Qualitätssicherung für die Software im Auto mit Automotive SPICE 3.0

V-Modell

Endlich ein symmetrisches V-Modell

Die größten Änderungen betreffen die früheren Engineering-Prozesse (ENG.x). Sie sind in Automotive SPICE® 3.0 in die "System-Engineering" (SYS.x) und die "Software-Engineering" (SWE.x) Prozessgruppe aufgegangen (Abb. 4). Durch die Auf- und Umverteilung der früheren ENG.5- und ENG.6-Prozesse in nun SWE.2, SWE.3 und SWE.4 ist im Software-Engineering ein symmetrisches V-Modell entstanden. Dadurch sind Design und Test sauber getrennt. Durch diese Aufteilung wird wohl auch der neue HIS-Scope (Empfehlung der deutschen Hersteller) im Vergleich zu früher einen zusätzlichen Prozess haben. Offiziell ist er noch nicht festgelegt, aber es ist zu erwarten, dass er die gleichen Prozessgebiete wie vorher umfasst: MAN.3 (aus der Management-Prozessgruppe), ACQ.4 (aus der Acquisition-Prozessgruppe), SUP.1, SUP.8 bis 10 (aus der Supporting-Prozessgruppe), SYS.2 bis 5 (aus der System-Engineering-Prozessgruppe und SWE.1 bis 6 (aus der Software-Engineering-Prozessgruppe) .

Aufteilung in die Prozessgrupppen (Abb. 4) (Bild: Automotive SPICE® PAM v3.0, © VDA QMC)

Die Aufteilung in System-Engineering- und Software-Engineering-Prozesse erlaubt die Erweiterung um zusätzliche Domänen wie Hardware Engineering (HWE) und Mechanical Engineering (MEE) (Abb. 5). Für Letzteres gibt es bereits eine Draft-Version der Prozesse von einer intacsTM-Arbeitsgruppe (international Assessor Certification Scheme für SPICE-Assessoren), die jedoch nicht Bestandteil von Automotive SPICE® 3.0 ist. Auf alle Fälle legt die neue Version des Standards die Grundlage, über die Begutachtung von Softwareaspekten hinaus die gesamte Entwicklung von Fahrzeugen und deren Komponenten zu beurteilen.

Das Plug-in-Konzept gibt eine Übersicht, die nach Systemebene und Domänenschicht unterteilt ist (Abb. 5). (Bild: Automotive SPICE® PAM v3.0, © VDA QMC)

Richtlinien zur einheitlichen Verwendung englischer Begriffe

Ein Aspekt bei der Überarbeitung der Basispraktiken in den Software- und System-Engineering-Prozessen war die einheitliche Nutzung von Begriffen wie "Element", "Component", "Unit" und "Item" (Abb. 6). Die Begriffe "Element" und "Sub-Element" werden ausschließlich für die Bestandteile der Architektur auf den verschiedenen Hierarchieebenen benutzt. Von "Component" spricht man bei Elementen auf der untersten Ebene der Softwarearchitektur. Für jede Komponente muss ein detailliertes Design existieren, das wiederum aus einem oder mehreren "Units" besteht, den programmierbaren Teilen der Software.

Einheitliche Verwendung von Begriffen - "Element", "Component", "Unit" and "Item" (Abb. 6). (Bild: Automotive SPICE® PAM v3.0, © VDA QMC)

Auf der rechten Seite des V-Modells (Abb. 6), das den Bereich der Verifikation und Tests widerspiegelt, steht der Begriff "Item". Ein Software-Item kann beispielsweise eine Object-Datei, eine Library oder ein Executable sein. Jedes Item korrespondiert mit den Elementen auf der linken Seite, entweder mit 1:1- oder m:n-Beziehungen. Ein Item kann sich also auf mehr als nur ein Architekturelement beziehen.

Für alle System- und Software-Engineering-Prozesse gibt es eine sogenannte Base Practice, die sich mit der Abstimmung und Kommunikation des Erreichten beschäftigt. Auf der linken Seite des V-Modells wird stets von "communicate agreed" gesprochen, auf der rechten Seite heißt es "summarize and communicate". Beide Male geht es hier nicht um die formale Zustimmung, sondern lediglich um umfassende Kommunikation mit allen Beteiligten.

Die Prozessgebiete SYS.4 und 5, SWE.4 bis 6, SUP.1, und SUP.8 bis 10 verlangen jeweils eine Strategie, die in einem Plan niedergeschrieben ist. In Automotive SPICE® 3.0 geht man davon aus, dass für den Plan auf Level 1 die projekt- und prozessspezifische Strategie gemäß den in den "Work Product Characteristics" angegebenen Informationen definiert ist. Auf Level 2 gelten zusätzlich die Inhalte, die im "Work Product Generic Plan" beschrieben sind. Das verleiht den Informationen, die in den "Work Product Characteristics" enthalten sind, eine höhere Bedeutung bei der Bewertung der Ergebnisse als in der Vergangenheit.