Praxisbuch Usability und UX

Intuitiv bedienbare Benutzerinterfaces machen Anwender glücklich, und sie sind eher geneigt, die App ihren Freunden und Kollegen weiterzuempfehlen. Leider ist es nicht so einfach, dem Nutzer die gewünschten Kriterien zu entlocken.

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(Bild: khoamartin/Shutterstock.com)

Jens Jacobsen, Lorena Meyer
Praxisbuch Usability und UX

Rheinwerk, 2., aktualisierte und erweiterte Auflage 2019
555 Seiten, € 44,90 (Hardcover inkl. E-Book)
ISBN: 978-3-8362-6953-7

In der Einleitung zu ihrem Praxisbuch stellen Jacobsen und Meyer die zehn von Jacob Nielsen aufgestellten Heuristiken für das User-Interface-Design vor. Deren Gültigkeit leitet sich aus der Funktionsweise des menschlichen Gehirns ab, auf das die Autoren in der Folge ebenfalls näher eingehen. Eine Reihe von Gesetzen und Richtlinien – die Leser durcharbeiten und zur Kenntnis nehmen können – sowie Ausführungen zur ISO 9241 (Richtlinien der Mensch-Computer-Interaktion) und ihren zugehörigen Regulatorien runden den auf die Kognition ausgerichteten Teil des Buches ab.

In den darauf folgenden zwei Kapiteln widmen sich die beiden Autoren den Besonderheiten von Handy und Smartwatch hinsichtlich Usability und Benutzerschnittstelle. Entwickler, die bisher wenig Erfahrung mit der Mobilprogrammierung haben, dürften davon profitieren – denn Desktop-GUIs funktionieren in der Regel auf Mobilgeräten nicht oder nur eingeschränkt.

Feedback von den Nutzern sammeln

In der Überleitung zum seitenmäßig längeren zweiten Teil des Buchs schieben die Autoren einen Exkurs zu Agile und UX ein. Dabei gehen sie der Frage nach, wie sich Anwendern Informationen über die für sie wichtigen Aspekte des Benutzerinterfaces entlocken lassen.

Mobilprogrammierer wählen dazu häufig einen Stapel Karten, um mit dem Benutzer auf spielerische Weise zu kommunizieren. Diese Methode führt allerdings nicht immer zu brauchbaren Ergebnissen. Fokusgruppen, Beobachtungen und Usability-Tests am fertigen System sind mitunter wirksamer. Die Autoren widmen jeder Methode ein Kapitel – auch A/B-Tests und allgemeine Ausführungen zu Analytics kommen dabei nicht zu kurz.

Für Entwickler, die das Ziel verfolgen, ihre Anwendung später an einen Investor zu veräußern, sind auf Metriken zur Nutzerzufriedenheit angewiesen. Das letzte Kapitel des zweiten Abschnitts stellt die wichtigsten Kennzahlen vor, ohne dabei die Schwächen zu vergessen.

Praxisbuch Usability und UX (Bild: Rheinwerk)

Regeln und Best Practices

Anbieter von GUI-Stacks stellen ihren Kunden in der Regel umfangreiche Dokumente zur Verfügung, die erklären, wie sich Widgets sinnvoll einsetzen lassen. Die Rheinwerk-Autoren gliedern diese Hinweise nach Navigationsebene, Seitenebene und Inhaltsebene. Zu jedem der Themenkreise finden sich Unterkapitel, die Hinweise aus der Praxis geben.

Im Unterschied zu vergleichbaren Werken anderer Verlage konzentriert sich das Praxisbuch nicht auf spezifische Widget-Typen. Stattdessen finden Leser Überlegungen zu Farbtheorie, der optimalen Formulierung von Texten und der Suche nach Wegen, um Links effektiv zu strukturieren.

Klickstrecken sind ob ihrer Eigenschaft, die IAB-Werte von Webseiten zu erhöhen, seit jeher populär. Die Autoren geben Hinweise dazu, wie man die betreffenden Elemente effektiv verwendet – Videos, Tondokumente und andere neue Medien sind ebenfalls erwähnt. Das Kapitel zu Diagrammen erläutert die didaktische Ausrichtung schematisch: es geht dabei mehr um kognitive Psychologie als um praktische Richtlinien nach dem Schema verwende Widget X, wenn Y.

Neben dem durchaus leicht verständlichen Text vermitteln zahlreiche Bilder dem Leser einen Eindruck vom praktischen Einsatz der einzelnen Elemente. Die beiden Autoren fokussieren sich dabei auf frei zugängliche Webseiten, sodass sich die behandelten Problemstellungen bei Bedarf live nachvollziehen lassen.

Fazit

Usability und User Interface Design gelten bis zu einem gewissen Grad eher als Kunstform, denn als Aufgabe, die sich einfach formalisieren lässt. Das ist insofern nachvollziehbar, als die von Entwicklern gestalteten Entwürfe Menschen mit den unterschiedlichsten Bedürfnissen und Vorlieben ansprechen wollen. Jacobsen und Meyer zeigen in ihrem Buch Regeln und Best Practices auf, die sich wie eine Art Werkzeugkasten für individuelle Interface-Ansätze nutzen lassen. Allein dafür ist das Buch eine Empfehlung wert. Wer sich darüber hinaus für die Zusammenarbeit von Mensch und Maschine interessiert, findet ebenfalls wertvolle Denkanstöße. (map)

Tam Hanna
befasst sich seit dem Jahr 2004 mit Handcomputern und Elektronik. Derzeit liegt sein Fokus auf interdisziplinären Anwendungen von Informationstechnologie.