SAPPHIRE NOW: Steiniger Weg für HANA-Entwickler

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Auf die drei Geschäftsfelder Mobile, Cloud und In-Memory Computing schwörte die SAP AG auf ihrer Hausmesse die Besucher ein. Vor allem die Hochleistungsmaschine HANA stand dabei im Vordergrund des Interesses.

SAPs Co-CEO Jim Hagemann Snabe sieht in fünf Jahren eine Welt, in der alles mobil, in der Cloud und im Hauptspeicher ist. (Bild: Harald Weiss)

"In weniger als fünf Jahren ist alles mobil, in der Cloud und im Hauptspeicher", lautete die Prognose von SAPs Co-CEO Jim Hagemann Snabe in seiner Keynote auf der diesjährigen SAPPHIRE NOW, die Mitte Mai in Orlando stattfand. Auf diese drei Trends will sich SAP so schnell wie möglich einstellen. Vor allem die neuen Entwicklungen zur In-Memory-Technik von HANA (High-performance analytics appliance) standen dabei im Zentrum vieler Ankündigungen. Neben den beeindruckenden Hardwareerweiterungen (bis zu 100 Terabyte DRAM, 100 Nodes und 4000 Prozessor-Kerne) standen vor allem Softwareerweiterungen, die Öffnung für Anwendungssoftware von Fremdanbietern sowie verlockende Angebote für externe Entwickler im Vordergrund der Veranstaltung. Doch in allen drei Punkten sind noch viele Hürden zu nehmen, bis daraus normale Abläufe werden.

SAPs eigenes Angebot von Anwendungssoftware für HANA ist noch gering. 33 Anwendungsprogramme stehen derzeit für die Hochleistungsmaschine bereit, davon wurden acht auf der SAPPHIRE neu vorgestellt. Im Einzelnen sind das Sales and Operations Planning, Cash Forecasting, Planning and Consolidation, Collections Insight, Sales Pipeline Analysis, Bank Analyzer für Finanzreporting, Deposits Management für die Analyse von Transaktionshistorien und Supplier InfoNet.

Viele Hürden sind noch zu nehmen

Der offizielle Grund für das geringe Softwareangebot ist, dass sich der Einsatz von HANA nicht für die sequenzielle Abarbeitung klassischer Anwendungsprogramme lohnt. So sagte SAPs Aufsichtsratsvorsitzender Hasso Plattner in seiner Keynote: "Die Portierung der ERP-Suite auf HANA bringt keine Performancevorteile, also ist es besser für unsere Kunden, die Suite mit der Datenbank ihrer Wahl auf einer klassischen Serverumgebung zu belassen."

Mit der Entwicklung von HANA ist 2006 im Hasso Plattner Institut gestartet worden. Für den Namensgeber des Forschungsinstituts ist HANA SAPs Antwort auf Multicore-Rechner aus Datenbanksicht. (Bild: Harald Weiss)

Das erscheint nicht ganz schlüssig. Schließlich muss jede Anwendung schneller sein, wenn sie auf einer Datenbank läuft, die vollständig In-Memory gehalten wird. Und laut Plattner ist das derzeit größte HANA-System mit seinen 100 Terabyte Hauptspeicher so groß, dass die acht größten SAP-Kunden gemeinsam darin Platz hätten.

Doch es gibt vor allem strukturelle Probleme, die gegen eine schnelle Portierung der bestehenden SAP-Programme sprechen. Denn um die Vorteile von HANA voll auszuschöpfen, muss die Software in SQLScript oder R erstellt sein. Das bedeutet, dass die althergebrachten SAP-Programme umzuschreiben
sind – und das kostet Zeit. Um aber nicht nur die schnelle Datenbank, sondern vor allem auch die Parallelverarbeitung auszuschöpfen, kann man nicht nur die Ablauflogik eins zu eins umschreiben, sondern man muss auch die Abarbeitung in viele kleine Prozesse aufsplitten, die sich weitgehend unabhängig voneinander starten lassen. Das alles ist zeit- und testintensiv. Doch SAP arbeitet mit Hochdruck daran. "Bis zum Jahresende werden wir die Suite auf HANA haben", sagte SAPs Vice President für den Bereich Technology Marketing, Kijoon Lee, in einem Gespräch mit heise Developer.

Der Portierungsaufwand bei der eigenen Software dürfte auch viele Drittanbieter von einer schnellen Implementierung ihrer Angebote auf HANA abhalten. Solange die HANA-Kundengruppe noch überschaubar ist, ergibt es für einen ISV keinen Sinn, viel Geld in eine zeit- und kostenintensive Portierung zu stecken. Zumal HANA nur SUSE Linux als Betriebssystem bietet, das heißt, alle Unix- und Windows-Programme müssen auch noch diese Hürde nehmen.

Auch stehen die Probleme einer schnellen Adaption von HANA in der Entwicklergemeinde im Weg. Zwar sind R und SQLScript mehr oder minder bekannte Skriptsprachen, doch der Trend bei den unabhängigen Softwareentwicklern geht hin zu den bekannten einfachen Skriptsprachen für mobile Apps. Diese Anwendungen lassen sich schneller programmieren und bringen schneller Geld als Anwendungen auf einer proprietären SAP-Hardware.

"With a little help" from SAP

Diejenigen Entwickler und ISVs, die den HANA-Weg gehen wollen, können sich jedoch einer umfangreichen SAP-Unterstützung sicher sein. Allen voran die Einrichtung einer Entwicklungsumgebung auf Amazons Webservice-Plattform, auf der sich kostengünstig die Programme erstellen und testen lassen. Auch die auf der SAPPHIRE NOW angekündigte Einbindung von Hadoop ist für viele Entwickler hilfreich, erlaubt sie die Auslagerung vieler Analytics, vor allem von unstrukturierten Daten. Außerdem bietet SAP ein umfangreiches Beratungs-Know-how, um vor allem HANAs Parallelverarbeitung und In-Memory-Technik voll auszuschöpfen. "Wenn alles im Speicher gehalten wird, kann man viele alte Zöpfe abschneiden", sagte Snabe. Hierzu verweist er auf die Indizierung von Daten, was nötig ist, um im Hauptspeicher den richtigen Datensatz auf der Festplatte zu ermitteln. "Wenn alles im Speicher ist, braucht man keinen Index mehr, denn man kann alles sequenziell durchsuchen", lautet sein Rat an die Programmierer.

Doch nicht nur technische Hilfe steht den Entwicklern zur Verfügung. SAP hat ein Förderprogramm für Start-ups aufgelegt, das innovative Entwicklungen für die HANA-Plattform finanziell prämiert. 155 Millionen Dollar stehen bereit, die nur darauf warten, von kreativen Entwicklern abgerufen zu werden.

Dass sich SAP so intensiv um die ISVs und freien Programmierer bemüht, ist nur folgerichtig, denn ohne sie wird man HANA nicht zu einer erfolgreichen Cloud-Plattform aufbauen können. Denn wenn ausschließlich die eigenen Programme zur Verfügung stehen, wird sich das mit HANA gestützte Cloud-Angebot nur als Hosting-Service erweisen. (ane)

Harald Weiss
ist seit über zehn Jahren freier Fachjournalist in New York und berichtet regelmäßig von vielen bedeutenden IT-Events in den USA. Er begann seine Berufslaufbahn als Softwareentwickler und System-Ingenieur, bevor er über die Stationen Marketing und PR zur schreibenden Zunft kam. Harald Weiss berichtet regelmäßig von US-amerikanischen Events für
heise Developer.