QAMP – auf dem Weg zum Software Quality Engineering

Testprozess

Standardisierter Testprozess

Testen umfasst viele Aufgaben. Deshalb ist ein eigenständiger Testprozess sinnvoll, der einen verfeinerten Ablaufplan für alle Testarbeiten definiert. Der weltweit verbreitete ISTQB-Testprozess unterscheidet folgende Aktivitäten:

  • Planung und Steuerung,
  • Analyse und Design,
  • Realisierung und Durchführung,
  • Auswertung und Bericht sowie
  • Abschluss.

Die einzelnen Aktivitäten des Testprozesses sind nicht strikt nacheinander abzuarbeiten, eine zeitliche Überlappung wird sich in der Praxis weder vermeiden lassen noch ist sie unbedingt erforderlich.

Mehrere Testverfahren zur Auswahl

Da sich beim Testen nicht alle Möglichkeiten der Anwendung der Software prüfen lassen – ein "Austesten" ist selbst bei kleineren Systemen nicht durchführbar –, sind die Testfälle möglichst so zu wählen, dass sich ein breites Spektrum des späteren Einsatzes vorab prüfen lässt. Hierbei helfen Testverfahren zur Herleitung der Testfälle und die Angabe von Kriterien zur Beendigung des Testens. Folgende Testverfahren beziehungsweise Ansätze zur Ermittlung der Testfälle sind Gegenstand der Ausbildung zum Certified Tester:

  • Äquivalenzklassen,
  • Grenzwerte,
  • Entscheidungstabellen,
  • zustandsbasierter Test,
  • Code-Überdeckungsverfahren,
  • intuitives und erfahrungsbasiertes Testen sowie
  • risikoorientiertes Testen.

Eine ausführliche Beschreibung der Aufgaben des Testmanagements und die Auswahl von unterstützenden Werkzeugen runden den Lehrplan ab.

Weltweit akzeptiertes Ausbildungsschema

Wie erfolgreich der hier kurz vorgestellte Lehrplan ist, lässt sich an der großen Verbreitung des Ausbildungsschemas erkennen. Im International Software Testing Qualifications Board arbeiten derzeit an die 50 Länder aus allen fünf Kontinenten zusammen. Das ISTQB hat – aufbauend auf dem Foundation Level – noch zwei weitere Ausbildungsstufen und die entsprechenden Lehrpläne unter dem Namen Certifed Tester definiert. Das Test-Fachwissen wird von unabhängigen Institutionen wie dem iSQI geprüft. Weltweit gibt es zurzeit deutlich mehr als 150.000 zertifizierte Tester.

Im Foundation Level werden die Grundlagen des Softwaretestens vermittelt. Die nächste Ausbildungsstufe ist das Advanced Level. Hier beginnt das Test-Fachwissen. Die Qualifizierung erfolgt in drei Teilen:

Test Manager: Alle Aufgaben des Testmanagements werden hier behandelt. Dazu gehören sowohl die klassischen Methoden des Projekt- und Risikomanagements als auch das Wissen um den zweckmäßigen Einsatz der Testverfahren und der unterstützenden Werkzeuge.

Test Analyst: Die Fachkompetenz des Analysten liegt im Einsatz der Testverfahren. Er hat das Wissen, wann welche Verfahren wie einzusetzen sind, wie Testfälle zu spezifizieren sind und wann sich das Testen als ausreichend ansehen lässt.

Im Expert Level wird Test-Spezialwissen vermittelt. Diese Ausbildungsstufe wird derzeit definiert. Angedacht sind unter anderem die Themen Improving the Test Process (Lehrplan liegt vor), Test Management, Test Automation und Security Testing.

Schlussbemerkung

Certified Tester – Foundation Level legt die Grundlage für eine systematische Durchführung der Aufgabe Test. Dabei ist es wichtig, dass man Entwicklung und Test nicht als Gegenpole sieht; vielmehr führt ein Miteinander von Entwicklern und Testern zum Erfolg. Tester müssen über Kenntnisse in der Entwicklung von Software verfügen, und Entwickler sollen auch Grundfertigkeiten im Testen besitzen. Der Certified Tester ist somit ein wichtiger Grundbaustein des QAMP-Ausbildungsportfolios. (ane)

Stephan Goericke
ist Geschäftsführer des Vereins ASQF e.V. und des International Software Quality Institute (ISQI). Zudem ist er ist Herausgeber der "Schriftenreihe zur Software-Qualität" sowie der "CONQUEST Conference Proceedings" und gilt als geistiger Vater des QAMP-Zertifikats.

Andreas Spillner
ist Professor für Informatik an der Hochschule Bremen, Fakultät für Elektrotechnik und Informatik. Er war über zehn Jahre Sprecher der Fachgruppe TAV "Test, Analyse und Verifikation von Software" der Gesellschaft für Informatik (GI) e.V. Seine Arbeitsschwerpunkte liegen im Bereich Softwaretechnik, Qualitätssicherung und Testen.

Literatur & Links