, jedem zugestehen, dass er etwas zum Ergebnis beiträgt, entsprechend den persönlichen Fähigkeiten und Möglichkeiten.

Dass das nicht bei jedem im gleichen Maß erfolgt, ist naheliegend, aber zumindest sollte das die Grundannahme sein. Wenn man davon ausgeht, dass jeder nach bestem Wissen und Gewissen arbeitet, ist das bereits viel wert. Im Zweifelsfall ist zudem Hilfsbereitschaft angesagt, denn nur wenn sich die Mitglieder eines Teams gegenseitig stärken, fördern und voranbringen, kann das Team als Ganzes vorankommen.

Unterschiedliche Menschen haben selbstverständlich auch verschiedene Wünsche und Bedürfnisse, und man sollte in der Zusammenarbeit daher auch auf die Wünsche der anderen achten und sich überlegen, wie man gegebenenfalls einen Konsens finden kann, ohne dass einer von beiden dauerhaft benachteiligt wird. Dazu gehören auch das Anerkennen von Zugeständnissen und Leistungen ebenso wie das Sich-Bedanken.

Der Umgang mit Fehlern und Kritik

Die erste Erkenntnis, wenn es um Fehler geht, ist, dass Fehler allen von Zeit zu Zeit passieren und daher normal sind. Aufbauend auf dem bereits angesprochenen Vertrauen ist davon auszugehen, dass niemand Fehler absichtlich macht. Daher ist es im Falle eines Fehlers auch weitaus sinnvoller, sich dem Fehler statt dem Fehlerverursacher zu widmen. Natürlich darf ein- und derselbe Fehler nicht wieder und wieder geschehen, aber insbesondere erstmalig auftretende Fehler sollten eher als unglücklicher Umstand denn als persönliches Versagen angesehen werden.

Fällt ein Fehler auf, ist es auch ratsam, nicht direkt von einem Fehler auszugehen, sondern zunächst zu reflektieren, ob man selbst vielleicht eine falsche Annahme trifft, und den vermeintlichen Fehler gründlich zu überprüfen. Ist man dann zu der Überzeugung gelangt, dass es sich tatsächlich um einen Fehler handelt, kann man anschließend Kritik an der Sache üben: Es gibt einen großen Unterschied zwischen "da ist etwas falsch" und "Du bist ein Idiot".

Ebenso bedarf es Mut, Missstände anzusprechen oder Ideen zu äußern. Es hilft bei beidem, derartiges Feedback als Chancen zu begreifen, und sich konstruktiv dem angesprochenen Umstand zu widmen. Ganz falsch wäre es, den Überbringer der Botschaft statt die Botschaft zu kritisieren. Im Englischen gibt es dafür die schöne Wendung "don't kill the messenger". Es lässt sich sagen, dass man für das alles eine angstfreie Umgebung braucht, in der niemand fürchten muss, sich zu beteiligen.

Zu guter Letzt gilt es noch, Stärken zu fördern und Schwächen auszugleichen: Da ohnehin nicht alle Mitglieder eines Teams in jeglicher Hinsicht gleich gut sein können, ist es viel sinnvoller, die Stärken geschickt zu kombinieren, statt jemandem Vorwürfe auf Grund seiner Schwächen zu machen.

Fazit

Die vorgestellte Liste ist weder vollständig noch objektiv, aber sie bildet die Grundlage für eine Diskussion über die eigene Arbeitskultur auf der Basis der Erfahrungen des Autors. Es ist nicht gesagt, dass die hier genannten Aspekte ausreichen – aber sicherlich gibt es in den meisten Unternehmen die ein oder andere Stelle, an der sich etwas verbessern lässt.

tl;dr: Wer ein gutes Arbeitsklima haben will, ist gut beraten, sich am gesunden Menschenverstand und den klassischen Tugenden zu orientieren, unter anderem Fleiß, Sorgfalt, Zuverlässigkeit, Respekt und Höflichkeit. Wenn diese Werte in einem Unternehmen wertgeschätzt und gepflegt werden, ist das eine gute Basis – und falls nicht, ist es ratsam, daran etwas zu verändern.